Direkt zum Inhalt

Körperschaftsteuersystem

Definition

Gesamtheit der steuerlichen Regelungen, die das Zusammenwirken von Körperschaftsteuer und Einkommensteuer auf die aus einer Kapitalgesellschaft stammenden Gewinne regeln (Anfall von Körperschaftsteuer bei Erwirtschaftung der Gewinne durch die Gesellschaft, von Einkommensteuer bei der Ausschüttung als Dividende; ergibt potenziell eine wirtschaftliche Doppelbelastung).

GEPRÜFTES WISSEN
Über 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 25.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition

    1. Begriff: Gesamtheit der steuerlichen Regelungen, die das Zusammenwirken von Körperschaftsteuer und Einkommensteuer auf die aus einer Kapitalgesellschaft stammenden Gewinne regeln (Anfall von Körperschaftsteuer bei Erwirtschaftung der Gewinne durch die Gesellschaft, von Einkommensteuer bei der Ausschüttung als Dividende; ergibt potenziell eine wirtschaftliche Doppelbelastung).

    2. Denkbare Formen: Grundsätzlich kann die wirtschaftliche Doppelbelastung
    (1) hinsichtlich ihres Ausmaßes ganz, teilweise oder gar nicht beseitigt werden,
    (2) exakt oder in pauschaler Form,
    (3) auf der Ebene der Körperschaftsteuer oder bei der Einkommensteuer ansetzen,
    (4) als Gestaltungsparameter die Bemessungsgrundlage, den Steuersatz oder die Steuerschuld als Produkt dieser beiden Größen nutzen. Demnach ergeben sich, zumal alle diese Möglichkeiten auch kombiniert werden können, in der Theorie eine enorme Vielfalt von Körperschaftsteuersystemen.

    3. Ausgewählte Formen von Körperschaftsteuersystemen: a) Keinerlei Milderungsmaßnahme (klassisches System): Erhebung von Körperschaftsteuer und Einkommensteuer ohne jede Milderungsmaßnahme; die Erhebung beider Steuern mit teilweise reduzierten Sätze wird gerne als klassisches System bezeichnet, ist aber in Wirklichkeit ein anderes Verfahren (Shareholder-Relief-Verfahren).

    b) Milderung durch Reduzierung der Körperschaftsteuer:
    (1) Dividendenabzugssystem durch Absenkung der Bemessungsgrundlage durch Abzug der Dividenden als Betriebsausgaben der Kapitalgesellschaft; bis Anfang der 1990er-Jahre in Griechenland praktiziert.
    (2) Erhebung der Körperschaftsteuer mit einem reduzierten Steuersatz; technisch nicht vom klassischen System zu unterscheiden;
    (3) wirtschaftliche Reduzierung der Körperschaftsteuerschuld durch Vergütung der Körperschaftsteuer an den Anteilseigner: Vollanrechnungssysteme und Teilanrechnungssysteme.

    Beispiele: Körperschaftsteuerliches Anrechnungsverfahren in Deutschland von 1977 bis Ende 2000, Italien, Frankreich (Teilanrechnung); innerhalb der EU fast durchgehend wieder abgeschafft.

    c) Milderung durch Reduzierung der Einkommensteuer:
    (1) Reduzierung bei der Bemessungsgrundlage: entweder durch vollständige Befreiung der Dividendeneinkünfte von der Einkommensteuer (neues griechisches System) oder durch Ansatz der Dividendeneinkünfte nur zu einem bestimmten Prozentsatz, z.B. nur zur Hälfte, möglich. Hier ist das seit 2001 in Deutschland praktizierte Halbeinkünfteverfahren (Erfassung der Dividenden nur zu 50 Prozent) ebenso einzusortieren wie das ab 2009 an seine Stelle tretende Teileinkünfteverfahren (Erfassung der Dividenden zu 60 Prozent, anwendbar nur noch bei Dividenden, die nicht im Rahmen der „Einkünfte aus Kapitalvermögen“ zufließen) ersetzt. 
    (2) Reduzierung beim Steuersatz: Versteuerung von Dividenden mit einem gegenüber der sonstigen Einkommensteuer ermäßigten Steuersatz, entweder mit einem Pauschalsatz (z.B. in Belgien) oder z.B. mit dem halben individuellen Einkommensteuersatz des Anteilseigners (Halbsatzverfahren). Hierhin gehört das ab 2009 für dt. Privatanleger (Vereinnahmung von Dividenden nicht betrieblich, sondern als „Einkünfte aus Kapitalvermögen“) angewandte Verfahren der pauschalen Abgeltungsteuer, denn es wird im Rahmen der Abgeltungsteuer auf den vollen Betrag der Dividende ein - gegenüber dem ESt-Spitzensteuersatz stark reduzierter - Pauschalsteuersatz von 25 Prozent angewandt.

    Vgl. auch Unternehmensbesteuerung.

    zuletzt besuchte Definitionen...

