Direkt zum Inhalt

gerechte Einkommensverteilung

GEPRÜFTES WISSEN
Über 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 25.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition

    1. Begriff: Begriff der Verteilungspolitik und der Verteilungstheorie, bei dem es um die normative Frage nach einer gerechten Aufteilung des Einkommens geht.

    2. Merkmale: Eine Verteilungssituation, die allgemein als gerecht angesehen wird, ist kaum vorstellbar, da die Auffassung über die Gerechtigkeit von der Einkommensverteilung von subjektiven Werturteilen über die Gerechtigkeit an sich aber individuell v.a. auch von der Tatsache abhängt, ob eine Person über ein relativ hohes oder niedriges Einkommen verfügt. Dies gilt noch mehr, wenn eine gerechtere Einkommensverteilung durch staatliche Umverteilungsmaßnahmen hergestellt werden soll, da der Prozess der Umverteilung von Einkommen dazu führt, dass einigen Einkommensbeziehern Einkommen entzogen wird. Es kann allenfalls versucht werden, eine weitgehende gesellschaftliche Akzeptanz darüber zu erzielen, welches Ausmaß von Ungleichverteilung und welches Ausmaß von Umverteilung noch vertretbar sind. Diese gesellschaftliche Übereinkunft variiert je nach Zeitperiode und Länderkreis, wie ein Vergleich zwischen z.B. angelsächsischen und skandinavischen Ländern unmittelbar verdeutlicht.

    3. Maßnahmen und Probleme: Eine Verteilung des Einkommens lässt sich nach zwei extremen Kriterien denken:
    a) Leistungsprinzip: Nach J.B. Clark sollen die Produktionsfaktoren ein Einkommen in Höhe ihres Beitrages zum Produktionsergebnis erhalten (Grenzproduktivitätstheorie der Verteilung). Problem: Wenn Einkommen nur nach Leistung verteilt werden, würde ein Teil der Menschen ohne Einkommen bleiben bzw. ein Einkommen erzielen, dass ihr Existenzminimum nicht deckt.
    b) Bedarfsprinzip: Unter Gerechtigkeit wird „gleiche Wohlfahrt für alle Individuen” verstanden. Problem: Ein solches Konzept ist wegen der Probleme bei der Messung und dem Vergleich von Nutzen nur schwer zu operationalisieren. Zudem gehen negative Rückwirkungen auf den Prozess der Einkommensentstehung aus.
    c) Eine Einkommensverteilung, die aus einem dieser Prinzipien resultiert, würde wohl jeweils nicht als gerecht empfunden werden. Weder eine Verteilung, bei der alle den gleichen Anteil bzw. ein Einkommen nach ihrem Bedarf und das unabhängig von ihrer Leistung bekommen, noch eine Situation, in der diejenigen, die nichts leisten können (insbes. Junge, Alte, Kranke), überhaupt kein Einkommen erzielen, kann als eine gerechte Einkommensverteilung angesehen werden. Im Rahmen der staatlichen Distributionspolitik strebt die Politik daher eine (sekundäre) Einkommensverteilung an, die zu einer Verteilung führt, die zwischen dem Ergebnis eines reinen Leistungs- und eines reinen Bedarfsprinzip liegt. Problem: Ein zu weit gehender sozialer Ausgleich würde Leistungsanreize reduzieren und zu einem Rückgang des Gesamteinkommens führen. Ein zu geringer Ausgleich gefährdet andererseits den sozialen Zusammenhalt und führt zu gesellschaftlichen Spannungen. Es geht daher darum, die richtige Balance bei der Herstellung einer gerechten Einkommensverteilung zu finden.

    4. Bezugspunkte zu anderen Fachgebieten: In der Finanzwissenschaft findet man diese Problematik bei der finanzpolitischen Distributionsfunktion wieder: Es geht um die Beeinflussung der Einkommenserzielungsmöglichkeiten sowie um eine aktive Umverteilung (Redistribution) der Einkommen gemäß einer als gerecht angesehenen/politisch vorgegebenen Einkommensverteilung. Ähnliche Aspekte finden sich auch bei der Frage nach der gerechten Steuerhöhe und der gerechten Steuerverteilung (Steuergerechtigkeit).

    zuletzt besuchte Definitionen...

