Direkt zum Inhalt

Institution

Definition

Eine allgemein anerkannte Definition des Begriffs fehlt bis dato. Institutionen beeinflussen, entsprechend dem ökonomischen Ansatz zur Erklärung menschlichen Verhaltens (G.S. Becker), als Restriktionen die Handlungen von Menschen. Zu den Institutionen zählen so unterschiedliche Dinge wie Märkte, Gesetze, Bräuche, Zahlungsmittel oder Standardverträge. Die Analyse der Entstehung, Wirkung und Gestaltung von Institutionen ist Gegenstand der Neuen Institutionenökonomik.

GEPRÜFTES WISSEN
Über 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 25.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition

    1. Begriff: Eine allgemein anerkannte Definition des Begriffs fehlt bis dato. Institutionen beeinflussen, entsprechend dem ökonomischen Ansatz zur Erklärung menschlichen Verhaltens (G.S. Becker), als Restriktionen die Handlungen von Menschen. Zu den Institutionen zählen so unterschiedliche Dinge wie Märkte, Gesetze, Bräuche, Zahlungsmittel oder Standardverträge. Die Analyse der Entstehung, Wirkung und Gestaltung von Institutionen ist Gegenstand der Neuen Institutionenökonomik. Schotter (1986) definiert Institutionen als „Set von Regeln, die individuelles Verhalten beschränken und das soziale Ergebnis individuellen Handelns definieren.” Im dt. Sprachraum definieren Erlei, Leschke und Sauerland (2007) Institutionen als Verträge oder Vertragssysteme sowie Regeln oder Regelsysteme „jeweils inklusive ihrer Durchsetzungsmechanismen durch [...] die das Verhalten von Individuen kanalisiert wird."

    2. Merkmale: Institutionen sind als soziale Phänomene relevant für die Interaktion einer Gruppe von Menschen (Kollektiv). Institutionen senken (oder erhöhen) die Kosten der Interaktion von Individuen (Transaktionskosten). Sie erleichtern (oder erschweren) die Realisierung von Kooperationsvorteilen, da sie die Erwartungssicherheit in Bezug auf das Verhalten der potentiellen Kooperationspartner erhöhen. Institutionen entstehen häufig evolutorisch, d.h. sie bilden sich in Interaktionen heraus. Die beteiligten Individuen lernen, welche Verhaltensmuster sich in Interaktionen als erfolgreich (mit Blick auf die eigenen Ziele) erweisen. Solche informellen Institutionen werden oftmals auch formalisiert und als Regel oder Regelsystem offiziell in einem Kollektiv (z.B. Staat oder Unternehmen) eingeführt (formelle Institutionen). Verstöße gegen Regeln müssen mit glaubhaften Sanktionen bedroht werden. Dies können gesetzliche (rechtliche) Sanktionen oder auch soziale Sanktionen (z.B. Ausschluss aus dem Kollektiv) sein. Ohne glaubhafte Sanktionsmechanismen verlieren Institutionen als kollektives Kapital ihren Wert und erodieren. Werden Institutionen nicht von einer Mehrheit der Kollektivmitglieder akzeptiert, sind hohe Kontroll- und Sanktionskosten (Zwang) notwendig, um sie zu erhalten. Dies ist i.d.R. nicht produktiv.

    3. Abgrenzung: a) Institution und Organisationen: Organisationen sind Personenkollektive, deren Mitglieder sich organisiert haben, um ihre individuellen Ziele besser erreichen zu können (Kooperationsvorteile). D.C. North definiert Organisationen als Institutionen zzgl. der beteiligten Personen, z.B. Unternehmen, Verbände oder Entscheidungsgremien in Gebietskörperschaften. In einer Unternehmung verkörpert das Vertragsgeflecht die institutionelle, die beteiligten Personen „die persönliche Seite der Unternehmung”.
    b) Institution, Werte und Normen: Unter einem Wert versteht man in der Soziologie eine grundlegende, zentrale, allg. Zielvorstellung und Orientierungsleitlinie für menschliches Handeln und soziales Zusammenleben innerhalb einer Subkultur, Kultur oder sogar im Rahmen der Menschheit (Hillmann). Werte sollen nicht zu den Institutionen gezählt werden, weil ihre Nichtbeachtung nicht sozial sanktionierbar ist und sie auch nicht zu gleichen und stabilen Verhaltenserwartungen führen. Normen sind solche Regeln, die sich aus Werten ableiten. Normen sind informelle Regeln (informelle Institutionen).

    Vgl. auch Verfügungsrechte, Wirtschaftsethik.

    4. Klassifikation: a) Formelle vs. informelle Institutionen: Diese Klassifikation setzt an der Formalität der Regelkomponente einer Institution an. Zumeist (aber nicht immer) sind Verfassungsregeln, Gesetz und Verordnungen dazu zu rechnen. Informelle Institutionen sind Regeln, die i.d.R. nicht schriftlich fixiert sind und deren Bestandteile bisweilen gar nicht vollständig genannt werden können, wie etwa die Regeln des Fairplay. Diese Unterscheidung geht auf North zurück.

    b) Externe vs. interne Institution: Diese Klassifikation fragt nach der Art der Sanktionierung einer Institution. Regelverstösse können von den Mitgliedern einer Gesellschaft selbst sanktioniert werden, ohne auf den Staat zurückzugreifen.

