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Vegetarismus

Definition

Vegetarismus ist eine Ernährungsform, bei der auf den Verzehr von Tieren verzichtet wird. Dabei sind nicht nur Säuger, sondern auch z.B. Fische, Vögel und Insekten von Belang, zudem sämtliche Verarbeitungsformen, die etwa Speisefettsäuren, Speisegelatine, Rinder- oder Hühnerbrühe und tierisches Lab zum Ergebnis haben.

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Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

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    Ausführliche Definition

    Inhaltsverzeichnis

    1. Allgemein
    2. Hintergrund und Merkmale
    3. Gründe
    4. Kritik und Ausblick

    Allgemein

    Vegetarismus ist eine Ernährungsform, bei der auf den Verzehr von Tieren verzichtet wird. Dabei sind nicht nur Säuger, sondern auch z.B. Fische, Vögel und Insekten von Belang, zudem sämtliche Verarbeitungsformen, die etwa Speisefettsäuren, Speisegelatine, Rinder- oder Hühnerbrühe und tierisches Lab zum Ergebnis haben. Je nach Ausprägung des Vegetarismus sind Tierprodukte wie Eier und Milch erwünscht ("Ovo-Lakto-Vegetarismus") oder unerwünscht (beispielsweise Zurückweisung von Eiern wegen der Tötung männlicher Küken und von Milch wegen der Wegnahme der Kälber und der Schmerzen bei prallem Euter). Veganer lehnen sämtliche Produkte tierischen Ursprungs ab, nicht allein in der Ernährung. Frutarier (auch Fruktarier oder Fructarier genannt) essen Früchte, Nüsse und Samen, nicht die Pflanze selbst.

    Hintergrund und Merkmale

    In Indien, vor allem im Süden, hat der Vegetarismus eine lange Tradition. Im Mittelmeerraum stehen zahlreiche fleischfreie Gerichte auf dem Speiseplan. Vegetarismus gilt als die gesündeste Ernährungsform, neben derjenigen mit geringen Mengen von Fleisch oder Fisch. Die Industrie hat sowohl den Vegetarismus als auch den Veganismus entdeckt und bringt laufend einschlägige Lebensmittel und Kleidungsstücke auf den Markt. Zugleich sperrt sich die eine oder andere Lobby zusammen mit der Politik gegen eine konsequente Deklaration. So wird in der Schweiz bei verpacktem Käse i.d.R. nicht angegeben, ob er tierisches oder mikrobielles Lab enthält. Über die Filterung von Saft und Wein mit Gelatine muss in Deutschland nicht informiert werden. Vegetarische und vegane Weine werden meist als solche gekennzeichnet. Grundsätzlich sollen Labels und Listen für Sicherheit sorgen.

    Gründe

    Vegetarismus und Veganismus haben viele Ursachen. Es ist falsch, darin religiöse Bewegungen zu sehen. Vielmehr haben sich ein paar religiöse Bewegungen Vegetarismus oder Veganismus einverleibt, so wie die meisten von ihnen den (unterschiedlich ritualisierten) Fleischkonsum. Moralische, ökonomische und ökologische Begründungen werden häufig angeführt. Zudem gibt es den Ekelvegetarismus – man erkennt, dass auf dem Teller eine Tierleiche liegt, und hat dann eine Abwehrhaltung, ähnlich wie bei Menschenfleisch. In der Tierethik spielt die Leidensfähigkeit aller Lebewesen eine zentrale Rolle (Jeremy Bentham), zudem das Mitleid der Menschen (Arthur Schopenhauer). Tierrechtler setzen sich gegen Massentierhaltung oder Nutztierhaltung überhaupt, gegen Tierquälerei und -tötung ein.

    Kritik und Ausblick

    Fleischesser reagieren oft emotional auf Vegetarier und Veganer. Ein Grund dafür dürfte sein, dass sie ihre Lebensart in grundsätzlicher Weise hinterfragt sehen, ein anderer, dass Ernährungsgewohnheiten mit Geschlechterrollen verknüpft und z.B. männliche Fleischverächter abgelehnt werden. Mit Blick auf Umwelt- und Klimaschutz nimmt man Möglichkeiten wie Bevölkerungsbegrenzung, Einschränkung von Flug- und Autoverkehr und Abschaffung von Nutztierhaltung allenfalls zur Kenntnis, nicht aber in Angriff. Es ist umstritten, ob Fleischkonsum als Ideologie zu betrachten ist ("Karnismus") und sich die Menschheit hin zu einer vegetarischen oder veganen Ernährungsweise bewegen wird. Faktisch entwickeln im 21. Jahrhundert Schwellenländer wie China, Indien und Mexiko einen Heißhunger auf Fleisch. Vegetarismus und Veganismus liegen im Westen im Trend, fristen jedoch immer noch ein Nischendasein.

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