Direkt zum Inhalt

Adverse Selection

Definition

Ausprägung von Marktversagen, welche aus der Informationsasymmetrie zwischen Vertragspartnern vor Vertragsabschluss resultiert. Anbieter hoher Qualität ziehen sich teilweise oder vollständig aus dem Markt zurück.

GEPRÜFTES WISSEN
Über 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 25.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition

    adverse Selektion, Antiselektion, Negativauslese. 1. Begriff:  Adverse Selection bezeichnet eine Ausprägung von Marktversagen, welche aus der Informationsasymmetrie zwischen Vertragspartnern (Käufern und Verkäufern) vor Vertragsabschluss resultiert (Hidden Characteristics).

    2. Mechanismus: In dem auf Akerlof (1970) zurückgehenden Modell, das als Klassiker dieser Literatur gilt, wird am Beispiel des Marktes für Gebrauchtwagen illustriert, wie sich unvollständige Informationen der Nachfrager auswirken: Die Nachfrager können die Anbieter von gut erhaltenen Gebrauchtwagen nicht von den Anbietern schlecht erhaltener Gebrauchtwagen unterscheiden. Umgekehrt kennt jeder Anbieter genau die Qualität seines Autos. Ein Nachfrager geht deshalb von einer durchschnittlichen Qualität der Gebrauchtwagen aus. Die Anbieter von guten Gebrauchtwagen werden zur Deckung ihrer Opportunitätskosten (Nutzeneinbuße durch Verkauf des Autos) stets einen höheren Preis verlangen müssen als die Anbieter schlecht erhaltener Wagen. Da die Anbieter von schlecht erhaltenen Gebrauchtwagen jedoch wissen, dass die Nachfrager gute und schlechte Anbieter nicht unterscheiden können, besteht für sie ein Anreiz vorzugeben, ebenfalls Autos von hoher Qualität zu verkaufen und denselben Preis wie die Anbieter guter Autos zu fordern. Da dieser Preis jedoch u.U. über dem Preis liegen wird, den die Nachfrager für die von ihnen erwartete Durchschnittsqualität zu zahlen bereit sind, werden keine Transaktionen mit den Anbietern guter Autos zustande kommen, d.h. Anbieter höherer Qualität ziehen sich aus dem Markt zurück und es werden nur Gebrauchtwagen unterdurchschnittlicher Qualität angeboten. Dieses Marktversagen ist eine Folge der asymmetrischen Informationsverteilung: Wären die Nachfrager über die Qualität der Gebrauchtwagen vollständig informiert, würde jeder Gebrauchtwagen angeboten und einen Preis abhängig von seiner Qualität erzielen.
    Auf Versicherungsmärkten entsteht dieses Problem als Folge der Informationsasymmetrie zwischen Anbietern und Nachfragern von Versicherungen. Die Anbieter haben üblicherweise einen Informationsnachteil hinsichtlich wichtiger Merkmale der Nachfrager, welche die Eintrittswahrscheinlichkeiten von Versicherungsfällen betreffen.
    Adverse Selektion stellt eine mögliche Ursache für Marktversagen auf Arbeitsmärkten dar, bspw. als Folge der Informationsasymmetrie zwischen Arbeitgeber und Bewerber hinsichtlich der Qualifikation von Bewerbern.

    3. Typischerweise hat eine Marktseite ein Interesse an der Entwicklung von Marktmechanismen, welche den Informationsnachteil abbauen, wie die Anbieter gut erhaltener Gebrauchtwagen im Akerlof-Modell (z.B. durch die Gewährung von Qualitätsgarantien). Diese werden mit den Begriffen Signalling oder Screening zusammengefasst. Beim Signaling geht die Initiative vom gut informierten Partner aus (Werbung, Garantien, Zeugnisse oder Zertifikate im Bewerbungsprozess), beim Screening dagegen vom schlecht informierten Partner (Auswahlgespräche, Fragebögen).

    Vgl. auch Prinzipal-Agent-Theorie.

    zuletzt besuchte Definitionen...