    Beispiele: Gewohnheiten, Sitten und Traditionen, deren Einhaltung durch Sanktionen gesichert wird, die von den Mitgliedern einer Gesellschaft selbst vorgenommen werden. Bei externen Institutionen erfolgt die Sanktionierung durch Vertreter des Staates, also extern von der Gesellschaft. Externe Institutionen sind also z.B. Gesetze. Diese Unterscheidung geht auf Kiwit und Voigt zurück.

    zuletzt besuchte Definitionen...

      Mindmap Institution Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/institution-37388 node37388 Institution node31917 Becker node37388->node31917 node48644 Wirtschaftsethik node48644->node37388 node51589 Corporate Social Responsibility node48644->node51589 node34593 Eucken node51077 Zentralverwaltungswirtschaft node50911 Wirtschaftsordnung node46080 Planwirtschaft node46080->node37388 node46080->node34593 node46080->node51077 node46080->node50911 node45255 Planerfüllungsprinzip node46080->node45255 node49219 Wirtschaftssystem node48410 Wirtschaftsstufen node50700 Wirtschaftsstil node33328 historische Schule node51187 Wirtschaftsverfassung node51187->node37388 node51187->node49219 node51187->node48410 node51187->node50700 node51187->node33328 node36017 Fundraising node36017->node51589 node38241 Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften node31917->node38241 node52392 European Multistakeholderforum node52392->node51589 node50418 Verantwortung node51589->node37388 node51589->node50418 node44917 Ordnungsökonomik node44917->node37388 node39170 Konsensethik node27891 Dilemmastrukturen node43541 Regeln node43541->node37388 node43541->node44917 node43541->node39170 node43541->node27891 node37494 Nobelpreisträger node37494->node31917
      Mindmap Institution Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/institution-37388 node37388 Institution node31917 Becker node37388->node31917 node43541 Regeln node43541->node37388 node51589 Corporate Social Responsibility node51589->node37388 node51187 Wirtschaftsverfassung node51187->node37388 node46080 Planwirtschaft node46080->node37388

      News SpringerProfessional.de

      • Maschinen-Export in die USA boomt

        Die Ausfuhren der deutschen Maschinenbau-Industrie bleiben auf Wachstumskurs – besonders in Richtung USA und China. In den ersten vier Monaten dieses Jahres stiegen die Ausfuhren im Vergleich zum Vorjahr um nominal 4,4 Prozent auf 56,1 Milliarden Euro.

      • "Der beste Deal kann sich zum Flop entwickeln"

        Wie Übernahmen von Unternehmen gelingen, erklärt M&A-Experte Florian Bauer im Exklusiv-Interview. Denn der Professor für strategisches Management an der Lancaster University Management School erlebt viel zu oft, wie die Integration zugekaufter Kandidaten scheitert.

      • Aufsichtsrat – kein Job für nebenbei

        Die Zeiten, in denen Vorstände nebenher zahlreiche Aufsichtsratsmandate anhäuften, sind vorbei. Die Hauptgründe: Zeitmangel und strengere Anforderungen. Beginnt nun die Ära der Berufsaufsichtsräte?

      • "Ignoranz versucht, einen anderen zum Nichts zu machen"

        Sie wirken auf den ersten Blick harmlos: Ignoranzfallen am Arbeitsplatz. Dabei handelt es sich um Mobbing, um subtile seelische Gewalt, die Mitarbeitern an die Nieren geht. Springer-Autorin Lilo Endriss erklärt im Interview, warum Ignoranzfallen so tückisch sind.

      • Verbraucher können bald gemeinsam klagen

        Der Bundestag hat entschieden: Ab November ist es Verbrauchern möglich, über Verbände eine Musterfeststellungsklage gegen Unternehmen einzureichen, um gemeinsam Schadensersatz zu fordern. Die Opposition sieht das Gesetz kritisch.

      • Psychopath und Psychopath gesellt sich gern

        Menschen mit psychopathischen Tendenzen sind unter rüden Chefs zu Bestleistungen fähig, so eine Studie. Was nach einer Win-Win-Situation für stressige Arbeitsumfelder klingt, hat auch seine Kehrseiten.

      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Prof. Dr. Dirk Sauerland
      Universität Witten/Herdecke, Lehrstuhl für Institutionenökonomik
      und Gesundheitspolitik
      Lehrstuhlinhaber

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

      Springer Professional - Die Flatrate für Fachzeitschriften und Bücher
      Eine Institution ist eine normativ geregelte, mit gesellschaftlichem Geltungsanspruch dauerhaft strukturierte und über Sinnbezüge legitimierte Wirklichkeit sozialen Handelns. Der Begriff Institution bedeutet in seiner lateinischen Wortherkunft …
      The rapid growth of Internet technology has resulted in the development of e-learning in higher education institution with the purpose of enhancing students’ performance in their learning practice. In this regard, motivation is one of the …
      Two further high-profile corruption scandals—the privatisation of the Port of Belgrade and the government’s procurement of swine flu vaccines—characterise the period between 2008 and 2012, under the fourth post-Milošević government. As is shown …

      Sachgebiete