Direkt zum Inhalt

Senioritätsentlohnung

Definition

Zu Beginn seiner Beschäftigung erhält ein Arbeitnehmer weniger, gegen Ende des Beschäftigungsverhältnisses hingegen mehr Lohn als es seiner tatsächlichen Arbeitsleistung entspricht. Damit stellt der Unternehmer sicher, dass der Arbeitnehmer sich so verhalten wird, dass er nicht wegen Minderleistung entlassen wird. Gleichzeitig wird der Arbeitnehmer vermeiden, selbst zu kündigen. Denn in beiden Fällen würde er dem Unternehmen den Lohn für bereits geleistete Arbeit schenken.

GEPRÜFTES WISSEN
Über 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 25.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition

    1. Begriff: eine für den Unternehmer kostengünstigere Alternative zur Zahlung von Effizienzlöhnen (vgl. Arbeitsmarkttheorien). Der Arbeitnehmer erhält zu Beginn seiner Betriebszugehörigkeit einen Lohnsatz unterhalb seines Wertgrenzproduktes; mit zunehmender Dauer nimmt der Lohnsatz jedoch stärker zu als das Wertgrenzprodukt und übersteigt es schließlich für den Zeitraum bis zum Ende des Erwerbsprozesses. Auf das gesamte Erwerbsleben bezogen gleichen sich Einkommen und Produktivität aus, d.h., dass sich die auf den Einstellungszeitpunkt abdiskontierten und über die Dauer des Beschäftigungsverhältnisses aufsummierten Lohnsätze und Produktivitäten exakt entsprechen (vgl. Abbildung „Senioritätsentlohnung - Alters-Einkommens-Profil und Wertgrenzproduktivität “). Diese Art der Entlohnung war u.a. im öffentlichen Dienst zahlreicher Länder lange Zeit von erheblicher Bedeutung.

    2. Folgen: Der Gegenwartswert aller Lohnzahlungen kann durchaus dem markträumenden Niveau entsprechen. Aufgrund dieser speziellen Konstruktion der Entlohnung im Zeitverlauf ergibt sich für den Arbeitnehmer ein Anreiz, seine Leistungsintensität mit zunehmender Dauer der Betriebszugehörigkeit nicht absinken zu lassen bzw. seine Fluktuationsneigung einzuschränken. Er würde im Fall seines Ausscheidens vor Erreichen der Altersgrenze zu jedem Zeitpunkt dem Unternehmer einen Teil des bereits erworbenen, aber noch nicht ausgezahlten Einkommensanspruchs schenken. Hier erfährt das Senioritätsprinzip seine rationale Begründung auf der Arbeitsangebotsseite: Mit zunehmender Betriebszugehörigkeitsdauer steigt der bei einem Wechsel zu einem anderen Unternehmen in Kauf zu nehmende Einkommensverlust, da der Arbeitnehmer in dem neuen Beschäftigungsverhältnis wiederum nur den niedrigeren Einstiegslohn erhält. Dies sichert die Leistungsabgabe, erhöht die Betriebstreue und verringert die Kündigungswahrscheinlichkeit der Arbeitnehmer. Probleme können auf beiden Seiten entstehen: Der Arbeitnehmer kann versuchen, seine Leistungsintensität einzuschränken (shirking), oder der Unternehmer kann Entlassungen vornehmen, um die Realisierung erworbener Einkommensansprüche des Arbeitnehmers zu verhindern. Mit der Wahrscheinlichkeit ihres Aufdeckens und resultierender Reputationsverluste mit entsprechenden Konsequenzen sinkt jedoch die Gefahr dieses opportunistischen Verhaltens.     

    zuletzt besuchte Definitionen...

      Mindmap Senioritätsentlohnung Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/senioritaetsentlohnung-46805 node46805 Senioritätsentlohnung node43756 Senioritätsprinzip node46805->node43756 node31119 Arbeitsmarkttheorien node46805->node31119 node48041 Wertgrenzprodukt node46805->node48041 node43869 Oligopol node42910 Prinzipal-Agent-Theorie node49007 Tournamententlohnung node49007->node46805 node49007->node42910 node49007->node31119 node41628 Moral Hazard node49007->node41628 node30676 Alters-Einkommens-Profil node30676->node46805 node30676->node31119 node51299 Fringe Benefits node50206 Umweltzertifikat node43756->node51299 node43756->node50206 node43756->node31119 node38487 Monopol node44554 Polypol node40629 Mengenanpassung node48041->node43869 node48041->node38487 node48041->node44554 node48041->node40629 node29310 Arbeitsmarktsegmentationstheorien node29310->node31119 node29306 Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen node29306->node31119 node36708 dreigeteilter Arbeitsmarkt node36708->node31119 node37240 Mindestlohn node37240->node31119
      Mindmap Senioritätsentlohnung Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/senioritaetsentlohnung-46805 node46805 Senioritätsentlohnung node31119 Arbeitsmarkttheorien node46805->node31119 node48041 Wertgrenzprodukt node46805->node48041 node43756 Senioritätsprinzip node46805->node43756 node30676 Alters-Einkommens-Profil node30676->node46805 node49007 Tournamententlohnung node49007->node46805

