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TARGET2-Securities (T2S)

Definition

TARGET2-Securities (T2S) ist ein integrierter Abwicklungsservice des Eurosystems für Wertpapiergeschäfte, der eine hocheffiziente Echtzeitabwicklung von nationalen und grenzüberschreitenden Wertpapiertransaktionen in sicherem Zentralbankgeld ermöglicht. Damit werden die Unterschiede zwischen nationaler und grenzüberschreitender Wertpapierabwicklung aufgehoben, sodass künftig grenzüberschreitende Wertpapiertransaktionen genauso sicher und effizient abgewickelt werden wie dies bereits im derzeitigen nationalen Umfeld der Fall ist. T2S hat am 22. Juni 2015 seinen Betrieb aufgenommen. Bis Februar 2017 werden über 20 europäische Zentralverwahrer ihr Abwicklungsgeschäft auf T2S migrieren.

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Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

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    Ausführliche Definition

    Begriff: Mehr als 15 Jahre nach der Euroeinführung existieren im Wertpapiernachhandelsbereich immer noch zersplitterte Strukturen, die im Ergebnis die grenzüberschreitende Wertpapierabwicklung in Europa unnötig erschweren und verteuern. Mit TARGET2-Securities (T2S) bietet das Eurosystem eine gemeinsame Abwicklungsplattform für Wertpapiergeschäfte für ganz Europa an. Damit wird die derzeitige Fragmentierung überwunden und wesentlich zur Vollendung des einheitlichen europäischen Marktes für Finanzdienstleistungen beigetragen. T2S ist eine Mehrwährungsinfrastruktur. Neben dem Euro wird ab 2018 auch die Abwicklung von Wertpapiergeschäften in Dänischer Krone angeboten. T2S wird auf der selben Plattform betrieben werden, auf der bereits erfolgreich seit mehreren Jahren das Individualzahlungssystem TARGET2 läuft.

    2. Konzept: Im Kern ist T2S eine zentrale vom Eurosystem betriebene technische Plattform, die durch Integration der Zentralbankgeld- und Wertpapierkonten eine effiziente Wertpapierabwicklung (Belieferung von Wertpapiergeschäften und deren geldliche Verrechnung) für ganz Europa in sicherem Zentralbankgeld ermöglicht. Die grenzüberschreitende Wertpapierabwicklung in Europa wird mit T2S somit genauso effizient und sicher wie dies bereits im derzeitigen nationalen Umfeld der Fall ist. T2S ist ein reiner Abwicklungsservice des Eurosystems für Zentralverwahrer und kein neuer pan-europäischer Zentralverwahrer. Alle anderen Geschäftsbereiche, wie bspw. die Verwahrung von Wertpapieren oder die Verwaltung von Kapitalmaßnahmen, verbleiben bei den Zentralverwahrern. Im Ergebnis trägt das Eurosystem mit Bereitstellung von T2S entscheidend zur Integration, Effizienz und Stabilität der europäischen Finanzmärkte bei.

