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Filtertheorie

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Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

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    Ausführliche Definition

    Screeningtheorie. Die Filtertheorie ist eng verwandt mit der Job-Market-Signaling-Theorie. Sie geht – wie auch das Konzept der statistischen Diskriminierung (Diskriminierungstheorien) – von der Annahme aus, dass der Arbeitgeber a priori nur unvollständige Informationen über das Produktivitätspotenzial der einzelnen sich bei ihm bewerbenden bzw. vorstellenden Arbeitskräfte besitzt (asymmetrische Information zwischen (Arbeits)Nachfrager und (Arbeits-)Anbieter). Die Arbeitgeber benutzen deshalb Bildungsabschlüsse bzw. Zertifikate als Indikatoren für die berufliche Leistungsfähigkeit der Stellenbewerber, mit deren Hilfe sie die produktivsten Kandidaten eruieren bzw. herausfiltern. Dieses Screening kann z.B. ergänzt werden durch eine Auswahl in einem Assessment-Center. Der Arbeitsuchende kann hierbei eindeutige Signale senden, die von keinem schlechteren Mitbewerber imitiert werden können (Signaling). Beim Signaling geht es darum, dass der Arbeitsuchende (Agent) spezielle wertvolle Merkmale erwirbt, welche relevante Informationen über seine Fähigkeiten, in Form von Zertifikaten (Signale), an den Arbeitgeber (Prinzipal) senden (Prinzipal-Agent-Theorie). Der Arbeitgeber kann mit den Informationen, die er aus den Signalen gewinnt, den Arbeitssuchenden auswählen, der seinen Bedürfnissen am nächsten kommt (Selektion). Ein Beispiel für Signale sind Bildungsabschlüsse an verschiedenen Universitäten, mit denen Arbeitsuchende Fähigkeiten wie Intelligenz, Durchhaltevermögen, Kompetenzen oder spezielle Fachkenntnisse signalisieren.

    Die Arbeitgeber zahlen denjenigen Bewerbern höhere Löhne, die über höhere Bildungsabschlüsse und gegebenenfalls bessere Signale verfügen. Arbeitgeber wissen, dass in dieser Gruppe der Anteil von Individuen mit hohen (angeborenen) Fähigkeiten größer ist. Außerdem verursacht es geringere Kosten, in deren Aus- und Weiterbildung zu investieren. Dieser Zusammenhang wird sich im gesamten Berufsleben zeigen.

    Im Unterschied zu den Humankapitaltheorien (Arbeitsmarkttheorien) hat das Bildungswesen v.a. oder sogar ausschließlich die Aufgabe, die Arbeitskräfte entsprechend ihrer potenziellen, nicht beobachtbaren Produktivität zu sortieren (Sorting), ohne diese jedoch per se und zwingend zu erhöhen. Es ist nicht notwendig, dass diese Bildungsabschlüsse einen Wert abseits des Signals haben, also einen Einfluss auf Intelligenz oder Fachkenntnisse ausüben. Zertifikate und Bildungsabschlüsse erfüllen für die Arbeitgeber die Aufgabe eines Informationsmediums und signalisieren die erwartete zukünftige, antizipierte Produktivität der Stellenbewerber.

    Dadurch wird der Zusammenhang von Bildung und Einkommen stärker als bei der Humankapitaltheorie auf das Anfangseinkommen projiziert.

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      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Privatdozent Dr. rer. soc. Fred Henneberger
      Universität St. Gallen (HSG)
      Dozent für Volkswirtschaftslehre
      Prof. Dr. Berndt Keller
      Universität Konstanz,
      FB Politik-/Verwaltungswissenschaft
      - Arbeits- und Sozialpolitik -
      Professor
      Prof. Dr. Josef Schmid
      Universität Tübingen, Institut für Politikwissenschaft
      hauptamtlicher Dekan der WiSo-Fakultät
      Dr. Johannes Klenk
      Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften,
      Universität Hohenheim
      Forschungsmanager

      Zeitschriften

      Spence, A. M.: Job Market Signaling
      Vol. 87, No. 3, 1973, S. in: Quarterly Journal of Economics, pp. 355-374.
      Arrow, K. J.: Higher Education as a Filter
      Vol. 2, 1973, S. in: Journal of Public Economics, pp. 193-216
      Spence, A. M.: Signaling in Retrospect and the Informational Structure of Markets
      Vol. 92, No. 3, 2002, S. in: American Economic Review, pp. 434-459

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

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