Direkt zum Inhalt

Tonnagesteuer

Definition

eine seit 1999 eingeführte bes. Form der einkommensteuerlichen Gewinnermittlung für Handelsschiffe im internationalen Verkehr (§ 5a EStG).

GEPRÜFTES WISSEN
Über 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 25.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition

    eine seit 1999 eingeführte bes. Form der einkommensteuerlichen Gewinnermittlung für Handelsschiffe im internationalen Verkehr (§ 5a EStG).

    1. Ermittlung des Gewinns: Pro Tag, an dem das begünstigte Schiff betrieben worden ist, wird der erzielte Gewinn pauschal festgelegt mit:
    (1) 0,92 Euro pro je 100 Nettotonnen für die ersten 1.000 Nettotonnen der Tonnage;
    (2) 0,69 Euro pro je 100 Nettotonnen für den Tonnageanteil zwischen 1.000 und 10.000 Nettotonnen;
    (3) 0,46 Euro für je 100 Nettotonnen für den Tonnageanteil zwischen 10.000 und 25.000 Nettotonnen;
    (4) 0,23 Euro/100 Nettotonnen für den über 25.000 Nettotonnen hinausgehenden Anteil der Tonnage. Mit diesen Beträgen sind im Wesentlichen alle Gewinne, auch die aus einer Veräußerung des Schiffes, abgegolten.

    2. Begünstigte Schiffe: Die Schiffe müssen in der überwiegenden Zeit des Wirtschaftsjahrs in einem inländischen Seeschifffahrtsregister eingetragen gewesen sein. Bei Handelsschiffen müssen diese überwiegend zur Beförderung von Personen oder Gütern im Verkehr mit ausländischen Häfen oder zwischen solchen Häfen eingesetzt worden sein; unter bestimmten Voraussetzungen ist auch die Vercharterung begünstigt. Andere Arten von Seeschiffen außer Handelsschiffen müssen im Wirtschaftsjahr überwiegend außerhalb der dt. Hoheitsgewässer zum Schleppen, Bergen oder Aufsuchen von Bodenschätzen oder der Vermessung von Energielagerstätten unter dem Meeresboden eingesetzt worden sein.

    3. Begünstigte Steuerpflichtige: Die Tonnagesteuer ist nur für Steuerpflichtige möglich, die den Gewinn durch Bilanzierung ermitteln, und tritt nur auf Antrag an die Stelle der normalen Besteuerungsregelungen. Es ist jeweils für einen Zeitraum von zehn Jahren einheitlich und unwiderruflich zu entscheiden, ob die normale Gewinnermittlung oder die Anwendung der Tonnagesteuer gewünscht werden; der erste Zehnjahreszeitraum beginnt in dem Jahr, in dem das Schiff in Dienst gestellt wird (Anschaffungsjahr).

    4. Wechsel von der normalen Gewinnermittlung hin zur Tonnagesteuer oder umgekehrt: Beim Eintritt in die Tonnagesteuer sind die stillen Reserven in den betroffenen Schiffen festzustellen und über die nächsten fünf Jahre mit mind. einem Fünftel zu versteuern. Scheidet das Schiff vorher aus dem Betriebsvermögen aus oder erfüllt es nicht mehr die Voraussetzungen für die Tonnagesteuer, so sind die stillen Reserven ggf. früher aufzudecken, sofern kein Ersatzwirtschaftsgut beschafft wird. Beim Wechsel zurück zu den normalen Gewinnermittlungsregeln sind die betroffenen Schiffe mit ihrem Teilwert anzusetzen, sodass die in der Zeit der Tonnagesteuer gebildeten stillen Reserven unversteuert (bzw. durch die Pauschalsätze abgegolten) bleiben.

    5. Beurteilung: Die Einführung der Tonnagesteuer diente dem Ziel, die entsprechenden dt.  Unternehmen international wettbewerbsfähiger zu machen. Die Regelung wird in der Literatur unter verfassungsmäßigen Gesichtspunkten und als versteckte Subvention kritisiert. Europarechtlich soll die Tonnagesteuer trotz ihres Subventionscharakters wegen der Genehmigung durch die EU-Kommission unproblematisch sein.

    6. Andere Länder kennen teilweise ebenfalls eine Tonnagesteuer.

    zuletzt besuchte Definitionen...

