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TARGET2-Saldo

Definition

Der TARGET2-Saldo ist entweder eine Forderung oder eine Verbindlichkeit einer nationalen Zentralbank gegenüber der Europäischen Zentralbank (EZB), die im Zuge der Abwicklung grenzüberschreitender Zahlungen über das Zahlungsverkehrssystem TARGET2 entstanden sind.

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Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

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    Ausführliche Definition

    1. Begriff: Der TARGET2-Saldo ist entweder eine Forderung oder eine Verbindlichkeit einer nationalen Zentralbank gegenüber der Europäischen Zentralbank (EZB), die im Zuge der Abwicklung grenzüberschreitender Zahlungen über das Zahlungsverkehrssystem TARGET2 entstanden sind.

    2. Entstehung: TARGET2 ist ein Zahlungsverkehrssystem, über das nationale und grenzüberschreitende Euro-Zahlungen in Zentralbankgeld schnell und mit sofortiger Endgültigkeit abgewickelt werden. Angeschlossen sind 24 nationale Zentralbanken (19 Eurosystem und 5 weitere europäische Notenbanken) sowie die EZB. Grundsätzlich nehmen die Geschäftsbanken in den an TARGET2 angeschlossenen Ländern über ihre jeweilige nationale Zentralbank an TARGET2 teil. Banken mit Sitz oder einer Zweigstelle innerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR), deren Länder nicht an TARGET2 angeschlossen sind (z.B. Großbritannien), können bei nationalen Zentralenbanken des Eurosystems ein eigenes TARGET2-Konto führen. Banken außerhalb des EWR (z.B. USA) können über ihre Töchter in Ländern des Eurosystems oder im EWR Konten bei nationalen Zentralbanken eröffnen im Eurosystem und nehmen so auch an TARGET2 teil. Institute ohne Sitz oder eine Zweigstelle innerhalb des EWR können über andere direkte Teilnehmer an TARGET2 teilnehmen.

    Die über TARGET2 abgewickelten grenzüberschreitenden Zahlungen spiegeln sich in den Bilanzen der nationalen Zentralbanken wieder. Fließen bspw. einer über die Bundesbank an TARGET2 teilnehmenden Geschäftsbank Gelder aus dem Ausland zu, führt dies bei der Bundesbank zu Verbindlichkeiten gegenüber dieser Geschäftsbank. Im Gegenzug entstehen innertägliche Forderungen der Bundesbank in gleicher Höhe gegenüber der nationalen Zentralbank der sendenden Geschäftsbank. Diese hat entsprechende Verbindlichkeiten gegenüber der Bundesbank und reduziert durch die Kontobelastung ihre Verbindlichkeiten gegenüber der sendenden Geschäftsbank.

    Die durch eine Vielzahl von Transaktionen bei den nationalen Zentralbanken entstehenden innertäglichen Forderungen und Verbindlichkeiten gleichen sich normalerweise über den Tag nicht vollständig aus. Am Ende des Geschäftstages fungiert die EZB daher als zentraler Kontrahent: Alle bilateralen innertäglichen Forderungen oder Verbindlichkeiten unter den nationalen Notenbanken werden zu einer einzigen Forderung respektive Verbindlichkeit der jeweiligen Zentralbank gegenüber der EZB zusammengefasst (Novation). Die so entstehenden TARGET2-(Netto)-Salden sind das Ergebnis der grenzüberschreitenden Übertragung von Zentralbankgeld innerhalb des Eurosystems sowie der anderen angeschlossenen Notenbanken, die nicht Mitglieder des Eurosystems sind. Letztere können an TARGET2 nur auf Guthabenbasis teilnehmen. Sie weisen also immer Forderungen gegenüber der EZB aus.

    Den Transaktionen, die zum Entstehen von TARGET2-Salden führen, können ganz unter-schiedliche Geschäfte zugrunde liegen. Denkbar sind u.a. die Zahlung einer Warenlieferung, der Kauf oder Verkauf eines Wertpapiers, die Gewährung oder Rückzahlung eines fälligen Darlehens, die Geldanlage bei einer Bank und vieles mehr.

    Über TARGET2 wird keine Liquidität geschaffen. Zentralbankgeld wird den Banken von ihrer Zentralbank hauptsächlich über Refinanzierungsgeschäfte und zudem über den Aufbau von Wertpapierbeständen sowie über Geschäfte in eigener Verantwortung der nationalen Zentralbanken zur Verfügung gestellt. Über deren Ausgestaltung in der EWU entscheidet der EZB-Rat im Rahmen seines geldpolitischen Mandats.

