Direkt zum Inhalt

Handlungsvollmacht

Definition

Die Handlungsvollmacht deckt alle Geschäfts- und Rechtshandlungen, die der Betrieb des Handelsgewerbes oder die Vornahme derartiger Geschäfte gewöhnlich mit sich bringt.

GEPRÜFTES WISSEN
Über 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 25.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition

    Inhaltsverzeichnis

    1. Begriff
    2. Arten/Umfang
    3. Entstehung/Löschung
    4. Rechtliche Wirkungen

    Begriff

    Die nicht als Prokura in einem Handelsgewerbe dem Handlungsbevollmächtigten erteilte Vollmacht (§§ 54–58 HGB).

    Arten/Umfang

    1. Gesetzlicher Umfang der Handlungsvollmacht (§ 54 HGB): Die Handlungsvollmacht deckt alle Geschäfts- und Rechtshandlungen, die der Betrieb des Handelsgewerbes oder die Vornahme derartiger Geschäfte gewöhnlich mit sich bringt. Die Handlungsvollmacht ermächtigt dagegen nicht zur Veräußerung und Belastung von Grundstücken, Eingehung von Wechselverbindlichkeiten, Aufnahme von Darlehen oder zur Prozessführung (§ 54 II HGB). Hierfür ist eine bes. Vollmacht erforderlich.

    2. Arten:
    (1) Generalvollmacht für den Betrieb im ganzen (z.B. Geschäftsleiter),
    (2) Art- bzw. Teilvollmacht für bestimmte Arten von Geschäften (z.B. für Einkäufer, Verkäufer, Kassierer) oder
    (3) Einzel- bzw. Spezialvollmacht für einzelne Geschäfte.

    3. Beschränkungen der Handlungsvollmacht sind beliebig möglich (anders Prokura), gegen Dritte aber ist Beschränkung nur insoweit wirksam, als sie die Beschränkungen kannten oder kennen mussten (§ 54 III HGB). Es genügt, dass Beschränkung gehörig bekannt gemacht ist, z.B. durch auffällige Vermerke auf dem Bestellschein.

    4. Die Handlungsvollmacht kann in der Weise erteilt werden, dass mehrere zusammen handeln müssen (Gesamthandlungsvollmacht).

    5. Einen gesetzlich bestimmten Umfang hat auch die Handlungsvollmacht des Handlungsreisenden und des Ladenangestellten.

    Entstehung/Löschung

    1. Handlungsvollmacht kann im Gegensatz zur Prokura auch von einem Prokuristen, einem Testamentsvollstrecker oder Nachlassverwalter oder einem anderen Handlungsbevollmächtigten erteilt werden. Eintragung in das Handelsregister findet nicht statt.

    2. Die Erteilung der Handlungsvollmacht ist grundsätzlich ein einseitiges, empfangsbedürftiges Rechtsgeschäft, aber auch durch Vertrag möglich. Die Erklärung kann gegenüber dem zu Bevollmächtigenden, dem Dritten, dem gegenüber die Vertretung stattfinden soll, wie auch durch öffentliche Bekanntmachung erfolgen. Im ersten Fall wird meist dem Handlungsbevollmächtigten eine Vollmachtsurkunde ausgehändigt; die Handlungsvollmacht wirkt dann gegenüber Dritten mit deren Kenntnisnahme.

    3. Die Handlungsvollmacht erlischt
    (1) mit Erreichen des mit ihr verbundenen Zweckes,
    (2) mit Zeitablauf,
    (3) mit Widerruf (ist Unwiderruflichkeit vereinbart, aber nur bei Vorliegen eines wichtigen Grundes),
    (4) durch Kündigung des zugrunde liegenden Dienst- oder Auftragsverhältnisses,
    (5) durch Eintritt der Geschäftsunfähigkeit des Bevollmächtigten (nicht aber des Vollmachtgebers),
    (6) durch Eröffnung des Insolventverfahrens über das Vermögen des Vollmachtgebers (§ 115, 116 InsO).

    4. Zum Schutz des guten Glaubens Dritter kann die erloschene Handlungsvollmacht aber wie eine sonstige Vollmacht fortwirken. Auch ohne Bevollmächtigung kann der Unternehmer bei der Schein-Handlungsvollmacht haften.

    Rechtliche Wirkungen

    Stellvertretung.

    zuletzt besuchte Definitionen...

