Direkt zum Inhalt

Pflegetagegeldversicherung

GEPRÜFTES WISSEN
Über 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 25.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition

    Inhaltsverzeichnis

    1. Begriff
    2. Bestimmungsgrößen
    3. Abgrenzung der Pflegestufen
    4. Leistungen aus der Pflegeversicherung
    5. Härtefallregelungen
    6. Ausblick

    Begriff

    Gradmesser für den Umfang an Hilfebedarf und an Leistungen, den ein Pflegebedürftiger (Pflegebedürftigkeit) von der Pflegeversicherung erhält (soziale Pflegeversicherung, private Pflegeversicherung). 

    Bestimmungsgrößen

    Die Pflegestufen richten sich nach der Schwere der Beeinträchtigungen und dem Zeitaufwand, den die Pflege in Anspruch nimmt. Zur Einstufung in eine Pflegestufe wird die Pflegebedürftigkeit bei den regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen des täglichen Lebens herangezogen. Dazu zählen die Grundpflege sowie der Aufwand für die hauswirtschaftliche Versorgung. Die Grundpflege beinhaltet Hilfen bei der Körperpflege, Ernährung und Mobilität. Folgende Hilfestellungen gehören dazu:
    a) Körperpflege: Waschen, Duschen, Baden, Zahnpflege, Kämmen, Rasieren, Blasen- oder Darmentleerung.
    b) Ernährung: Mundgerechtes Zubereiten oder Aufnahme der Nahrung.
    c) Mobilität: Selbstständiges Aufstehen und Zubettgehen, An- und Auskleiden, Gehen, Stehen, Verlassen und Wiederaufsuchen der Wohnung (z.B. für Arztbesuche, Behördengänge, nicht für Spaziergänge).
    d) Hauswirtschaftliche Versorgung: Einkaufen, Kochen, Putzen der Wohnung, Spülen, Wechseln und Waschen der Wäsche. Für jede einzelne Tätigkeit gibt es einen bestimmten Zeitbedarf; daraus wird der gesamte Pflegeaufwand berechnet. Die Einstufung in eine Pflegestufe erfolgt i.d.R. durch ein Gutachten des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK). Bei privaten Krankenversicherungen übernimmt dies Medicproof (Pflegebegutachtung).

    Abgrenzung der Pflegestufen

    Gem. § 15 SGB XI werden drei Pflegestufen unterschieden. Die Übergangsregelung des § 123 SGB XI sieht zudem Leistungen für Versicherte ohne Pflegestufe, die sog „Pflegestufe 0“, vor.
    a) Pflegestufe I – erheblich Pflegebedürftige: Der Hilfebedarf für die Grundpflege und die hauswirtschaftliche Versorgung muss pro Tag bei mindestens eineinhalb Stunden liegen. Auf die Grundpflege müssen dabei mehr als 45 Minuten täglich entfallen.
    b) Pflegestufe II – Schwerpflegebedürftige: Der Hilfebedarf für die Grundpflege und die hauswirtschaftliche Versorgung muss pro Tag bei mindestens drei Stunden liegen. Auf die Grundpflege müssen dabei mindestens zwei Stunden täglich entfallen.
    c) Pflegestufe III – Schwerstpflegebedürftige: Der Hilfebedarf für die Grundpflege und die hauswirtschaftliche Versorgung muss pro Tag bei mindestens fünf Stunden liegen. Auf die Grundpflege müssen dabei mindestens vier Stunden täglich entfallen.
    d) Bei Festlegung der Pflegestufe eines Kindes ist der Vergleich zum Hilfebedarf eines gesunden Kindes maßgeblich (§ 15 II SGB XI). 

