Direkt zum Inhalt

Merkpostenmethode

GEPRÜFTES WISSEN
Über 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 25.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition

    1. Begriff: Eine Methode zur buchhalterischen Behandlung von stillen Reserven, die vor allem in solchen Wirtschaftsgütern, die über die Grenze in einen ausländischen Staat verbracht werden (Verbringung), im Zeitpunkt des Ausscheidens aus der dt. Steuerhoheit vorhanden sind.

    2. Systematische Hintergründe: Nach den Grundregeln des Internationalen Steuerrechts können Veräußerungsgewinne (und damit auch stille Reserven) aus Wirtschaftsgütern dann nicht in Deutschland besteuert werden, wenn die Wirtschaftsgüter zu einer ausländischen Betriebsstätte gehören und Deutschland - was der Regelfall ist - mit diesem anderen Land ein Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) geschlossen hat (Betriebsstättenprinzip, Freistellungsmethode). Somit können stille Reserven in einem Wirtschaftsgut, die sich in Deutschland gebildet haben, nur so lange besteuert werden, wie sich dieses Wirtschaftsgut hier befindet; aus diesem Grund ordnet das Gesetz an, dass vorhandene stille Reserven unmittelbar vor dem Ausscheiden aus der dt. Steuerhoheit festzustellen und zu versteuern sind (§ 4 I Satz 3 EStG; fiktive Entnahme). Jedoch führt das dazu, dass das betroffenen Unternehmen Gewinne (die stillen Reserven) versteuern müsste, obwohl noch gar keine entsprechende Liquidität zugeflossen ist. Es besteht daher wirtschaftlich ein Bedarf, die Versteuerung der stillen Reserven zeitlich in die Zukunft zu verschieben. Die Merkpostenmethode ist das Instrument hierzu.

    3. Funktionsweise: a) Grundprinzip: Nach der grundsätzlichen Idee der Merkpostenmethode werden stillen Reserven in dem Wirtschaftsgut bei der Verbringung ins Ausland zwar aufgedeckt (steuerliche Zuschreibung des Buchwertes auf den aktuellen gemeinen Wert), der daraus resultierende Gewinn aber neutralisiert durch Bildung eines Passivpostens in gleicher Höhe ("Ausgleichsposten", "Merkposten", quasi eine steuerfreie Rücklage; der durch die Einbuchung des Passivpostens entstehende Aufwand kompensiert den Ertrag aus der Aufdeckung der stillen Reserven). Dieser Passivposten wird dann allmählich so aufgelöst, wie sich die stillen Reserven tatsächlich realisieren - sei es durch tatsächlichen Verkauf, sei es durch Mehrabschreibungen im Ausland (wo man das Wirtschaftsgut bei Einlage in die dortige Betriebsstätte üblicherweise mit dem aktuellen Wert ansetzen kann und daher mehr abschreiben kann, als man es bei einem Verbleib hier in Deutschland getan haben könnte). Auf diese Art und Weise werden die stillen Reserven zwar für Deutschland gesichert, zugleich aber eine unverhältnismäßige Mehrbelastung des Unternehmens durch Liquiditätsnachteile vermieden.

    b) Regelung in Deutschland: Seit 2007 ist die Merkpostenmethode gesetzlich geregelt in § 4g EStG, der zahlreiche vereinfachende Vorgaben für ihre Durchführung enthält. So darf bei der Auflösung des Merkpostens nur von einer maximalen Restnutzungsdauer von 5 Jahren ausgegangen werden (zu jedem Bilanzstichtag müssen mind. 20 Prozent des Postens aufgelöst werden), der Merkposten darf überhaupt nur bei Verbringung von Wirtschaftsgütern innerhalb der EU gebildet werden, und es bedarf zu seiner Bildung eines unverzüglichen Antrags an die Finanzbehörden.

    4. Würdigung: Da mit jeder anteiligen Auflösung des Passivpostens (Merkpostens) buchhalterisch Ertrag entsteht, ist die Merkpostenmethode nichts anderes als eine steuerfreie Rücklage, die es ermöglicht, die steuerliche Realisation aufgedeckter stiller Reserven technisch über mehrere Jahre zu verteilen und dadurch Steuerstundungseffekte zu nutzen.

    5. Im Handelsrecht stellt sich die Frage nach der Zulässigkeit der Merkpostenmethode nicht, weil es handelsrechtlich bei einer Verbringung eines Gegenstands oder eines Rechts von einer inländischen Betriebsstätte in eine ausländische Betriebsstätte desselben Rechtsträgers gar keine Aufdeckung der stillen Reserven geben darf (kein Umsatzakt, kein sonstiger Realisationstatbestand). Die Merkpostenmethode ist also ein rein steuerliches Phänomen.

    zuletzt besuchte Definitionen...

      Mindmap Merkpostenmethode Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/merkpostenmethode-51571 node51571 Merkpostenmethode node35279 Freistellungsmethode node51571->node35279 node51550 Betriebsstättenprinzip node51571->node51550 node48732 Verbringung node51571->node48732 node33229 Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) node51571->node33229 node43470 Steuerrecht node43470->node33229 node43107 Progressionsvorbehalt node43107->node35279 node32017 Doppelbesteuerung node35279->node32017 node35279->node33229 node46102 OECD-Musterabkommen zur Vermeidung ... node36101 Handelsvertreter node36101->node51550 node51550->node46102 node31152 Betriebsstätte node51550->node31152 node31775 Ansässigkeitsstaat node31775->node33229 node34120 Erwerbsteuer node48732->node34120 node48732->node31152 node33431 Hypothek node33431->node33229 node46610 Societas Europaea (SE) node46610->node51550 node46610->node33229 node37616 Innenumsätze node37616->node48732 node48634 Umsatz node48634->node48732 node50637 Welteinkommensprinzip node50637->node35279
      Mindmap Merkpostenmethode Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/merkpostenmethode-51571 node51571 Merkpostenmethode node48732 Verbringung node51571->node48732 node33229 Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) node51571->node33229 node51550 Betriebsstättenprinzip node51571->node51550 node35279 Freistellungsmethode node51571->node35279

      News SpringerProfessional.de

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

      Bücher auf springer.com

      Sachgebiete