      News SpringerProfessional.de

      • Digitalisierung in Deutschland stagniert

        Nur langsam geht es für die deutsche Wirtschaft bei der Digitalisierung voran, zeigt der Monitoring Report Digital. Die Kernergebnisse: die Wirtschaft stagniert, digitale Vorreiter fehlen und alle warten auf den Breitbandausbau.

      • Forschungsagenda 2030 für die produzierende Industrie

        Die strategische Forschungsagenda der Initiative "manufuture-DE" hat aktuelle und zukünftig relevante Forschungsbedarfe deutscher Industrieunternehmen aus dem Bereich der Produktionstechnik bis zum Jahr 2030 formuliert und priorisiert.

      • "Unternehmen tragen Verantwortung für Konsumenten"

        Wer in der digitalen Welt nicht untergehen will, muss sich einige Kompetenzen aneigen. Sonst frisst die Digitalisierung ihre User, warnen Anabel Ternès und Hans-Peter Hagemes im Gespräch mit Springer Professional. Insbesondere Unternehmen sollten sich ihrer Verantwortung bewusst sein.

      • Digitalisierung schafft Chancen für weibliche Führungskräfte

        Mittlerweile erfüllen zwar die Aufsichtsräte der Dax-30-Unternehmen im Durchschnitt die gesetzliche Frauenquote. Aber gerade in Führungspositionen im operativen Geschäft sind Frauen, auch in der Finanzbranche, immer noch rar gesät. Und das sieht nur in einem Fachbereich besser aus.

      • Verantwortungsvolle Chefs haben mehr Stress

        Ein Chef, der sich seiner Verantwortung im Job bewusst ist, führt ein stressbelastetes Dasein. Zumindest, wenn er sich in einer gehobenen Machtposition befindet. Das haben Wissenschafter herausgefunden.

      • Dax-Vorstände verdienen noch mehr

        Wenn etwas die Gemüter erhitzt, dann sind es immer wieder die exorbitanten Bezüge von Vorständen und Aufsichtsräten von Unternehmen. Eine aktuelle Studie gibt der Diskussion neue Nahrung. Demnach bekommen die CEOs von der Post, Heidelberg Cement, Adidas und Daimler unglaubliche Summen. 

      • Enterprise Social Networks fördern Innovationen

        Der digitale Reifegrad deutschsprachiger Unternehmen verbessert sich zusehends. In allen Bereichen haben digitale Prozesse mittlerweile die analogen Formen der Zusammenarbeit überholt. Doch es gibt noch viel zu tun.

      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Privatdozent Dr. rer. soc. Fred Henneberger
      Universität St. Gallen (HSG)
      Dozent für Volkswirtschaftslehre
      Prof. Dr. Berndt Keller
      Universität Konstanz,
      FB Politik-/Verwaltungswissenschaft
      - Arbeits- und Sozialpolitik -
      Professor

      Zeitschriften

      Lazear, E. P.: Agency, Earnings Profiles, Productivity, and Hours Restrictions
      Vol. 71, 1981, S. in: American Economic Review, pp. 606-620

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

      Springer Professional - Die Flatrate für Fachzeitschriften und Bücher
      Das Kapitel bietet eine Einführung in die wichtigsten Theorien des Arbeitsmarktes. Zunächst stellen die Autoren in der ökonomischen Diskussion verbreitete Konzepte dar, die das klassische Marktmodell ergänzen: Konkurrenz, Information und …
      Im Fokus des Kapitels liegen die politischen, ökonomischen und gesamtgesellschaftlichen Wechselwirkungen zwischen Bevölkerungsentwicklung und Arbeitsmarkt. Zunächst geben die Autoren einen Überblick über demografische Entwicklungen in Deutschland …
      In diesem Kapitel wird gezeigt, inwieweit Unterbrechungen der Erwerbsarbeit für Humankapitaldefizite und somit auch für die Einkommensdifferenzen zwischen Männern und Frauen verantwortlich gemacht werden können. Darüber hinaus wird hier, anhand …

      Sachgebiete