      Mindmap Adverse Selection Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/adverse-selection-26952 node26952 Adverse Selection node41233 Informationsasymmetrie node26952->node41233 node42910 Prinzipal-Agent-Theorie node26952->node42910 node30849 Antiselektion node30849->node26952 node32277 Filterung node32277->node26952 node43090 Screening node32277->node43090 node29310 Arbeitsmarktsegmentationstheorien node31119 Arbeitsmarkttheorien node29310->node31119 node29306 Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen node29306->node31119 node36708 dreigeteilter Arbeitsmarkt node36708->node31119 node37240 Mindestlohn node37240->node31119 node31119->node26952 node47646 versteckte Eigenschaft node47646->node42910 node40528 Information node41233->node40528 node49007 Tournamententlohnung node49007->node42910 node36656 Hidden Action node36656->node42910 node31542 Agency-Theorie node42910->node31542 node52720 Organizational Burnout node52720->node41233 node53402 Internetbetrug node53402->node41233 node47594 versteckte Handlung node47594->node41233 node43090->node26952
      Mindmap Adverse Selection Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/adverse-selection-26952 node26952 Adverse Selection node41233 Informationsasymmetrie node26952->node41233 node42910 Prinzipal-Agent-Theorie node26952->node42910 node30849 Antiselektion node30849->node26952 node31119 Arbeitsmarkttheorien node31119->node26952 node32277 Filterung node32277->node26952

      News SpringerProfessional.de

      • Persönlichkeit und Motivation müssen stimmen

        Beim Besetzen vakanter Stellen achten Vertriebsleiter oft stärker auf die fachliche Qualifikation der Bewerber als auf deren Persönlichkeit und Motivation. Michael Schwartz, Leiter des Instituts für integrale Lebens- und Arbeitspraxis in Esslingen, erläutert, warum diese beiden Faktoren im Vertrieb so wichtig sind.

      • Neue Recruitingstrategien gegen den Fachkräftemangel

        Für den deutschen Mittelstand wird der Fachkräftemangel zum Geschäftsrisiko, zeigen Studien. Und die Situation soll sich noch verschärfen. Höchsten Zeit also, bei der Personalbeschaffung neue Weg zu gehen, so Gastautor Steffen Michel. 

      • Weniger IPO-Prospekt, dafür mehr Anlegerschutz

        Wer sich bislang per Börsengang Geld am Kapitalmarkt besorgen wollte, musste einen aufwendigen Prospekt erstellen. Eine Neuregelung sorgt jetzt bei kleineren IPOs (Initial Public Offering) für Abhilfe. Wie die Voraussetzungen aussehen, erklärt Rechtsanwalt Jörg Baumgartner in seinem Gastbeitrag.

      • Whatsapp startet Business-Offensive

        Im Servicefall können Verbraucher einige Unternehmen bereits über den Messenger-Dienst Whatsapp kontaktieren. Doch was passiert, wenn der Kundenservice Nachrichten initiativ versendet? Ein neues Business-Tool soll genau das ermöglichen.

      • Kundennutzenmodelle im B2B-Vertrieb von E-Marktplätzen

        Elektronische B2C-Marktplätze müssen ihre über Jahre errungene dominante Marktstellung in Gewinne umzumünzen, ohne ihre Marktstellung zu gefährden. Dazu gehört, Preise für langjährige Händler drastisch zu erhöhen. Kundennutzenmodelle spielen dabei eine wichtige Rolle.

      • "Belastete Geschäftsmodelle sind meistens nicht genug innoviert"

        Der ehemalige Roland-Berger-Krisenberater Thomas Knecht hat an der Spitze von Hellmann den Turnaround des weltweiten Logistikers geschafft. Branche und Wirtschaft fordert er zu mehr Wachsamkeit auf. Im Interview spricht er über Anpassungsfähigkeit und Insolvenzschutz.

      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Prof. Dr. Mathias Erlei
      TU Clausthal,
      Institut für Wirtschaftswissenschaft
      Universitätsprofessor
      Dr. Andreas Szczutkowski
      Universität Bielefeld, Fakultät Wirtschaftswissenschaften
      Wissenschaftlicher Assistent

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

      Sachgebiete