Direkt zum Inhalt

Fremdvergleichsgrundsatz

Definition

Grundsatz, dass einander - familiär oder durch gesellschaftsrechtliche Beziehungen - nahe stehende Personen sich bei der Gestaltung ihrer Geschäfte miteinander so zu verhalten haben, wie es Personen täten, die einander fremd sind („fremde Dritte”), und dass dann, wenn die vereinbarten Konditionen für ein Geschäft zwischen nahestehenden Personen diesem Maßstab nicht entsprechen, für steuerliche Zwecke eine Berichtigung der Vertragskonditionen stattfinden darf.

GEPRÜFTES WISSEN
Über 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 25.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition

    1. Allgemein: Grundsatz, dass einander - familiär oder durch gesellschaftsrechtliche Beziehungen - nahe stehende Personen sich bei der Gestaltung ihrer Geschäfte miteinander so zu verhalten haben, wie es Personen täten, die einander fremd sind („fremde Dritte“), und dass dann, wenn die vereinbarten Konditionen für ein Geschäft zwischen nahestehenden Personen diesem Maßstab nicht entsprechen, für steuerliche Zwecke eine Berichtigung der Vertragskonditionen stattfinden darf. Die Finanzverwaltung kann, wenn der Fremdvergleichsgrundsatz verletzt worden ist, das Geschäft so behandeln, als ob die Konditionen denen zwischen fremden Dritten entsprochen hätten.

    2. Wichtige Anwendungsbereiche: a) bei der Gestaltung der Verrechnungspreise bei grenzüberschreitenden Geschäften (Dealing-at-Arm's-Length-Grundsatz).

    b) Bei der Überprüfung von geschäftlichen Beziehungen einer Kapitalgesellschaft mit ihren Anteilseignern und den diesen nahe stehenden Personen spielt der Fremdvergleichsgrundsatz ebenfalls eine Rolle, da sich z.B. das Vorliegen einer verdeckten Gewinnausschüttung danach richtet, ob ein ordentlicher Geschäftsführer der Kapitalgesellschaft einem Geschäft wie dem vorliegenden auch zugestimmt hätte, wenn der Vertragspartner nicht ein Gesellschafter (oder eine ihm nahe stehende Person), sondern ein fremder Dritter gewesen wäre.

    c) Früher spielte der Fremdvergleichsgrundsatz außerdem auch eine Rolle im Rahmen der Regelungen zur Gesellschafter-Fremdfinanzierung; dieser Aspekt ist jedoch durch die Einführung der Zinsschranke obsolet.

    3. Folgen einer Verletzung des Fremdvergleichsgrundsatzes: Ist der Fremdvergleichsgrundsatz verletzt und hat deswegen ein Unternehmen weniger Gewinn gemacht, als es dies bei einem Geschäftsabschluss unter normalen Bedingungen hätte tun können, sieht das Gesetz vor, dass die Gewinnermittlung des Unternehmens steuerlich so berichtigt wird, als hätte es das Geschäft zu fremdüblichen Konditionen abgeschlossen. Dabei werden mehrere Instrumente genutzt: a) Einordnung des Vorgangs, falls möglich, als verdeckte Gewinnausschüttung oder verdeckte Einlage, b) erst nachrangig: Nutzung der speziell für Auslandsfälle entwickelten Korrekturmöglichkeiten für Verrechnungspreise nach § 1 Außensteuergesetz.

    zuletzt besuchte Definitionen...

      Mindmap Fremdvergleichsgrundsatz Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/fremdvergleichsgrundsatz-34249 node34249 Fremdvergleichsgrundsatz node47193 verdeckte Einlage node34249->node47193 node27066 Dealing-at-Arm's-Length-Grundsatz node34249->node27066 node47241 verdeckte Gewinnausschüttung node34249->node47241 node51524 Zinsschranke node34249->node51524 node33833 Einkünfte node51926 Wiederverkaufspreismethode node48146 Verrechnungspreis node51926->node48146 node42146 Schiedsabkommen node42146->node34249 node42146->node48146 node46701 Preis node50590 Wirtschaftsgut node36257 Einlagen node38991 Kapitalgesellschaften node47193->node50590 node47193->node36257 node47193->node38991 node34718 Einkommen node47193->node34718 node36673 Einkommensteuer node27066->node48146 node47241->node33833 node47241->node36673 node47241->node34718 node36515 Gesellschafterdarlehen node47241->node36515 node51650 Regelungen zur Zinsschranke node51639 Konzern-Klausel node51629 Zinsvortrag node51524->node51650 node51524->node51639 node51524->node51629 node51524->node36515 node48146->node34249 node48146->node46701 node51925 Kostenaufschlagsmethode node51925->node48146
      Mindmap Fremdvergleichsgrundsatz Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/fremdvergleichsgrundsatz-34249 node34249 Fremdvergleichsgrundsatz node27066 Dealing-at-Arm's-Length-Grundsatz node34249->node27066 node51524 Zinsschranke node34249->node51524 node47241 verdeckte Gewinnausschüttung node34249->node47241 node47193 verdeckte Einlage node34249->node47193 node48146 Verrechnungspreis node34249->node48146

      News SpringerProfessional.de

      • Exportentwicklung Werkzeugmaschinen

        Ein aktueller Quest Report verbindet Exportmärkte und Durchschnittswerte von Werkzeugmaschinen in Euro und die Wirkung auf die Exporte nach China seit 2008. Steigende Durchschnittswerte von Werkzeugmaschinen gehen demnach mit rückläufigen Exporten nach China einher.

