Direkt zum Inhalt

Halbeinkünfteverfahren

Definition

Das Halbeinkünfteverfahren war ein köperschaftsteuerliches Abrechnungsverfahren, das in Deutschland von 2001 bis 2008 Anwendung fand, um eine im Vergleich zu Personengesellschaften höheren Gesamtbelastung der Kapitalgesellschaften durch Körper- und Einkommensteuer zu vermeiden. Die Körperschaftsteuer betrug 25 Prozent,, etwa die Hälfte der historisch üblichen Spitzenbelastung der Gewinne; die auf die Dividende entfallende Einkommensteuer wurde nach einer Ausschüttung der Gewinne ebenfalls (nur) zur Hälfte erhoben. Auf jeden Gewinn wurde nur ein einziges Mal Körperschaftsteuer erhoben: Der Bezug von Dividenden durch eine Körperschaft im Halbeinkünfteverfahren war daher stets steuerfrei (§ 8b I KStG); der Gewinn, aus der die Dividende stammte, unterlag nämlich bereits im Regelfall auf einer unteren Ebene (bei der ausschüttenden Tochtergesellschaft) der Körperschaftsteuer.

GEPRÜFTES WISSEN
Über 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 25.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition

    1. Begriff/Funktionsweise: Körperschaftsteuersystem in Deutschland von 2001 bis 2008 zur Vermeidung einer im Vergleich zu Personengesellschaften höheren Gesamtbelastung durch Körper- und Einkommensteuer. Die Körperschaftsteuer betrug 25 Prozent, etwa die Hälfte einer historisch üblichen Spitzenbelastung der Gewinne; die auf die Dividende entfallende Einkommensteuer wurde nach einer Ausschüttung der Gewinne ebenfalls (nur) zur Hälfte erhoben. Auf jeden Gewinn wurde nur ein einziges Mal Körperschaftsteuer erhoben: Der Bezug von Dividenden durch eine Körperschaft im Halbeinkünfteverfahren war daher stets steuerfrei (§ 8b I KStG); der Gewinn, aus der die Dividende stammte, unterlag nämlich bereits im Regelfall auf einer unteren Ebene (bei der ausschüttenden Tochtergesellschaft) der Körperschaftsteuer.

    2. Behandlung von Gewinnen aus der Veräußerung von Anteilen im Halbeinkünfteverfahren: Gewinne aus der Veräußerung von Anteilen an Kapitalgesellschaften waren bei der natürlichen Person zur Hälfte steuerbefreit (§ 3 Nr. 40 EStG), bei der juristischen Person vollständig (§ 8b II KStG) (Grundsatz der Gleichbehandlung von Veräußerungsgewinnen und Dividenden).

    3. Für die Kosten im Zusammenhang mit Dividendenbezug und Veräußerungsgewinnen bedeuteten die Steuerbefreiungen durch das Halbeinkünfteverfahren ein entsprechendes Abzugsverbot:
    (1) Betriebsausgaben und Werbungskosten im Zusammenhang mit einer Dividende oder einem Gewinn aus Anteilsveräußerung waren bei einer einkommensteuerpflichtigen Person nur zur Hälfte abzugsfähig (§ 3c II EStG).
    (2) Betriebsausgaben im Zusammenhang mit den Dividendeneinkünften einer juristischen Person waren nicht abzugsfähig. Die nicht-abziehbaren Kosten der Beteiligungsverwaltung (und ab 2004 auch der Erzielung von Veräußerungsgewinnen) wurden allerdings auf 5 Prozent der in dem jeweiligen Jahr bezogenen Dividenden (oder erzielten Veräußerungsgewinne) geschätzt und angesetzt; der Ansatz der wirklichen Kostenwerte war ausgeschlossen (§ 8b V KStG, Betriebsausgabenpauschale).

    4. Verhältnis zum ab 2009 geltenden Teileinkünfteverfahren: Im Teileinkünfteverfahren haben sich die vorstehenden Regelungen praktisch nicht verändert, es hat sich lediglich die Gewichtung verschoben, mit der der Gesetzgeber die beabsichtigte Gesamtsteuerlast für die in einer Kapitalgesellschaft erwirtschafteten Gewinne auf die zwei Ebenen "Gesellschaftsebene" und "Anteilseignerebene" verteilt: Während früher die Gesamtbelastung sich etwa hälftig auf beide Ebenen verteilte, wird heute die KSt nur noch mit 15 Prozent erhoben (das entspricht typischerweise etwa 40 Prozent der beabsichtigten Gesamtbelastung) und im Gegenzug auf der Anteilseignerebene die Dividende nicht mehr nur zu 50 Prozent, sondern zu 60 Prozent für steuerpflichtig erklärt. Neu ist allerdings, dass bei privat bezogenen Dividenden (also solchen, die beim Empfänger zu den Einkünften aus Kapitalvermögen zugeordnet werden) der Vereinfachungsgedanke sogar noch weiter geführt wird und die Besteuerung der Dividenden in dieser Einkunftsart jetzt mit einem Pauschalsteuersatz von 25 Prozent (auf die Gesamteinnahme, nicht nur auf 60 Prozent) erfolgt, das Teileinkünfteverfahren - anders als das frühere Halbeinkünfteverfahren - also überhaupt nur noch bei solchen Dividenden zur Anwendung kommt, die in einem Betriebsvermögen vereinnahmt werden, und bei Veräußerungsgewinnen aus Anteilen, die unter § 17 EStG fallen.

