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vollkommene Konkurrenz

Definition

Marktmodell, das durch einen stationären Zustand der Wirtschaft bei maximaler wirtschaftlicher Effizienz (optimale Faktorallokation) geprägt ist. Aufgrund zahlreicher realitätsferner Annahmen über das Verhalten der Wirtschaftssubjekte und sonstiger vorherrschender Rahmenbedingungen sowie im Hinblick auf drohende Zielkonflikte taugt das Modell der vollkommenen Konkurrenz allenfalls bedingt als wirtschaftspolitisches Leitbild.

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Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

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    Ausführliche Definition

    vollständige Konkurrenz. Die vollkommene Konkurrenz fußt im Sinne des stationären Gleichgewichtsmodells, in welchem die behauptete Harmonie von Einzel- und Gesamtinteressen gewährleistet ist, auf zwei Gruppen von Annahmen: dem stationären Zustand der Wirtschaft und bestimmten Marktstrukturmerkmalen:

    1. Stationärer Zustand der Wirtschaft mit den Merkmalen: gegebene Technik und damit gegebene Produktionsfunktion und Ertragsfunktion; gegebene Bevölkerung und Ausstattung mit Produktionsfaktoren; gegebene Güterpalette, gegebene Bedürfnisstruktur und gegebenes Einkommen, d.h. gegebene Nachfrage.

    2. Merkmale der vollkommenen Konkurrenz: a) Marktstruktur i.w.S.:
    (1) Unternehmer und Verbraucher verhalten sich rational im Sinne der Nutzen- und Gewinnmaximierung; der Preisbildungsprozess wird auch durch traditionelle Verhaltensweisen nicht gehemmt (Preisbildung).
    (2) Es bestehen keine sachlichen, persönlichen, räumlichen oder zeitlichen Präferenzen der Anbieter oder Nachfrager; die Güter sind daher homogen.
    (3) Es bestehen keine Friktionen auf dem Markt, d.h. völlige Transparenz des Marktes, völlige Voraussicht der Marktteilnehmer, volle Teilbarkeit und Beweglichkeit der Produktionsfaktoren und produzierten Güter.
    (4) Es fehlen rechtliche oder tatsächliche Zutrittsbeschränkungen für Anbieter und Nachfrager.
    (5) Die Reaktionsgeschwindigkeit der Verhaltensänderung von Anbietern und Nachfragern auf Änderung der Marktdaten ist unendlich groß.
    (6) Es erfolgen keine Eingriffe in den freien Preisbildungsprozess durch den Staat (z.B. Preiskontrollen) oder die Wirtschaftssubjekte (z.B. Kartelle).
    (7) Externe Effekte (Pigou) sind ausgeklammert bzw. werden marktwirtschaftlich abgegolten.
    (8) Die Zahl der Anbieter und Nachfrager ist sehr groß, es besteht ein atomistischer Markt.

    b) Marktverhalten: Anbieter und Nachfrager können aufgrund ihres geringen Marktanteils durch ihr Verhalten den Preis nicht beeinflussen; sie verhalten sich daher als Mengenanpasser (Preis = Datum, Menge = Aktionsparameter).
    c) Marktergebnis: Im Modell des totalen Konkurrenzgleichgewichts determiniert die Marktstruktur in obigem Sinn das Marktverhalten und zugleich das Marktergebnis, das durch eine marktleistungsgerechte Einkommensverteilung, optimale Faktorallokation (Produktionseffizienz) und Angebotssteuerung gemäß den Käuferpräferenzen charakterisiert ist (Tauscheffizienz). Im totalen Konkurrenzgleichgewicht ist es nicht möglich, dass durch eine Veränderung der Tausch- bzw. Produktionsverhältnisse wenigstens ein Wirtschaftssubjekt ein höheres Versorgungsniveau erreicht, ohne dass dadurch das Versorgungsniveau wenigstens einer anderen Person niedriger wird (sog. Pareto-Optimum).

    3. Beurteilung: a) Das derart charakterisierte Pareto-Optimum bei vollkommenen Konkurrenzen stellt einen Zustand maximaler wirtschaftlicher Effizienz im Sinne der Allokation (unter Ausschluss des Distributionsaspektes) dar. In dieser Gleichsetzung liegt die Begründung dafür, dass die vollkommene Konkurrenz lange Zeit als Leitbild der Wettbewerbspolitik angesehen wurde (wettbewerbspolitische Leitbilder); dieser Leitbildcharakter ist jedoch bes. nach dem Zweiten Weltkrieg (in Deutschland seit Anfang der 1960er-Jahre) zunehmend angezweifelt worden. Die vollkommene Konkurrenz wird daher nur noch als Referenzsituation benutzt.

    b) Die Kritik an der vollkommenen Konkurrenz als Leitbild der Wirtschaftspolitik beruht im Wesentlichen auf folgenden Punkten:
    (1) Zielkonflikte zwischen atomistischer Konkurrenz und Economies of Scale.
    (2) Zielkonflikte zwischen Vollständigkeit der Konkurrenz im Sinne der Homogenitätsbedingung und Notwendigkeit einer gewissen Produktdifferenzierung im Interesse der Befriedigung differenzierter Verbraucherwünsche.
    (3) mangelnde Anreizwirkung (Incentives), da bei vollständigem Wettbewerb der Preis als Datum und die Qualität infolge der Homogenitätsbedingung als Aktionsparameter ausscheiden. Im Modell des vollständigen Wettbewerbs sind daher Marktverhalten und Marktergebnis determiniert, sodass keine Wettbewerbsfreiheit mehr herrscht.
    (4) Infolge des stationären Charakters der vollkommenen Konkurrenz, der durch eine gegebene Zahl von Betrieben und Produkten sowie gegebene Produktionsverfahren und Arten von Produktionsfaktoren gekennzeichnet ist, wird nur ein relatives, aber kein absolutes Optimum gewährleistet. Wegen Nichterfüllung der sog. Totalbedingungen sind daher sowohl die Angebotssteuerung als auch die Faktorallokation nur beschränkt optimal. Eine vollständige Optimierung würde sowohl die Einführung neuer und den Verzicht auf alte Produkte als auch die Gründung neuer und Schließung bestehender Unternehmen erfordern. Das Modell der vollkommenen Konkurrenz vermag daher angesichts seines restriktiven Charakters keine Erklärung der evolutorischen Entwicklung der Wirtschaft zu geben.

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      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Dr. Ingo Mecke
      Bundeskartellamt,
      Federal Cartel Office
      Berichterstatter der 10. Beschlussabteilung

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

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