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Nudging

Definition

Beim Nudging (engl. "Anstoßen", "Schubsen" oder "Stupsen") bewegt man jemanden auf mehr oder weniger subtile Weise dazu, etwas Bestimmtes einmalig oder dauerhaft zu tun oder zu lassen. Dabei können Voreinstellungen und Standards (Defaults) ebenso zum Einsatz kommen wie Produktinformationen und Warenpräsentationen. Angestrebt werden die Verhaltensänderungen der Personen und Gruppen etwa von Unternehmen oder vom Staat.

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Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

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    Ausführliche Definition

    Inhaltsverzeichnis

    1. Allgemein
    2. Beispiele
    3. Kritik und Ausblick

    Allgemein

    Beim Nudging (engl. "Anstoßen", "Schubsen" oder "Stupsen") bewegt man jemanden auf mehr oder weniger subtile Weise dazu, etwas Bestimmtes einmalig oder dauerhaft zu tun oder zu lassen. Dabei können Voreinstellungen und Standards (Defaults) ebenso zum Einsatz kommen wie Produktinformationen und Warenpräsentationen. Angestrebt werden die Verhaltensänderungen der Personen und Gruppen etwa von Unternehmen oder vom Staat. Geprägt wurde der Begriff durch das Buch "Nudge: Wie man kluge Entscheidungen anstößt" des Wirtschaftswissenschaftlers Richard Thaler und des Rechtswissenschaftlers Cass Sunstein.

    Beispiele

    Für die beiden Autoren handelt es sich um Nudging, wenn eine Fliege in einem Urinal abgebildet ist und die Männer beim Urinieren auf sie zielen, oder wenn Gesundes in einem Buffet in einer Kantine in Griffnähe ist, Süßes dagegen nicht. Nach ihrer Meinung sollte die Organspende der Normalfall sein, und wer bei seiner Person dagegen ist, muss dies schriftlich festlegen. Privacy by Default, wie es die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) vorsieht, mag ebenfalls zu den Nudges gezählt werden. Ein Label für vegane und vegetarische Produkte oder eine Energieetikette liefern Informationen, die dem Konsumenten aufgeklärte, "kluge" Entscheidungen ermöglichen. Eine immer größere Rolle beim Nudging spielen Scoring, Gamification und Künstliche Intelligenz.

    Kritik und Ausblick

    In moralischer Hinsicht gilt für Thaler und Sunstein, dass Nudges transparent sein müssen, man sich in einfacher Weise gegen sie entscheiden können und die Verhaltensänderung der Gesellschaft dienen sollte. In diesen Punkten kann aus Wirtschafts-, Politik- und Informationsethik heraus freilich Kritik geäußert werden, etwa mit Blick auf eine unternehmerische oder staatliche Bevormundung von Kunden und Konsumenten (Konsumentenethik), Bürgern und Benutzern bzw. die Unterordnung individueller unter gesellschaftliche Interessen. Manche Nudges führen u.U. nicht nur zu einer Verhaltens-, sondern auch zu einer Bewusstseinsänderung und einer Realitätsverschiebung. Wir lassen uns von sozialen Medien und Systemen der Künstlichen Intelligenz animieren und dirigieren, reagieren auf Lob und Tadel, akzeptieren Belohnungen und Geschenke, selbst wenn wir damit auf andere Druck ausüben und zu Gleichschaltung und Überwachung beitragen.

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