Direkt zum Inhalt

Staatsmonopolkapitalismus

Definition

Von Lenin geprägte Bezeichnung (u.a. in „Staat und Revolution”, 1917) für die von ihm beobachtete Verquickung von Staat und (Rüstungs-)Industrie in Deutschland während des Ersten Weltkriegs; der Begriff wurde seit den 50er Jahren von Vertretern des Marxismus-Leninismus in der (ehemaligen) UdSSR und der (ehemaligen) DDR sowie von Teilen der westdeutschen Jungsozialisten wieder aufgegriffen.

GEPRÜFTES WISSEN
Über 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 25.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition

    Stamokap. 1. Begriff: Von Lenin geprägte Bezeichnung (u.a. in „Staat und Revolution”, 1917) für die von ihm beobachtete Verquickung von Staat und (Rüstungs-)Industrie in Deutschland während des Ersten Weltkriegs; der Begriff wurde seit den 1950er-Jahren von Vertretern des Marxismus-Leninismus in der (ehemaligen) UdSSR und der (ehemaligen) DDR sowie von Teilen der westdeutschen Jungsozialisten wieder aufgegriffen.

    2. Charakterisierung: Die Theorie soll erklären, warum trotz der im Rahmen des Marxismus abgeleiteten These von der zwangsläufigen Verschlechterung der Kapitalverwertungsbedingungen (tendenzieller Fall der Profitrate, Krisentheorie) der Kapitalismus in den westlichen Industriestaaten nicht zusammenbricht. Der Annahme zufolge bemächtigen sich die Monopole (Monopolkapitalismus) des Staatsapparats und ordnen ihn ihren Interessen unter. Durch wirtschaftspolitische Maßnahmen (steuerpolitische Umverteilung zugunsten der Monopole, Übernahme nichtprofitabler Wirtschaftsbereiche durch den Staat, Minderung der durch den Strukturwandel auftretenden sozialen Probleme etc.) sichert er die weitere Existenz des Kapitalismus und dabei die Kapitalverwertungsmöglichkeiten der Monopole.

    3. Kritik: a) Das zugrunde liegende marxistische Denken in geschichtlichen Zwangsläufigkeiten verkennt die Variabilität und Offenheit gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Entwicklung. Die Theorie des Staatsmonopolkapitalismus selbst ist dabei als monokausale Ad-hoc-Hypothese zu werten, durch die das Versagen der Marxschen Voraussagen über den baldigen Untergang der kapitalistischen Ordnung verdeckt werden soll (Monopolkapitalismus, Imperialismus, Spätkapitalismus).
    b) Der Begriff des Monopols ist nicht eindeutig definiert und steht oft allein für ein Großunternehmen, ohne dass dessen Marktmacht genau analysiert wird.
    c) Es erfolgt keine systematische Analyse der Quantität und Qualität der unterstellten personellen und institutionell-organisatorischen Verflechtung zwischen Monopolen und Staatsapparat.
    d) Die Theorie basiert darauf, dass der Staat ein einheitliches und von den Monopolen voll beherrschbares Gebilde ist. Damit verliert sie ihre Aussagekraft für eine föderale, pluralistische demokratische Ordnung mit ihren unterschiedlichen politischen Subsystemen und dem Wettstreit vieler verschiedener und voneinander unabhängiger Interessengruppen.
    e) Die Theorie unterstellt, dass selbst sozialpolitische Maßnahmen, die die Großunternehmen („Monopole”) durch Gewinnbesteuerung belasten, promonopolistisch sind: Sie dienten der Befriedung der Arbeiterklasse und der Armen und damit der Stabilisierung des kapitalistischen Systems. Damit wird die fundierte ökonomische Analyse jedoch durch „Verdachtsökonomie” (Peters) ersetzt.

    zuletzt besuchte Definitionen...