    Leistungen aus der Pflegeversicherung

    Je höher die anerkannte Pflegestufe ist, desto höher ist auch der Anspruch auf Leistungen aus der sozialen Pflegeversicherung (SPV). Konkret geregelt werden die Art und die Höhe der Leistungen, die auch von der Art der Pflege (ambulante Pflege, stationäre Pflege) abhängen, im vierten Kapitel des SGB XI (für einen Überblick siehe § 28 SGB XI). Wird der Pflegebedürftige zu Hause gepflegt, besteht eine Wahl zwischen Geldleistungen (Pflegegeld) und Sachleistungen. Pflegegeld wird geleistet, wenn Angehörige oder eine selbst ausgewählte Pflegeperson (Angehörigenpflege, Laienpflege) die Pflege komplett übernehmen. Pflegesachleistungen können in Anspruch genommen werden, wenn ein professioneller Pflegedienst mit der Pflege betraut ist. Dieser stellt eine Rechnung, die bis zum jeweiligen Höchstbetrag erstattet wird. Werden die Sachleistungen nicht komplett ausgeschöpft, kann der nicht genutzte Prozentsatz der Sachleistungen anteilig als Pflegegeld ausgezahlt werden (Kombinationsleistungen). 

    Härtefallregelungen

    Wenn der Pflegeaufwand das Maß der Pflegestufe III weit übersteigt, kann ein sog. Härtefall vorliegen. Die Pflegekasse kann in diesem Fall im Rahmen der Pflegesachleistungen und der vollstationären Pflege weitere Leistungen gewähren. Dies kann bspw. im Endstadium einer Krebserkrankung oder bei Patienten im Wachkoma der Fall sein. 

    Ausblick

    Mit dem am 18.12.2015 verabschiedeten Zweiten Pflegestärkungsgesetz werden die bisherigen drei (bzw. vier) Pflegestufen zum 1.1.2017 durch ein System mit fünf Pflegegraden ersetzt. Es wird ein neuer Begriff der Pflegebedürftigkeit eingeführt, der allen Pflegebedürftigen gleichberechtigten Zugang zu den Leistungen der Pflegeversicherung eröffnen soll, unabhängig davon, ob sie von körperlichen oder psychischen Einschränkungen betroffen sind. Pflegebedürftige, die bereits Leistungen beziehen, werden automatisch in das neue System übergeleitet und genießen hinsichtlich des bisherigen Leistungsniveaus Bestandsschutz.

    zuletzt besuchte Definitionen...

      Mindmap Pflegetagegeldversicherung Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/pflegetagegeldversicherung-46213 node46213 Pflegetagegeldversicherung node46048 Pflegebedürftigkeit node46213->node46048 node46888 Pflegegeld node46213->node46888 node45798 Pflegeperson node46048->node45798 node42768 Pflegekasse node46048->node42768 node43068 Pflegeversicherung node46048->node43068 node30390 Berufsunfähigkeit node30390->node46048 node46888->node46048 node46888->node45798 node46888->node43068 node46203 Pflegefall node46888->node46203 node48786 Überschussbeteiligung node48786->node46213 node39176 Lebensversicherung node48786->node39176 node52537 Gesundheitsprüfung node48786->node52537 node50152 versicherungstechnische Rückstellungen node50152->node48786 node47017 verantwortlicher Aktuar node47017->node48786
      Mindmap Pflegetagegeldversicherung Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/pflegetagegeldversicherung-46213 node46213 Pflegetagegeldversicherung node46048 Pflegebedürftigkeit node46213->node46048 node46888 Pflegegeld node46213->node46888 node48786 Überschussbeteiligung node48786->node46213

      News SpringerProfessional.de

      • Exportentwicklung Werkzeugmaschinen

        Ein aktueller Quest Report verbindet Exportmärkte und Durchschnittswerte von Werkzeugmaschinen in Euro und die Wirkung auf die Exporte nach China seit 2008. Steigende Durchschnittswerte von Werkzeugmaschinen gehen demnach mit rückläufigen Exporten nach China einher.

      • Banken genießen großes Vertrauen ihrer Kunden

        72 Prozent der Bankkunden in Deutschland gehen davon aus, dass Kreditinstitute mit ihren persönlichen Daten sorgsam umgehen. Keine andere Branche genießt einer aktuellen Umfrage zufolge höheres Vertrauen.

