Direkt zum Inhalt

Kapitalanlagegesellschaft

Definition

Institut, das mit der speziellen Aufgabe betraut ist, Sondervermögen in Form von Investmentfonds mit der Sorgfalt eines ordentlichen Kaufmannes für gemeinschaftliche Rechnung der Anleger zu verwalten.

GEPRÜFTES WISSEN
Über 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 25.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition

    Inhaltsverzeichnis

    1. Wertpapiergeschäft
    2. Steuerrecht

    Wertpapiergeschäft


    1. Begriff: Institut sui generis mit der speziellen Aufgabe, Sondervermögen in Form von Investmentfonds mit der Sorgfalt eines ordentlichen Kaufmannes für gemeinschaftliche Rechnung der Anleger zu verwalten (vormals Investmentgeschäft gemäß § 1 I Nr. 6 KWG). Dabei handelt die Kapitalanlagegesellschaft unabhängig von der Depotbank, die neben der Verwahrung des Investmentvermögens v.a. auch eine Kontrollpflicht hat. Das Investmentgesetz (InvG) erlaubt der Kapitalanlagegesellschaft neben der Verwaltung von Investmentfonds weitere Dienstleistungen und Nebendienstleistungen. Dazu gehören die individuelle Vermögensverwaltung von Immobilienvermögen, die Verwaltung und Verwahrung ausländischer Investmentfonds, der Vertrieb von zugelassenen in- und ausländischen Investmentfonds sowie der Abschluss von Altersvorsorgeverträgen.

    2. Ziel: Kapitalanlagegesellschaften verwalten Investmentfonds, die nach dem Grundsatz der Risikomischung angelegt sind und so zur Risiko-Rendite-Optimierung für den Anleger beitragen sollen.

    3. Rechtsformen und Aufsicht: Die Kapitalanlagegesellschaft darf nur in der Rechtsform der Aktiengesellschaft oder der Gesellschaft mit beschränkter Haftung betrieben werden. Sie muss mit einem Anfangskapital von mind. 300.000 Euro ausgestattet sein. Weitere Anforderungen an die Eigenmittel gelten in Abhängigkeit vom Wert des verwalteten Sondervermögens und von der Höhe der Kosten.

    Die Kapitalanlagegesellschaft muss die Erlaubnis zum Geschäftsbetrieb bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht einholen und unterliegt dort regelmäßigen Meldepflichten.

    4. Sondervermögen: Sondervermögen sind Investmentfonds, die von einer Kapitalanlagegesellschaft für Rechnung der Anleger verwaltet werden und jederzeit von den Anlegern zurückgegeben werden können. Die Kapitalanlagegesellschaft darf mehrere Sondervermögen bilden, die sich durch ihre Bezeichnung unterscheiden müssen und getrennt zu halten sind. Zur Vereinheitlichung im europäischen Währungsraum wird Sondervermögen in Übereinstimmung mit der EG-Richtlinie über Organismen für gemeinsame Anlagen (OGAW-Richtlinie) gebildet aus Wertpapieren, Geldmarktinstrumenten, Bankguthaben, Investmentanteilen und Derivaten (richtlinienkonformes Sondervermögen). Die einzelnen Vermögensgegenstände sind dabei beliebig kombinierbar. Dagegen sind das Immobilien-Sondervermögen, Gemischte Sondervermögen, Altersvorsorge- und Infrasturktur-Sondervermögen im Einzelnen geregelte Investmentfonds, die sich in Deutschland als Publikumsfonds bewährt haben (nicht richtlinienkonformes Sondervermögen).

    5. Anlagegrenzen: a) Ausstellergrenzen: Bis zu 5 Prozent des Wertes des Sondervermögens dürfen in Wertpapiere und Geldmarktinstrumente desselben Ausstellers investiert werden. Die Vertragsbedingungen des Investmentfonds können dies auf 10 Prozent erweitern, wenn sämtliche Investitionen in Anlagen dieses Ausstellers 40 Prozent des Sondervermögenswertes nicht überschreiten. Weitere Grenzen betreffen Schuldverschreibungen bestimmter Aussteller, Bankguthaben bei einem Kreditinstitut, kombinierte Anlagen bei derselben Einrichtung und Investmentanteile. Unter bestimmten Bedingungen ist eine Erweiterung der Ausstellergrenzen auf 35 Prozent möglich.

    b) Emittentenbezogene Anlagegrenzen: Schuldverschreibungen oder Geldmarktinstrumente desselben Ausstellers dürfen für ein Sondervermögen nur bis zur Höhe von jeweils 10 Prozent des Gesamtnennbetrages im Umlauf erworben werden.