      Mindmap Staatsmonopolkapitalismus Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/staatsmonopolkapitalismus-43080 node43080 Staatsmonopolkapitalismus node36973 Krisentheorie node43080->node36973 node49890 tendenzieller Fall der ... node43080->node49890 node37009 Kapitalismus node43080->node37009 node37627 Marxismus-Leninismus node43080->node37627 node43863 Produktionsverhältnisse node38333 Marxismus node43863->node38333 node31876 Depression node36973->node31876 node36973->node37009 node48560 Verelendung node48560->node49890 node43228 Ricardo node49890->node43228 node49890->node37009 node39141 konstantes Kapital node39141->node38333 node38534 Marx node37009->node38333 node42849 Kapitalistische Marktwirtschaft node37009->node42849 node45694 Revisionismus node45694->node36973 node45694->node37627 node43133 Rätedemokratie node37627->node37009 node37627->node43133 node37627->node38333 node49737 Verband node49737->node37009 node38333->node43080 node38333->node38534 node39225 Lassalle node39225->node37009 node38253 Klassentheorie node38253->node36973
      Mindmap Staatsmonopolkapitalismus Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/staatsmonopolkapitalismus-43080 node43080 Staatsmonopolkapitalismus node37009 Kapitalismus node43080->node37009 node37627 Marxismus-Leninismus node43080->node37627 node38333 Marxismus node43080->node38333 node49890 tendenzieller Fall der ... node43080->node49890 node36973 Krisentheorie node43080->node36973

      News SpringerProfessional.de

      • "Unternehmen tragen Verantwortung für Konsumenten"

        Wer in der digitalen Welt nicht untergehen will, muss sich einige Kompetenzen aneigen. Sonst frisst die Digitalisierung ihre User, warnen Anabel Ternès und Hans-Peter Hagemes im Gespräch mit Springer Professional. Insbesondere Unternehmen sollten sich ihrer Verantwortung bewusst sein.

      • Digitalisierung schafft Chancen für weibliche Führungskräfte

        Mittlerweile erfüllen zwar die Aufsichtsräte der Dax-30-Unternehmen im Durchschnitt die gesetzliche Frauenquote. Aber gerade in Führungspositionen im operativen Geschäft sind Frauen, auch in der Finanzbranche, immer noch rar gesät. Und das sieht nur in einem Fachbereich besser aus.

      • Verantwortungsvolle Chefs haben mehr Stress

        Ein Chef, der sich seiner Verantwortung im Job bewusst ist, führt ein stressbelastetes Dasein. Zumindest, wenn er sich in einer gehobenen Machtposition befindet. Das haben Wissenschafter herausgefunden.

      • Dax-Vorstände verdienen noch mehr

        Wenn etwas die Gemüter erhitzt, dann sind es immer wieder die exorbitanten Bezüge von Vorständen und Aufsichtsräten von Unternehmen. Eine aktuelle Studie gibt der Diskussion neue Nahrung. Demnach bekommen die CEOs von der Post, Heidelberg Cement, Adidas und Daimler unglaubliche Summen. 

      • Enterprise Social Networks fördern Innovationen

        Der digitale Reifegrad deutschsprachiger Unternehmen verbessert sich zusehends. In allen Bereichen haben digitale Prozesse mittlerweile die analogen Formen der Zusammenarbeit überholt. Doch es gibt noch viel zu tun.

      • Konsequent digital steigert die Profite

        Je intensiver Unternehmen digitalisiert sind, desto höher ist ihr Gewinnwachstum. Allerdings braucht es dazu konsequente Strategien und den Willen zum Wandel auf allen Ebenen.

      • Warum Manager die Macht der Controller fürchten

        Die Rolle des Controllers verändert sich. Er soll gerade als Unterstützung im strategischen Bereich an Einfluss gewinnen. Doch noch ist nicht jeder Manager bereit, den Controller als Sparringspartner zu sehen.

      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Prof. Dr. Dirk Sauerland
      Universität Witten/Herdecke, Lehrstuhl für Institutionenökonomik
      und Gesundheitspolitik
      Lehrstuhlinhaber

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

      Sachgebiete