      • Neue Aufgaben für die Zentrale der Zukunft

        Unternehmen müssen agil und innovativ sein. Das althergebrachte Headquarter, von dem aus alles zentral gesteuert werden soll, scheint dazu nicht passen zu wollen. Muss die Unternehmenszentrale neu erfunden werden? 

      • So geht erfolgreiches Lead Nurturing im B2B-Segment

        Wenn nicht nur Leads, sondern in Folge auch Käufer generiert werden, ist von Lead Nurturing die Rede. Im B2B-Bereich müssen E-Mail-Marketer dafür besonders strategische sowie kontinuierliche Beziehungsarbeit leisten.

      • Globales E-Invoicing ist Herausforderung für Unternehmen

        Unternehmen sind aufgrund staatlicher Vorgaben zunehmend dazu verpflichtet, ihre Rechnungen elektronisch zu erstellen. Doch in jedem Land gelten andere rechtliche Regelungen. Entsprechend komplex gestalten sich die Prozesse. Erster Teil des Gastbeitrags.

      • Auf dem Rechtsweg ins Verderben

        Wer seinen Markt als Eigentum betrachtet und Neueinsteiger juristisch bekämpfen will, kann nur verlieren, meint Springer-Autor und Zukunftsmanager Heino Hilbig. Denn die Klage eines Taxifahrers gegen Moia wird neue Verkehrskonzepte nicht verhindern. 

      • Mit Location Based Marketing auf Neukundenfang

        Deutsche Marketing-Manager sehen in standortbasierter Werbung die Brücke, um Konsumenten online wie offline anzusprechen. Vor allem für die Neukundengewinnung setzen sie auf das Marketinginstrument.

      • Wie der Arbeitsplatz von morgen aussehen wird

        Während der Industrialisierung wanderte die Arbeit aus dem Haushalt in die Fabrik. Heute klopft sie wieder an die Haustür. Die Möglichkeit zu mehr zeitlicher und örtlicher Flexibilität, beispielsweise zur Arbeit im Homeoffice, macht vor keiner Branche mehr halt.

      • Java und JavaScript sind die beliebtesten Programmiersprachen

        Die meisten Softwareingenieure setzen auf Java und JavaScript, wenn es um die Entwicklung von Unternehmensanwendungen geht. Die angeblichen "In"-Programmiersprachen Python & Co. liegen in der Beliebtheitsskala teils weit abgeschlagen hinter den Klassikern.

      • Diese digitalen Marken sind top

        Digitale Dienste dominieren immer stärker die Markenwelt. In den Top 25 der relevantesten Marken Deutschlands machen sich analoge Marken eher rar.

      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Prof. Dr. Fred Wagner
      Institut für Versicherungswissenschaften e.V.
      an der Universität Leipzig Vorsitzender des Vorstandes

      Bücher

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

      Springer Professional - Die Flatrate für Fachzeitschriften und Bücher
      Auf Grundstücken und Baustellen lauern viele Gefahren. Daher sollten private Bauherren mit der richtigen Kombination passender Versicherungen gegen Sachschäden vorsorgen und ihre Vermögenswerte sowie die eigene Gesundheit absichern.
      Das Kapitel untersucht für eine kundenorientierte Marktbearbeitung zunächst die Triebkräfte der Veränderungen der sozioökonomischen Rahmenbedingungen von Privatkunden und deren Einfluss auf die finanziellen Bedürfnisse und den Finanzdienstleistungsbedarf einerseits und die daraus abgeleiteten Wissensbedarfe andererseits. 
      Das Thema Pflegeabsicherung wird von Vermittlern nicht gerne angefasst. Der Grund: Das Gespräch mit dem Kunden über dessen mögliche Pflegebedürftigkeit und die damit verbundenen finanziellen Belastungen kann unangenehm sein. Doch sind die ersten …

      Bücher auf springer.com

      Sachgebiete