    6. Anteile: Der Anleger in Investmentfonds erwirbt bestimmte Anteile an Investmentvermögen, die in Anteilscheinen (Investmentzertifikaten) verbrieft sind.

    7. Ausblick: Nach dem Entwurf den Kapitalanlagegesetzbuchs (KAGB) entfällt der Begriff der Kapitalanlagegesellschaft und wird durch den der Kapitalverwaltungsgesellschaft ersetzt.

    Steuerrecht

    1. Rechtsgrundlage: Investmentsteuergesetz (InvStG).

    2. Wertpapier-Sondervermögen: Dies gilt als eigenständiges Körperschaftsteuersubjekt (Zweckvermögen nach § 1 I Nr. 5 KStG), ist jedoch steuerbefreit (§ 38 I KAGG). Die Ausschüttungen, die dieses Sondervermögen tätigt, sowie die Einnahmen, die es nicht zur Kostendeckung oder Ausschüttung verwendet (thesauriert), gelten beim Anteilsinhaber als Einnahmen aus Kapitalvermögen (§ 20 I Nr.1 EStG.)

    Ausnahme: Wenn die Anteile betrieblich gehalten sind, liegen Betriebserträge vor. Zu den steuerpflichtigen Einnahmen gehören darüber hinaus auch die sog. Zwischengewinne. Diese Einnahmen sind beim Anteilseigner voll zu versteuern (§ 39 KAGG); das Teileinkünfteverfahren (früher: Halbkünfteverfahren) gilt nur, soweit in den ausgeschütteten Einnahmen Dividendenerträge enthalten sind.

    Steuerfrei sind der Teil der Ausschüttungen des Wertpapier-Sondervermögen, der Gewinne aus Veräußerungsgewinnen, die bei einem Privatanleger steuerfrei wären, enthält. Diese Steuerbefreiung gilt nur, wenn der Anteilsinhaber den Anteil selbst nicht in einem Betriebsvermögen hält (§ 40 KAGG).

    Für Beteiligungs-, Investmentfondsanteil-, Grundstücks- und Altersvorsorge-Sondervermögen gelten die Regelungen in ähnlicher Form.

    3. Ausschüttungen einer Kapitalanlagegesellschaft: Unterliegen der Kapitalertragsteuer nach KAGG.

    Ab 1.1.2018 tritt eine grundlegende Reform der Investmentbesteuerung in Kraft.

    zuletzt besuchte Definitionen...

      Mindmap Kapitalanlagegesellschaft Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/kapitalanlagegesellschaft-40126 node40126 Kapitalanlagegesellschaft node39812 Investmentfonds node40126->node39812 node50400 Wertpapier-Sondervermögen node40126->node50400 node36329 Geldmarktinstrumente node44529 Spezialitätenfonds node44529->node40126 node44529->node39812 node44223 Stiftung node27274 Anstalt node33833 Einkünfte node48103 Zweckvermögen node48103->node40126 node48103->node44223 node48103->node27274 node48103->node33833 node38908 KAGG node38908->node40126 node40636 Investmentgesetz (InvG) node40636->node40126 node34525 Hedge Funds node39812->node34525 node33100 Geldmarktfonds node33100->node40126 node33100->node36329 node33100->node40636 node33100->node39812 node50400->node38908 node50400->node40636 node50400->node39812 node53507 Mobiler Bankvertrieb node53507->node39812 node33469 Einkommensfonds node33469->node39812 node44924 Spezialfonds node44924->node44529
      Mindmap Kapitalanlagegesellschaft Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/kapitalanlagegesellschaft-40126 node40126 Kapitalanlagegesellschaft node39812 Investmentfonds node40126->node39812 node33100 Geldmarktfonds node33100->node40126 node50400 Wertpapier-Sondervermögen node50400->node40126 node48103 Zweckvermögen node48103->node40126 node44529 Spezialitätenfonds node44529->node40126