    Anders: Halbsatzverfahren.

    zuletzt besuchte Definitionen...

      Mindmap Halbeinkünfteverfahren Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/halbeinkuenfteverfahren-35245 node35245 Halbeinkünfteverfahren node31494 Betriebsausgabenpauschale node35245->node31494 node34982 Eigenkapital node49896 verwendbares Eigenkapital node34982->node49896 node49603 Umsatzsteuer node44568 organische Steuerreform node42053 Steuersystem node44199 Steuerreform node44199->node35245 node44199->node49603 node44199->node44568 node44199->node42053 node48612 Umwandlung node44199->node48612 node48388 Veräußerungsgewinn node38991 Kapitalgesellschaften node47488 wesentliche Beteiligung node47488->node35245 node47488->node48388 node47488->node38991 node51497 Teileinkünfteverfahren node47488->node51497 node51497->node35245 node33380 Dividende node31494->node33380 node49896->node35245 node49896->node51497 node40647 Körperschaftsteuerguthaben node49896->node40647 node39287 körperschaftsteuerliches Anrechnungsverfahren node40647->node39287 node40741 Körperschaftsteuer node40741->node35245 node40741->node39287 node40578 nicht abzugsfähige Aufwendungen node39287->node35245 node39287->node40578 node45645 Schachtelstrafe node45645->node31494
      Mindmap Halbeinkünfteverfahren Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/halbeinkuenfteverfahren-35245 node35245 Halbeinkünfteverfahren node31494 Betriebsausgabenpauschale node35245->node31494 node39287 körperschaftsteuerliches Anrechnungsverfahren node39287->node35245 node49896 verwendbares Eigenkapital node49896->node35245 node47488 wesentliche Beteiligung node47488->node35245 node44199 Steuerreform node44199->node35245

      News SpringerProfessional.de

      • Persönlichkeit und Motivation müssen stimmen

        Beim Besetzen vakanter Stellen achten Vertriebsleiter oft stärker auf die fachliche Qualifikation der Bewerber als auf deren Persönlichkeit und Motivation. Michael Schwartz, Leiter des Instituts für integrale Lebens- und Arbeitspraxis in Esslingen, erläutert, warum diese beiden Faktoren im Vertrieb so wichtig sind.

      • Neue Recruitingstrategien gegen den Fachkräftemangel

        Für den deutschen Mittelstand wird der Fachkräftemangel zum Geschäftsrisiko, zeigen Studien. Und die Situation soll sich noch verschärfen. Höchsten Zeit also, bei der Personalbeschaffung neue Weg zu gehen, so Gastautor Steffen Michel. 

      • Weniger IPO-Prospekt, dafür mehr Anlegerschutz

        Wer sich bislang per Börsengang Geld am Kapitalmarkt besorgen wollte, musste einen aufwendigen Prospekt erstellen. Eine Neuregelung sorgt jetzt bei kleineren IPOs (Initial Public Offering) für Abhilfe. Wie die Voraussetzungen aussehen, erklärt Rechtsanwalt Jörg Baumgartner in seinem Gastbeitrag.

      • Whatsapp startet Business-Offensive

        Im Servicefall können Verbraucher einige Unternehmen bereits über den Messenger-Dienst Whatsapp kontaktieren. Doch was passiert, wenn der Kundenservice Nachrichten initiativ versendet? Ein neues Business-Tool soll genau das ermöglichen.

      • Kundennutzenmodelle im B2B-Vertrieb von E-Marktplätzen

        Elektronische B2C-Marktplätze müssen ihre über Jahre errungene dominante Marktstellung in Gewinne umzumünzen, ohne ihre Marktstellung zu gefährden. Dazu gehört, Preise für langjährige Händler drastisch zu erhöhen. Kundennutzenmodelle spielen dabei eine wichtige Rolle.

      • "Belastete Geschäftsmodelle sind meistens nicht genug innoviert"

        Der ehemalige Roland-Berger-Krisenberater Thomas Knecht hat an der Spitze von Hellmann den Turnaround des weltweiten Logistikers geschafft. Branche und Wirtschaft fordert er zu mehr Wachsamkeit auf. Im Interview spricht er über Anpassungsfähigkeit und Insolvenzschutz.

      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Dr. Norbert Dautzenberg
      Jade Hochschule
      Wilhelmshaven/Oldenburg/Elsfleth/,
      Standort Wilhelmshaven
      Verwalter einer Professur für Betriebswirtschaftliche Steuerlehre

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

      Springer Professional - Die Flatrate für Fachzeitschriften und Bücher
      Die Berücksichtigung grenzüberschreitender Tätigkeiten war einer der Mängel des deutschen Anrechnungsverfahrens, die schließlich zu seiner Abschaffung geführt haben.92 Auf die Einkommensteuer deutscher Anteilseigner anrechenbar war nur die …
      Aktionäre versteuern die erhaltenen Dividenden nicht mehr nach dem Anrechnungsverfahren, sondern nach dem neuen Halbeinkünfteverfahren (vgl. Gesetz zur Senkung der Steuersätze und zur Reform der Unternehmensbesteuerung).
      Der vorliegende Beitrag integriert die Auswirkungen der steuerlichen Übergangsregelungen vom Anrechnungs-auf das Halbeinkünfteverfahren in die Discounted Cashflow-Methodik. Die Ergebnisse bestätigen die in der Literatur existierenden Resultate bzgl. …

      Bücher auf springer.com

      versandkostenfrei von springer.com

      Sachgebiete