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Merkantilismus

Definition

Sammelbegriff für die vom 16. bis 18. Jh. durch Interventionismus und Dirigismus gekennzeichneten wirtschaftspolitischen Eingriffe des Staates in den Wirtschaftsprozess. Diese praktisch-politischen Ansätze mit dem Ziel der Steigerung der nationalen Wirtschafts- und Handelskraft basieren auf keiner (da zu dieser Zeit noch nicht ausformulierten) in sich geschlossenen wirtschaftstheoretischen und -politischen Konzeption.

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    Ausführliche Definition

    1. Begriff: Sammelbegriff für die vom 16. bis 18. Jh. durch Interventionismus und Dirigismus gekennzeichneten wirtschaftspolitischen Eingriffe des Staates in den Wirtschaftsprozess. Diese praktisch-politischen Ansätze mit dem Ziel der Steigerung der nationalen Wirtschafts- und Handelskraft basieren auf keiner (da zu dieser Zeit noch nicht ausformulierten) in sich geschlossenen wirtschaftstheoretischen und -politischen Konzeption. Die merkantilistische Literatur erscheint daher als Sammlung punktueller, jeweils problembezogener Ideen und Rezepte.

    2. Ziele/Mittel: Merkantilistische Wirtschaftspolitik unterscheidet sich von Land zu Land.
    a) Französischer Merkantilismus (u.a. Sully, v.a. Colbert; Colbertismus): Gekennzeichnet durch intensive Förderung der gewerblichen Wirtschaft unter Vernachlässigung der Landwirtschaft; Mittel sind u.a. Schaffung eines einheitlichen Zoll- und Marktgebiets, straffe Zentralisierung der politischen und wirtschaftlichen Entscheidungskompetenzen, Steuerreform zur Sanierung der Staatsfinanzen unter Ludwig XIV., Schaffung einer gewerbefördernden Infrastruktur und staatlicher Manufakturen, Anwendung von Preistaxen und Produktionsvorschriften und Ausfuhrverbot für Nahrungsgüter (das inländische Angebot soll hierdurch steigen mit der Folge fallender Preise und dadurch sinkender Löhne, um die Lohnkosten der Güterproduktion zu verringern).
    b) Englischer Merkantilismus („Bullionismus”, Bullion = Goldbarren; Vertreter: U.a. Malynes, Misselden, Hales): Schwerpunktmäßige Förderung des Außenhandels mit dem Ziel einer permanent aktiven Handelsbilanz. Zugrunde liegt die Annahme, dass die durch Außenhandelsüberschüsse anwachsenden Edelmetallreserven gleichbedeutend mit nationalem Wohlstand sind. Das wirtschaftspolitische Mittel ist ein ausgeprägter Handelsprotektionismus u.a. durch die Beschränkung des Imports auf Rohprodukte, Förderung des Exports von Fertigwaren, Exportverbote für Edelmetalle, Devisenbewirtschaftung und Importzölle. Zur Erreichung einer aktiven Dienstleistungsbilanz und aus Kontrollzwecken wird vorgeschrieben, dass der Transport aller im- bzw. exportierten Waren durch engl. Schiffe zu erfolgen hat (Navigationsakte von 1651).
    c) Deutscher Merkantilismus („Kameralismus”; Vertreter: U.a. Klock, Becher, Seckendorf, Sonnenfels, Justi): Ziel ist die Mehrung des fürstlichen Schatzes („camera principi”) und das Wiederanwachsen der Bevölkerung nach dem 30-jährigen Krieg („Peuplierung”), da angenommen wird, dass der Reichtum eines Landes von der Bevölkerungszahl und der Größe des Staatsschatzes abhängt. Während die praktische Wirtschaftspolitik des Kameralismus der des französischen Merkantilismus gleicht, werden daneben verwaltungstechnische Verfahrensgrundsätze (kameralistische Rechnungsführung) aufgestellt und systematisiert, die einen bleibenden Einfluss auf die dt. Finanzwirtschaft erlangt haben.

    Vgl. auch Neomerkantilismus;

    Gegenteil: Liberalismus; Laissez-Faire-Liberalismus; Klassischer Liberalismus.

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      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Prof. Dr. Dirk Sauerland
      Universität Witten/Herdecke, Lehrstuhl für Institutionenökonomik
      und Gesundheitspolitik
      Lehrstuhlinhaber

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

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