      Mindmap Tonnagesteuer Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/tonnagesteuer-47581 node47581 Tonnagesteuer node29761 ausländische Einkünfte node29761->node47581 node49153 unbeschränkte Steuerpflicht node29761->node49153 node31398 Anrechnungsmethode node29761->node31398 node32017 Doppelbesteuerung node29761->node32017 node31152 Betriebsstätte node29761->node31152 node36682 Einkünfteermittlung node36682->node47581 node33833 Einkünfte node36682->node33833 node33813 Freibetrag node33813->node36682 node47675 Überschussrechnung node47675->node36682 node46028 Pauschbeträge node46028->node36682
      Mindmap Tonnagesteuer Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/tonnagesteuer-47581 node47581 Tonnagesteuer node29761 ausländische Einkünfte node29761->node47581 node36682 Einkünfteermittlung node36682->node47581

      News SpringerProfessional.de

      • US-Strafzölle treffen deutsche Industrie

        Sie hängen wie ein Damoklesschwert über Europa: die drohenden US-Strafzölle. Noch ist die EU von den Schutzzöllen auf Stahl und Aluminium bis zum 1. Juni ausgenommen. Doch jetzt droht Donald Trump auch noch mit Zöllen auf Autos.

      • "Bei der Kandidatensuche Kompromisse machen"

        Der vom Personaldienstleister Hays quartalsweise publizierte Fachkräfte-Index, der unter anderem die aktuellen Stellengesuche im Umfeld von Banken und Finanzdienstleistern beobachtet, erreichte im ersten Quartal 2018 den höchsten Indexwert seit 2015. Was das für die Geldhäuser bedeutet, erklärt Amra Ljaic im Interview mit Springer Professional.

      • Was Arbeit in Europa kostet

        Für eine Arbeitsstunde zahlt die deutsche Wirtschaft durchschnittlich 34,1 Euro. Doch bei den Arbeitskosten gibt es zwischen den EU-Mitgliedstaaten deutliche Unterschiede: Es geht noch teurer – aber auch viel billiger.

      • "Das Silicon Valley ist nicht über Nacht entstanden"

        Wenn es ein Digitalisierungs-Mekka gibt, in das deutsche Manager pilgern, ist es das Silicon Valley. Was Unternehmen von den US-Vorreitern lernen und ob sie die 180-Grad-Wende schaffen können, beantworten Sven Grote und Rüdiger Goyk im Gespräch.

      • Utility 4.0 – mehr als eine Worthülse?

        Vierpunktnull auf Teufel komm raus. Kein Themengebiet scheint heute ohne das Zahlenkürzel '4.0' auszukommen. Mit Utility 4.0 ist dieses Phänomen nun auch im Energiesektor angekommen. Zu Recht?

      • Das blaue Jobwunder der Digitalisierung

        Immer mehr Studien prognostizieren, dass die digitale Transformation insgesamt keine Arbeitsplätze kostet. Denn es entstehen auch jede Menge neue Jobs. Die erfordern jedoch andere Kompetenzen.

      • Starke Teams lassen Risiken zu

        "Werde eins mit deinem Projekt", proklamierte vor Jahren eine Baumarktkette. Ein kerniger Slogan, der seine Parallele in einer Google-Studie findet: Teammitglieder die risikobereit in ihrer Aufgabe aufgehen, arbeiten effektiver.

      • "Freibeträge in Abfindungsregelungen wieder einführen"

        Seit 1. Januar gilt die Institutsvergütungsverordnung (IVV). Mit ihr wurden in erster Linie die Anforderungen der Leitlinien der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde EBA für eine solide Vergütungspolitik in deutsches Recht umgesetzt. Wie sich das auf die Personal- und Abfindungsstrategien bei den Banken auswirkt, erklärt Jurist Christoph Abeln im Interview.

      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Dr. Norbert Dautzenberg
      Jade Hochschule
      Wilhelmshaven/Oldenburg/Elsfleth/,
      Standort Wilhelmshaven
      Verwalter einer Professur für Betriebswirtschaftliche Steuerlehre

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

      Springer Professional - Die Flatrate für Fachzeitschriften und Bücher
      Chinas Schiffstonnagesteuer wird auf Fahrzeuge und Schiffe erhoben. Entsprechend dem Einverständnis des Financial and Economic Committee of the Administrative Council of the Central Government, der State General Administration of Customs wurde am 29.
      Geschlossene Fonds steckten bislang in einer tiefen Krise. Zu groß waren die Verluste, die Investoren speziell mit Schiffsanteilen erlitten haben. Kürzlich wagten sich wieder Emittenten mit neuen Podukten auf den Markt und es ist absehbar, das …
      Die privaten Haushalte, die Unternehmer und der Staat sind stets lebhaft an wirtschaftlichen Fragen interessiert. Das Interesse der Allgemeinheit geht dahin, die wirtschaftlichen Fundamente aller staatlichen Aktivitäten und des privaten Wohlstands …

      Sachgebiete