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Theorie der multinationalen Unternehmung

Definition

Theorie, die sich u.a. mit der Frage befasst, weshalb Unternehmungen im Ausland eigene Betriebe unterhalten, anstatt Lizenzen, Franchise-Verträge, Subunternehmer oder Joint-Ventures zu verwenden, bzw. von welchen Bedingungen die Wahl dieser Arrangements abhängt.

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Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

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    Ausführliche Definition

    Theorie, die sich u.a. mit der Frage befasst, weshalb Unternehmungen im Ausland eigene Betriebe unterhalten, anstatt Lizenzen, Franchise-Verträge, Subunternehmer oder Joint-Ventures zu verwenden, bzw. von welchen Bedingungen die Wahl dieser Arrangements abhängt. Es existieren verschiedene Erklärungsansätze, in denen strategisches Verhalten (unvollkommener Wettbewerb), bes. im Zusammenhang mit der Ausnutzung aneigenbaren Wissens und von Transaktionskosten, eine grundlegende Bedeutung besitzen:
    (1) Marktstrukturansatz: Multinationale Unternehmungen stellen bei unvollkommenem Wettbewerb eine Möglichkeit dar, die Renten aus ihrem spezifischen Wissen zu maximieren, wenn Verträge oder Kartellösungen mit Lizenznehmern etc. Probleme aufwerfen (Stabilitätsproblem von Kartellen).

    (2) Transaktionskosten zwischen Mutter und Auslandsstochter: Das Ziel, die Rente aus dem Wissen zu maximieren, kann zu Direktinvestitionen führen, wenn zwischen Mutter und Lizenznehmer unsicherheitsbedingte Transaktionskosten am Markt für Wissen bestehen, die den Lizenznehmer veranlassen, geringere Lizenzgebühren zu zahlen, als mit einer multinationalen Unternehmung erwirtschaftbar sind (Käuferunsicherheit bei Wissen). Franchising und Lizenzen können zu Wettbewerb zwischen den Unternehmungen führen (Bedingungen z.B.: Wissen nicht patentierbar, Weltmarkt nicht segmentierbar, fehlende Exportrestriktionen), wodurch die Erlöse der Wissensnutzung stark sinken könnten (Casson).

    (3) Transaktionskosten im Absatzmarkt: Ein zentrales Problem ist die Ermittlung der Qualität von Produkten seitens der Nachfrager. Marketingfunktion und Qualitätssicherung können für die Erzielung von Renten von bes. Bedeutung sein und sich auf die Vorwärts- und Rückwärtsintegration von Unternehmungen auswirken. Die multinationale Unternehmung kann z.B. ihren Goodwill oder ihre Reputation gewinnerhöhend nutzen.

    (4) Andere Ursachen: Transaktionskosten zwischen Mutter und Tochter sind nicht erforderlich, um die multinationale Unternehmung zu erklären. Neben Transaktionskosten im Absatzmarkt als ein Erklärungsgrund kann die multinationale Unternehmung vorteilhaft sein, wenn sie billiger produzieren oder höhere Preise realisieren kann als alternative Arrangements (Erlösdifferenzen). Multinationale Unternehmungen werden ferner als Ersatz für Netzwerke betrachtet, weil der internationale Transfer von Wissen schwieriger sei als der nationale.

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      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Dr. Peter Haric
      Institutsvorstand Leitbetriebe Austria Institut

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

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