      • Banken genießen großes Vertrauen ihrer Kunden

        72 Prozent der Bankkunden in Deutschland gehen davon aus, dass Kreditinstitute mit ihren persönlichen Daten sorgsam umgehen. Keine andere Branche genießt einer aktuellen Umfrage zufolge höheres Vertrauen.

      • Neue Aufgaben für die Zentrale der Zukunft

        Unternehmen müssen agil und innovativ sein. Das althergebrachte Headquarter, von dem aus alles zentral gesteuert werden soll, scheint dazu nicht passen zu wollen. Muss die Unternehmenszentrale neu erfunden werden? 

      • So geht erfolgreiches Lead Nurturing im B2B-Segment

        Wenn nicht nur Leads, sondern in Folge auch Käufer generiert werden, ist von Lead Nurturing die Rede. Im B2B-Bereich müssen E-Mail-Marketer dafür besonders strategische sowie kontinuierliche Beziehungsarbeit leisten.

      • Globales E-Invoicing ist Herausforderung für Unternehmen

        Unternehmen sind aufgrund staatlicher Vorgaben zunehmend dazu verpflichtet, ihre Rechnungen elektronisch zu erstellen. Doch in jedem Land gelten andere rechtliche Regelungen. Entsprechend komplex gestalten sich die Prozesse. Erster Teil des Gastbeitrags.

      • Auf dem Rechtsweg ins Verderben

        Wer seinen Markt als Eigentum betrachtet und Neueinsteiger juristisch bekämpfen will, kann nur verlieren, meint Springer-Autor und Zukunftsmanager Heino Hilbig. Denn die Klage eines Taxifahrers gegen Moia wird neue Verkehrskonzepte nicht verhindern. 

      • Mit Location Based Marketing auf Neukundenfang

        Deutsche Marketing-Manager sehen in standortbasierter Werbung die Brücke, um Konsumenten online wie offline anzusprechen. Vor allem für die Neukundengewinnung setzen sie auf das Marketinginstrument.

      • Wie der Arbeitsplatz von morgen aussehen wird

        Während der Industrialisierung wanderte die Arbeit aus dem Haushalt in die Fabrik. Heute klopft sie wieder an die Haustür. Die Möglichkeit zu mehr zeitlicher und örtlicher Flexibilität, beispielsweise zur Arbeit im Homeoffice, macht vor keiner Branche mehr halt.

      • Java und JavaScript sind die beliebtesten Programmiersprachen

        Die meisten Softwareingenieure setzen auf Java und JavaScript, wenn es um die Entwicklung von Unternehmensanwendungen geht. Die angeblichen "In"-Programmiersprachen Python & Co. liegen in der Beliebtheitsskala teils weit abgeschlagen hinter den Klassikern.

      • Diese digitalen Marken sind top

        Digitale Dienste dominieren immer stärker die Markenwelt. In den Top 25 der relevantesten Marken Deutschlands machen sich analoge Marken eher rar.

      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Dr. Norbert Dautzenberg
      Jade Hochschule
      Wilhelmshaven/Oldenburg/Elsfleth/,
      Standort Wilhelmshaven
      Verwalter einer Professur für Betriebswirtschaftliche Steuerlehre

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

      Springer Professional - Die Flatrate für Fachzeitschriften und Bücher
      Konzernverrechnungspreise sind zu einem der wichtigsten Steuerthemen international agierender Unternehmensgruppen geworden. Einerseits hat die bis in den Mittelstand hineinreichende Entwicklung zu internationaler, wenn nicht globaler, Unternehmenstät
      Die Gemeinsamkeit aller zuvor simulierten, steuerinduzierten Lenkpreise ist die grundlegende Einhaltung der steuerrechtlichen Anforderungen, indem sie dem Fremdvergleichsgrundsatz der OECD nicht widersprechen. Daneben kombinieren diese mit …
      Die Wertschöpfung ist in mehrfacher Hinsicht Gegenstand der Betriebswirtschaftlichen Steuerlehre. Zum einen dient sie unmittelbar oder mittelbar als Bemessungsgrundlage der Besteuerung. Zum anderen wird sie zunehmend als Verteilungsmaßstab in der …

      Sachgebiete