Direkt zum Inhalt

Erwerbsschwelle

Definition

Eine wichtige Bagatellgrenze im Zusammenhang mit dem Einkauf von Waren aus anderen EU-Staaten, gilt jedoch für die meisten Unternehmer von vornherein nicht, sondern nur für sog. Halbunternehmer.

GEPRÜFTES WISSEN
Über 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 25.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition

    1. Begriff des Umsatzsteuerrechts: eine Bagatellgrenze bei der Erwerbsbesteuerung der sog. Halbunternehmer.

    2. Inhalt der Regelung: Übersteigen die Anschaffungen von Gegenständen aus anderen EU-Ländern durch einen solchen Halbunternehmer pro Jahr nicht 12.500 Euro (= der in Deutschland gültige Wert; § 1a III UStG; Liste der Erwerbsschwellen in den anderen Mitgliedsstaaten jeweils aktualisiert in R 3c.1 UStAE), so wird ein Halbunternehmer nicht zur Erwerbsteuer herangezogen; die Steuer hat dann der Verkäufer zu zahlen (und zwar entweder im Bestimmungsland der Ware nach den Regeln der sog. Versandhandelsregelung oder aber, wenn diese nicht greift, in seinem Heimatstaat). Erreicht die Summe der relevanten Einkäufe aus anderen Mitgliedsstaaten bei einem Halbunternehmer aber den Schwellenwert, so sind von diesem Zeitpunkt an alle weiteren Erwerbe - inkl. desjenigen, mit dem der Schwellenwert erreicht wird - der Erwerbsteuer zu unterwerfen; ebenfalls sind dann sämtliche Einkäufe des Folgejahres von Anfang an erwerbsteuerpflichtig.

    3. Optionsrecht: Der Sinn der Erwerbsschwelle liegt darin, dass die sog. Halbunternehmer sämtlich Personen sind, die bisher keine reguläre Umsatzsteuererklärung abzugeben haben, weshalb die Verpflichtung, für ihre Einkäufe aus anderen Mitgliedsstaaten die Erwerbsteuer zu zahlen, für diesen Personenkreis zusätzliche administrative Belastungen bedeuten würde; diese möchte man ihnen in Bagatellfällen durch die Erwerbsschwelle ersparen. Auf die Anwendung der Erwerbsschwelle kann ein Halbunternehmer daher auch verzichten (in Deutschland: § 1a IV UStG), dann gilt Erwerbsteuerpflicht auch schon bei nur geringfügigen Käufen aus anderen Mitgliedsstaaten pro Jahr.

    4. Weitere Hintergründe: Erwerbsteuer.

    5. Indirekte Auswirkungen auf den Bezug von Dienstleistungen: Hat ein Halbunternehmer die Erwerbsschwelle überschritten (oder auf ihre Anwendung verzichtet), muss der Betroffene zur Abwicklung seiner erwerbsteuerpflichtigen Einkäufe eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer beantragen. Der Besitz einer solchen Nummer hat dann ab 2010 automatisch auch zur Konsequenz, dass der Betroffene von da an auch für die Zahlung der Umsatzsteuer auf den Bezug von innergemeinschaftlichen Dienstleistungen, die er als Kunde von Anbietern aus anderen EU-Staaten bezieht, zu sorgen hat. Dennoch hängt die Entscheidung, ob die Erwerbsschwelle überschritten ist oder nicht, einzig und allein vom Umfang der Wareneinkäufe, nicht auch vom Wert der aus anderen Mitgliedsstaaten bezogenen Dienstleistungen ab.

    6. Wichtige Ausnahmen: Die Erwerbsschwelle gilt nicht für den Erwerb verbrauchsteuerpflichtiger Waren oder neuer Fahrzeuge; diese sind vom geringfügigsten Kauf an der Erwerbsteuer zu unterwerfen. Käufe solcher Waren werden allerdings auch nicht auf die Erwerbsschwelle angerechnet.

    zuletzt besuchte Definitionen...

      Mindmap Erwerbsschwelle Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/erwerbsschwelle-35596 node35596 Erwerbsschwelle node51451 innergemeinschaftliche Dienstleistungen node35596->node51451 node34243 Halbunternehmer node35596->node34243 node47412 Versandhandelsregelung node35596->node47412 node49603 Umsatzsteuer node39011 innergemeinschaftliche Lieferungen node51576 zusammenfassende Meldung node44478 Reverse-Charge-Verfahren node51451->node39011 node51451->node51576 node51451->node44478 node50103 Umsatzsteuervoranmeldung node34120 Erwerbsteuer node50103->node34120 node50919 Verein node50919->node34120 node34470 Gemeinsamer-Markt-Prinzip node34470->node34120 node36547 Fiskalvertreter node34243->node34120 node49340 Unternehmer node34243->node49340 node30740 Abhollieferung node50390 Verbrauchsteuersystemrichtlinie node47412->node36547 node47412->node30740 node47412->node50390 node47412->node34120 node33119 Dreiecksgeschäft node33119->node34243 node34120->node35596 node34120->node49603 node28339 Beförderungsleistungen node28339->node51451
      Mindmap Erwerbsschwelle Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/erwerbsschwelle-35596 node35596 Erwerbsschwelle node34243 Halbunternehmer node35596->node34243 node47412 Versandhandelsregelung node35596->node47412 node34120 Erwerbsteuer node35596->node34120 node51451 innergemeinschaftliche Dienstleistungen node35596->node51451