    Die TARGET2-Salden sind nur ein Teil der Intra-Eurosystem-Forderungen bzw. –Verbindlichkeiten. Auch aus der jeweiligen Bargeldausgabe der nationalen Notenbanken können Forderungen oder Verbindlichkeiten gegenüber der EZB resultieren.

    3. Entwicklung und Risiken: Bis 2007 glichen sich die grenzüberschreitenden Transaktionen in TARGET2 weitgehend aus, sodass es nicht zum Aufbau von TARGET2-Salden in größerem Umfang kam.

    Seit der Finanzkrise sind jedoch bedeutende positive und negative TARGET2-Salden bei einzelnen nationalen Zentralbanken entstanden. Über ihre Ursachen und Folgen sowie insbesondere über die damit verbundenen Risiken ist eine breite Diskussion entstanden.

    Letztlich gehen die TARGET2-Salden auf Zahlungsbilanzungleichgewichte in mehreren EWU-Staaten zurück; dabei können sowohl Leistungsbilanzdefizite als auch Kapitalexporte des Privatsektors eine Rolle spielen. Während der Finanzkrise erfolgte der Liquiditätsausgleich zwischen Kreditinstituten am Geldmarkt nicht mehr in der gewohnten Weise. Manche Institute waren weitestgehend vom Markt abgeschnitten und nahmen Liquiditätshilfen durch die Notenbanken in Anspruch. Kurzfristig auftretende TARGET2-Salden bauten sich so nicht mehr vollständig durch private Kapitalflüsse ab.

    Die allgemeine Entspannung an den Finanzmärkten infolge der Ankündigung des OMT 2012 führte zunächst zu allgemein sinkenden TARGET2-Salden.

    In engen zeitlichen Zusammenhang mit den Wertpapierkaufprogrammen des Eurosystems kam es zu einem Wiederanstieg der TARGET2-Salden. Die technische Abwicklung der Wertpapierkaufprogramme hat dabei einen direkten Effekt auf die TARGET2-Salden. Kaufen die nationalen Zentralbanken Wertpapiere von Geschäftspartnern, die über eine andere nationale Zentralbank an TARGET2 teilnehmen, an so kommt es zwangsläufig zu einer grenzüberschreitenden Transaktion über TARGET2. Entscheidend für die Auswirkungen auf den TARGET2-Saldo sind neben der Wahl der kontoführenden nationalen Zentralbank, über die sich Geschäftspartner an TARGET2 anschließen, auch die bestehende TARGET2-Position der an der Transaktion beteiligten nationalen Zentralbank. Sonstige grenzüberschreitende Transaktionen wirken weiterhin auf die Entwicklung der Salden ein, weshalb diese im Vergleich zu den kumulierten Wertpapiereinkäufen nicht linear und im gleichen Umfang steigen sowie sich deutlich volatiler entwickeln. Dem erneuten Anstieg der TARGET2 Salden liegen also andere Ursachen zugrunde und er ist weniger als Indikator für zunehmende Probleme im europäischen Finanzsystem zu sehen.

    Risiken für Notenbanken resultieren zunächst aus Operationen, durch welche Zentralbankliquidität geschaffen wird (Hierzu zählen u.a. Verluste bei der Verwertung von Sicherheiten und  Zinsänderungsrisiken von angekauften Wertpapieren). Risiken aus den TARGET2-Salden können jedoch entstehen, wenn ein Land mit TARGET2-Verbindlichkeiten gegenüber der EZB die Währungsunion verlässt. In diesem Fall könnten abhängig vom Willen und der Fähigkeit des entsprechenden Landes, diese Verbindlichkeiten zu begleichen, bei der EZB als bilanzwirksame Verluste entstehen, die nach Kapitalanteilen auf alle verbliebenen Mitglieder der Währungsunion aufgeteilt würden. Die potentielle Risikoposition der Bundesbank ist demnach unabhängig von der Höhe des eigenen TARGET2-Saldos. Entscheidend für eine mögliche Risikoposition sind die Höhe der TARGET2-Verbindlichkeit eines potentiell austretenden Landes und seine Fähigkeit, diese zurück zu zahlen. Die Bundesbank geht allerdings vom Fortbestand der Währungsunion in ihrer jetzigen Form aus.

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