      Mindmap Körperschaftsteuersystem Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/koerperschaftsteuersystem-39349 node39349 Körperschaftsteuersystem node40741 Körperschaftsteuer node39349->node40741 node34729 Erzbergersche Finanzreform (1919/1920) node40741->node34729 node30819 Betrieb node30819->node40741 node40938 Mitunternehmer node40938->node40741 node28461 ausländische Körperschaft node28461->node40741 node29578 Anrechnungssystem node29578->node39349 node47948 Teilanrechnungssystem node47948->node39349 node42192 Schachteldividende node42192->node39349 node46753 Schachtelprivileg node42192->node46753 node39038 Mutter-Tochter-Richtlinie node42192->node39038 node43878 Schachtelgesellschaft node43878->node42192 node37658 klassisches System node37658->node39349
      Mindmap Körperschaftsteuersystem Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/koerperschaftsteuersystem-39349 node39349 Körperschaftsteuersystem node40741 Körperschaftsteuer node39349->node40741 node29578 Anrechnungssystem node29578->node39349 node47948 Teilanrechnungssystem node47948->node39349 node42192 Schachteldividende node42192->node39349 node37658 klassisches System node37658->node39349

      News SpringerProfessional.de

      • Digitalisierung in Deutschland stagniert

        Nur langsam geht es für die deutsche Wirtschaft bei der Digitalisierung voran, zeigt der Monitoring Report Digital. Die Kernergebnisse: die Wirtschaft stagniert, digitale Vorreiter fehlen und alle warten auf den Breitbandausbau.

      • Forschungsagenda 2030 für die produzierende Industrie

        Die strategische Forschungsagenda der Initiative "manufuture-DE" hat aktuelle und zukünftig relevante Forschungsbedarfe deutscher Industrieunternehmen aus dem Bereich der Produktionstechnik bis zum Jahr 2030 formuliert und priorisiert.

      • "Unternehmen tragen Verantwortung für Konsumenten"

        Wer in der digitalen Welt nicht untergehen will, muss sich einige Kompetenzen aneigen. Sonst frisst die Digitalisierung ihre User, warnen Anabel Ternès und Hans-Peter Hagemes im Gespräch mit Springer Professional. Insbesondere Unternehmen sollten sich ihrer Verantwortung bewusst sein.

      • Digitalisierung schafft Chancen für weibliche Führungskräfte

        Mittlerweile erfüllen zwar die Aufsichtsräte der Dax-30-Unternehmen im Durchschnitt die gesetzliche Frauenquote. Aber gerade in Führungspositionen im operativen Geschäft sind Frauen, auch in der Finanzbranche, immer noch rar gesät. Und das sieht nur in einem Fachbereich besser aus.

      • Verantwortungsvolle Chefs haben mehr Stress

        Ein Chef, der sich seiner Verantwortung im Job bewusst ist, führt ein stressbelastetes Dasein. Zumindest, wenn er sich in einer gehobenen Machtposition befindet. Das haben Wissenschafter herausgefunden.

      • Dax-Vorstände verdienen noch mehr

        Wenn etwas die Gemüter erhitzt, dann sind es immer wieder die exorbitanten Bezüge von Vorständen und Aufsichtsräten von Unternehmen. Eine aktuelle Studie gibt der Diskussion neue Nahrung. Demnach bekommen die CEOs von der Post, Heidelberg Cement, Adidas und Daimler unglaubliche Summen. 

      • Enterprise Social Networks fördern Innovationen

        Der digitale Reifegrad deutschsprachiger Unternehmen verbessert sich zusehends. In allen Bereichen haben digitale Prozesse mittlerweile die analogen Formen der Zusammenarbeit überholt. Doch es gibt noch viel zu tun.

      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Dr. Norbert Dautzenberg
      Jade Hochschule
      Wilhelmshaven/Oldenburg/Elsfleth/,
      Standort Wilhelmshaven
      Verwalter einer Professur für Betriebswirtschaftliche Steuerlehre
      Prof. Dr. Wolfgang Eggert
      Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
      Lehrstuhlinhaber des Instituts für Wirtschaftstheorie und Finanzwissenschaft
      Steffen Minter
      Institut für Wirtschaftstheorie und
      Finanzwissenschaften, Albert-Ludwigs-Universität
      Wissenschaftlicher Mitarbeiter

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

      Springer Professional - Die Flatrate für Fachzeitschriften und Bücher
      Gegenwärtig ist in ganz Europa eine intensive Standortdiskussion im Gange, die maßgeblich auch von steuerrechtlichen und steuerpolitischen Gesichtspunkten geprägt ist. Auch Deutschland, Österreich und Italien sind davon erfasst worden und dementsprec
      (1) Verpflichtet sich eine Europäische Gesellschaft, Aktiengesellschaft oder Kommanditgesellschaft auf Aktien mit Geschäftsleitung im Inland und Sitz in einem Mitgliedstaat der Europäischen Union oder in einem Vertragsstaat des EWR-Abkommens …
      (1) Ein positiver Endbetrag im Sinne des § 36 Abs. 7 aus dem Teilbetrag im Sinne des § 30 Abs. 2 Nr. 2 in der Fassung des Artikels 4 des Gesetzes vom 14. Juli 2000 (BGBl. I S. 1034) ist auch zum Schluss der folgenden Wirtschaftsjahre …

      Bücher auf springer.com

      versandkostenfrei von springer.com

      Sachgebiete