      News SpringerProfessional.de

      • Was Arbeit in Europa kostet

        Für eine Arbeitsstunde zahlt die deutsche Wirtschaft durchschnittlich 34,1 Euro. Doch bei den Arbeitskosten gibt es zwischen den EU-Mitgliedstaaten deutliche Unterschiede: Es geht noch teurer – aber auch viel billiger.

      • "Das Silicon Valley ist nicht über Nacht entstanden"

        Wenn es ein Digitalisierungs-Mekka gibt, in das deutsche Manager pilgern, ist es das Silicon Valley. Was Unternehmen von den US-Vorreitern lernen und ob sie die 180-Grad-Wende schaffen können, beantworten Sven Grote und Rüdiger Goyk im Gespräch.

      • Utility 4.0 – mehr als eine Worthülse?

        Vierpunktnull auf Teufel komm raus. Kein Themengebiet scheint heute ohne das Zahlenkürzel '4.0' auszukommen. Mit Utility 4.0 ist dieses Phänomen nun auch im Energiesektor angekommen. Zu Recht?

      • Das blaue Jobwunder der Digitalisierung

        Immer mehr Studien prognostizieren, dass die digitale Transformation insgesamt keine Arbeitsplätze kostet. Denn es entstehen auch jede Menge neue Jobs. Die erfordern jedoch andere Kompetenzen.

      • Starke Teams lassen Risiken zu

        "Werde eins mit deinem Projekt", proklamierte vor Jahren eine Baumarktkette. Ein kerniger Slogan, der seine Parallele in einer Google-Studie findet: Teammitglieder die risikobereit in ihrer Aufgabe aufgehen, arbeiten effektiver.

      • "Freibeträge in Abfindungsregelungen wieder einführen"

        Seit 1. Januar gilt die Institutsvergütungsverordnung (IVV). Mit ihr wurden in erster Linie die Anforderungen der Leitlinien der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde EBA für eine solide Vergütungspolitik in deutsches Recht umgesetzt. Wie sich das auf die Personal- und Abfindungsstrategien bei den Banken auswirkt, erklärt Jurist Christoph Abeln im Interview.

      • So teuer wird der Fachkräftemangel

        Dass der Fachkräftemangel die deutsche Wirtschaft bremst, ist nicht neu. Allerdings war bislang nicht klar, wie sehr fehlendes Personal zu Buche schlägt. Einer Studie zufolge drohen bis zum Jahr 2030 wirtschaftliche Schäden in Milliardenhöhe. 

      • KMU zögern bei tiefgreifender Digitalisierung

        Der digitale Wandel wirkt sich auf die gesamte Wertschöpfungskette aus. Viele kleine und mittelständische Unternehmen haben das nicht vollends erkannt, weshalb sie sich auf die Optimierung einzelner interner Prozesse versteifen.

      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Dr. Norbert Dautzenberg
      Jade Hochschule
      Wilhelmshaven/Oldenburg/Elsfleth/,
      Standort Wilhelmshaven
      Verwalter einer Professur für Betriebswirtschaftliche Steuerlehre

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

      Springer Professional - Die Flatrate für Fachzeitschriften und Bücher
      Nach der Einkommensteuer stellt die Umsatzsteuer die wichtigste Einnahmequelle von Bund und Ländern dar. Das Umsatzsteueraufkommen fließt Bund und Ländern gemeinsam zu, es handelt sich dabei um eine sogenannte Gemeinschaftsteuer (Art. 106 GG).
      Die Umsatzsteuer ist auf den ersten Blick eine Unternehmenssteuer, da die Unternehmen als Steuerzahler auftreten. Gegenstand der Steuer sind die Umsätze der Unternehmen, die im Inland getätigt werden. Die Umsatzsteuer knüpft an Leistungen der …
      In dem Kapitel „Handels- und Gesellschaftsrecht“ wird ein Einblick in das Sonderprivatrecht der Kaufleute sowie ein Überblick über Wesen und Rechtsnatur der Gesellschaftsformen gegeben. Das Handelsrecht ist das Sonderprivatrecht der Kaufleute. Es …

      Bücher auf springer.com

      versandkostenfrei von springer.com

      Sachgebiete