      News SpringerProfessional.de

      • Persönlichkeit und Motivation müssen stimmen

        Beim Besetzen vakanter Stellen achten Vertriebsleiter oft stärker auf die fachliche Qualifikation der Bewerber als auf deren Persönlichkeit und Motivation. Michael Schwartz, Leiter des Instituts für integrale Lebens- und Arbeitspraxis in Esslingen, erläutert, warum diese beiden Faktoren im Vertrieb so wichtig sind.

      • Neue Recruitingstrategien gegen den Fachkräftemangel

        Für den deutschen Mittelstand wird der Fachkräftemangel zum Geschäftsrisiko, zeigen Studien. Und die Situation soll sich noch verschärfen. Höchsten Zeit also, bei der Personalbeschaffung neue Weg zu gehen, so Gastautor Steffen Michel. 

      • Weniger IPO-Prospekt, dafür mehr Anlegerschutz

        Wer sich bislang per Börsengang Geld am Kapitalmarkt besorgen wollte, musste einen aufwendigen Prospekt erstellen. Eine Neuregelung sorgt jetzt bei kleineren IPOs (Initial Public Offering) für Abhilfe. Wie die Voraussetzungen aussehen, erklärt Rechtsanwalt Jörg Baumgartner in seinem Gastbeitrag.

      • Whatsapp startet Business-Offensive

        Im Servicefall können Verbraucher einige Unternehmen bereits über den Messenger-Dienst Whatsapp kontaktieren. Doch was passiert, wenn der Kundenservice Nachrichten initiativ versendet? Ein neues Business-Tool soll genau das ermöglichen.

      • Kundennutzenmodelle im B2B-Vertrieb von E-Marktplätzen

        Elektronische B2C-Marktplätze müssen ihre über Jahre errungene dominante Marktstellung in Gewinne umzumünzen, ohne ihre Marktstellung zu gefährden. Dazu gehört, Preise für langjährige Händler drastisch zu erhöhen. Kundennutzenmodelle spielen dabei eine wichtige Rolle.

      • "Belastete Geschäftsmodelle sind meistens nicht genug innoviert"

        Der ehemalige Roland-Berger-Krisenberater Thomas Knecht hat an der Spitze von Hellmann den Turnaround des weltweiten Logistikers geschafft. Branche und Wirtschaft fordert er zu mehr Wachsamkeit auf. Im Interview spricht er über Anpassungsfähigkeit und Insolvenzschutz.

      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Dr. Cordula Heldt
      Deutsches Aktieninstitut e.V.
      Referentin und Rechtsanwältin
      Dr. Norbert Dautzenberg
      Jade Hochschule
      Wilhelmshaven/Oldenburg/Elsfleth/,
      Standort Wilhelmshaven
      Verwalter einer Professur für Betriebswirtschaftliche Steuerlehre

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

      Springer Professional - Die Flatrate für Fachzeitschriften und Bücher
      Anteilinhaber an einem Investmentfonds können einen Dritten – sei es ein Dienstnehmer der Kapitalanlagegesellschaft oder ein selbstständiger Dritter iSd § 3 Abs 3 InvFG – wegen fehlerhaften Fondsmanagements nicht unmittelbar auf Schadenersatz in Ansp…
      Die deutschen Investment-Gesellschaften sind alle nach dem sogenannten „Vertragstyp“ organisiert. Sie unterliegen dem Gesetz über Kapitalanlagegesellschaften vom 16. April 1957 in der Fassung des Finanzmarktförderungsgesetzes vom 22. Februar 1990 …
      Mit dem DSS-Generator PM-DSS wurde ein flexibles, an die unterschiedlichen Problemstellungen im Portfoliomanagement anpassbares Instrument zur Portfolio Optimierung geschaffen. Das Konzept konnte bisher erfolgreich sowohl für den Aktienbereich …

      Bücher auf springer.com

      versandkostenfrei von springer.com

      Sachgebiete