    3. Auswirkungen/Implikationen: Unter strukturellen Gesichtspunkten bricht das Eurosystem mit der Bereitstellung einer einzigen Infrastruktur für die Wertpapierabwicklung in Europa bisher national relativ abgeschottete Strukturen auf und fördert somit Innovation und Wettbewerb im gesamten europäischen Nachhandelsbereich. Ausschlaggebend für den Kunden wird künftig sein, wer das attraktivste Gesamtpaket an wertpapierbezogenen Dienstleistungen anbietet. Die technische Zentralisierung auf einer Plattform des Eurosystems ermöglicht zudem eine friktionslose integrierte Abwicklung aller Wertpapiertransaktionen in Europa in risikofreiem Zentralbankgeld, die Realisierung von Skalenerträgen und weiteren Einsparpotentialen aufgrund der möglichen Harmonisierung im Zuge von T2S. Die Ersparnisse bei den Abwicklungsgebühren dürften zwar zunächst eher im grenzüberschreitenden Bereich entstehen. Mittelfristig gibt es aber aufgrund des zunehmenden Wettbewerbs und der Skaleneffekte durchaus auch bei der nationalen Abwicklung Preisspielräume nach unten, sodass am Ende die Wertpapierabwicklung insgesamt wesentlich günstiger werden dürfte. Für die operativen Bereiche der Banken ergeben sich daneben weitere Einsparmöglichkeiten durch die Nutzung des einheitlichen europäischen Abwicklungsservice mit einheitlichen Schnittstellen, einheitlichen Nachrichtenformaten und einem einheitlichen Abwicklungsprozess. Von zentraler Bedeutung sind die Möglichkeiten der Optimierung des Liquiditätseinsatzes bei den Banken, die sich aus der Integration von Geld- und Wertpapierkonten in T2S ergeben. Banken können ihre Wertpapierbestände stärker bündeln und auch die zur Abwicklung der Geschäfte benötigte Zentralbankliquidität auf einem einzigen Konto poolen. Heute noch erforderliche Liquiditäts- und Sicherheitenpuffer für die Abwicklung in verschiedenen nationalen Märkten werden mit T2S obsolet. Zudem werden intelligente Optimierungsalgorithmen im T2S-Abwicklungsprozess sowie das breite Angebot der Selbstbesicherung von Wertpapiergeschäften den Liquiditätsbedarf und damit den Bedarf an Sicherheiten weiter reduzieren. T2S führt somit zu merklichen Ersparnissen an Zentralbankliquidität und Sicherheiten, die gerade im Zuge der Finanzkrise erheblich an Bedeutung gewonnen haben. Ferner entfallen die bisherigen Zeitverzögerungen infolge unterschiedlicher zeitlicher Abfolgen in den Abwicklungsprozessen der einzelnen Zentralverwahrer, sodass T2S auch die grenzüberschreitende Mobilisierung von Sicherheiten erleichtert. Im Ergebnis stehen mehr freie Sicherheiten zur Abdeckung bislang unbesicherter Risiken im Bankgeschäft zur Verfügung und damit wird T2S - als risikofreie Infrastruktur, die in risikofreiem Zentralbankgeld abwickelt - neue Maßstäbe für den gesamten Nachhandelsbereich setzen.

    4. Zeitplan: Nach positivem Resultat verschiedenster Machbarkeitsstudien hat der EZB-Rat insbes. vor dem Hintergrund der von Anfang an großen Unterstützung des Marktes im Juli 2008 entschieden, das Projekt T2S zu realisieren. Mit der Entwicklung und dem späteren Betrieb der Plattform wurden die Deutsche Bundesbank, die Banca d’Italia, die Banque de France und der Banco de España betraut. Nach der Unterzeichnung einer Absichtserklärung im Juli 2009 haben sich im Sommer 2012 nahezu alle Zentralverwahrer des Euro-Währungsgebiets verbindlich durch Vertragsunterzeichnung zur Teilnahme an T2S verpflichtet. Auch die Zentralverwahrer aus Dänemark, Ungarn, Rumänien und der Schweiz haben den T2S-Rahmenvertrag unterzeichnet. Damit findet nahezu die gesamte Wertpapierabwicklung des Euroraums künftig über T2S statt. Nach Abschluss der Spezifikationsphase und der Entwicklungsarbeiten wurde der T2S Service eingehend getestet, zuerst intern im Eurosystem und ab Oktober 2014 mit allen Zentralverwahrern und Notenbanken gemeinsam. Die ersten Banken haben mit ihren Testaktivitäten im März 2015 begonnen. Am 22. Juni 2015 hat T2S seinen Betrieb mit den ersten vier Zentralverwahrern und ihren Kundengemeinschaften aufgenommen. In drei weiteren Migrationswellen sind sukzessive weitere Zentralverwahrer hinzugekommen, sodass mittlerweile 18 Zentralverwahrer und ihre Märkte den Abwicklungsservice von T2S nutzen. Die restlichen Zentralverwahrer werden im September 2017 im Rahmen der letzten regulären Migrationswelle  ihr Abwicklungsgeschäft auf T2S verlagern.  Zusammen mit den Zentralverwahrern sind auch die teilnehmenden Notenbanken des Eurosystems auf T2S migriert und haben unter anderem die für die Abwicklung benötigten Zentralbankgeldkonten für ihre Marktteilnehmer eröffnet.  

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      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Jochen Metzger
      Deutsche Bundesbank, Frankfurt am Main
      Bundesbankdirektor, Leiter des Zentralbereichs Zahlungsverkehr und Abwicklungssysteme

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

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