      Mindmap Handlungsvollmacht Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/handlungsvollmacht-36831 node36831 Handlungsvollmacht node34132 Handlungsreisender node36831->node34132 node32832 Gesamthandlungsvollmacht node36831->node32832 node49985 Vollmacht node36831->node49985 node45796 Prokura node36831->node45796 node36350 Handlungsbevollmächtigter node36831->node36350 node27400 Amtsgericht node34580 Handlungsgehilfe node34132->node34580 node34132->node49985 node36101 Handelsvertreter node34132->node36101 node32042 Gesamtprokura node32832->node32042 node32832->node45796 node32832->node36350 node47082 Vertretung ohne Vertretungsmacht node47082->node49985 node34870 Generalvollmacht node34870->node49985 node44073 Rechtsgeschäfte node49985->node27400 node49985->node44073 node37297 Negativwirkung node45796->node37297 node32553 Handelsregister node45796->node32553 node28185 Bevollmächtigter node28185->node36350 node48168 Zeichnung node36350->node45796 node36350->node48168 node44553 Prokurist node44553->node45796 node48768 Vertretung node48768->node45796 node36101->node36831
      Mindmap Handlungsvollmacht Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/handlungsvollmacht-36831 node36831 Handlungsvollmacht node45796 Prokura node36831->node45796 node36350 Handlungsbevollmächtigter node36831->node36350 node49985 Vollmacht node36831->node49985 node32832 Gesamthandlungsvollmacht node36831->node32832 node34132 Handlungsreisender node36831->node34132

      News SpringerProfessional.de

      • Exportentwicklung Werkzeugmaschinen

        Ein aktueller Quest Report verbindet Exportmärkte und Durchschnittswerte von Werkzeugmaschinen in Euro und die Wirkung auf die Exporte nach China seit 2008. Steigende Durchschnittswerte von Werkzeugmaschinen gehen demnach mit rückläufigen Exporten nach China einher.

      • Banken genießen großes Vertrauen ihrer Kunden

        72 Prozent der Bankkunden in Deutschland gehen davon aus, dass Kreditinstitute mit ihren persönlichen Daten sorgsam umgehen. Keine andere Branche genießt einer aktuellen Umfrage zufolge höheres Vertrauen.

      • Neue Aufgaben für die Zentrale der Zukunft

        Unternehmen müssen agil und innovativ sein. Das althergebrachte Headquarter, von dem aus alles zentral gesteuert werden soll, scheint dazu nicht passen zu wollen. Muss die Unternehmenszentrale neu erfunden werden? 

      • So geht erfolgreiches Lead Nurturing im B2B-Segment

        Wenn nicht nur Leads, sondern in Folge auch Käufer generiert werden, ist von Lead Nurturing die Rede. Im B2B-Bereich müssen E-Mail-Marketer dafür besonders strategische sowie kontinuierliche Beziehungsarbeit leisten.

      • Globales E-Invoicing ist Herausforderung für Unternehmen

        Unternehmen sind aufgrund staatlicher Vorgaben zunehmend dazu verpflichtet, ihre Rechnungen elektronisch zu erstellen. Doch in jedem Land gelten andere rechtliche Regelungen. Entsprechend komplex gestalten sich die Prozesse. Erster Teil des Gastbeitrags.

      • Auf dem Rechtsweg ins Verderben

        Wer seinen Markt als Eigentum betrachtet und Neueinsteiger juristisch bekämpfen will, kann nur verlieren, meint Springer-Autor und Zukunftsmanager Heino Hilbig. Denn die Klage eines Taxifahrers gegen Moia wird neue Verkehrskonzepte nicht verhindern. 

      • Mit Location Based Marketing auf Neukundenfang

        Deutsche Marketing-Manager sehen in standortbasierter Werbung die Brücke, um Konsumenten online wie offline anzusprechen. Vor allem für die Neukundengewinnung setzen sie auf das Marketinginstrument.

      • Wie der Arbeitsplatz von morgen aussehen wird

        Während der Industrialisierung wanderte die Arbeit aus dem Haushalt in die Fabrik. Heute klopft sie wieder an die Haustür. Die Möglichkeit zu mehr zeitlicher und örtlicher Flexibilität, beispielsweise zur Arbeit im Homeoffice, macht vor keiner Branche mehr halt.

      • Java und JavaScript sind die beliebtesten Programmiersprachen

        Die meisten Softwareingenieure setzen auf Java und JavaScript, wenn es um die Entwicklung von Unternehmensanwendungen geht. Die angeblichen "In"-Programmiersprachen Python & Co. liegen in der Beliebtheitsskala teils weit abgeschlagen hinter den Klassikern.

      • Diese digitalen Marken sind top

        Digitale Dienste dominieren immer stärker die Markenwelt. In den Top 25 der relevantesten Marken Deutschlands machen sich analoge Marken eher rar.

      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Dr. Dr. Jörg Berwanger
      STEAG New Energies GmbH, Saarbrücken
      Commercial Project Manager

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

      Springer Professional - Die Flatrate für Fachzeitschriften und Bücher
      Schlampig betreibt einen Antiquitätenladen und beschließt, den Studenten Braun als Porkuristen einzusetzen. Er schreibt an Braun: “Hiermit setze ich Sie als Prokurist meiner Firma “Antiquitäten-Schlampig” ein.” Als Braun einen wertvollen …

      Sachgebiete