      Mindmap gerechte Einkommensverteilung Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/gerechte-einkommensverteilung-36150 node36150 gerechte Einkommensverteilung node41854 Nutzen node36150->node41854 node32748 Grenzproduktivitätstheorie der Verteilung node36150->node32748 node50671 Verteilungspolitik node36150->node50671 node45598 Produktionsfaktoren node36150->node45598 node50288 Verteilungstheorie node36150->node50288 node30819 Betrieb node30819->node45598 node38132 Nachfrageinterdependenz node38132->node41854 node43013 Preisbereitschaft node43013->node41854 node36899 Haushaltstheorie node41854->node36899 node30245 Arbeitsproduktivität node30245->node32748 node53846 Kapitaltheoretische Kontroverse node39794 Lohnquote node32748->node53846 node32748->node39794 node32748->node50288 node41584 Kalenderzeitanalyse node41584->node45598 node42040 Produktion node48087 Unternehmen node48087->node45598 node46352 primäre Einkommensverteilung node50671->node46352 node45598->node42040 node34730 Existenzminimum-Theorien des Lohns node34730->node50288 node41819 neoklassische Verteilungsmodelle node41819->node50288 node46841 personelle Einkommensverteilung node50288->node46841 node50554 Verteilungsziele node50554->node50671 node41174 Leistungsprinzip node41174->node50671 node38023 Lohnpolitik node38023->node50671 node41615 Lohngerechtigkeit node41615->node41854
      Mindmap gerechte Einkommensverteilung Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/gerechte-einkommensverteilung-36150 node36150 gerechte Einkommensverteilung node50671 Verteilungspolitik node36150->node50671 node50288 Verteilungstheorie node36150->node50288 node45598 Produktionsfaktoren node36150->node45598 node32748 Grenzproduktivitätstheorie der Verteilung node36150->node32748 node41854 Nutzen node36150->node41854

      News SpringerProfessional.de

      • Exportentwicklung Werkzeugmaschinen

        Ein aktueller Quest Report verbindet Exportmärkte und Durchschnittswerte von Werkzeugmaschinen in Euro und die Wirkung auf die Exporte nach China seit 2008. Steigende Durchschnittswerte von Werkzeugmaschinen gehen demnach mit rückläufigen Exporten nach China einher.

      • Banken genießen großes Vertrauen ihrer Kunden

        72 Prozent der Bankkunden in Deutschland gehen davon aus, dass Kreditinstitute mit ihren persönlichen Daten sorgsam umgehen. Keine andere Branche genießt einer aktuellen Umfrage zufolge höheres Vertrauen.

      • Neue Aufgaben für die Zentrale der Zukunft

        Unternehmen müssen agil und innovativ sein. Das althergebrachte Headquarter, von dem aus alles zentral gesteuert werden soll, scheint dazu nicht passen zu wollen. Muss die Unternehmenszentrale neu erfunden werden? 

      • So geht erfolgreiches Lead Nurturing im B2B-Segment

        Wenn nicht nur Leads, sondern in Folge auch Käufer generiert werden, ist von Lead Nurturing die Rede. Im B2B-Bereich müssen E-Mail-Marketer dafür besonders strategische sowie kontinuierliche Beziehungsarbeit leisten.

      • Globales E-Invoicing ist Herausforderung für Unternehmen

        Unternehmen sind aufgrund staatlicher Vorgaben zunehmend dazu verpflichtet, ihre Rechnungen elektronisch zu erstellen. Doch in jedem Land gelten andere rechtliche Regelungen. Entsprechend komplex gestalten sich die Prozesse. Erster Teil des Gastbeitrags.

      • Auf dem Rechtsweg ins Verderben

        Wer seinen Markt als Eigentum betrachtet und Neueinsteiger juristisch bekämpfen will, kann nur verlieren, meint Springer-Autor und Zukunftsmanager Heino Hilbig. Denn die Klage eines Taxifahrers gegen Moia wird neue Verkehrskonzepte nicht verhindern. 

      • Mit Location Based Marketing auf Neukundenfang

        Deutsche Marketing-Manager sehen in standortbasierter Werbung die Brücke, um Konsumenten online wie offline anzusprechen. Vor allem für die Neukundengewinnung setzen sie auf das Marketinginstrument.

      • Wie der Arbeitsplatz von morgen aussehen wird

        Während der Industrialisierung wanderte die Arbeit aus dem Haushalt in die Fabrik. Heute klopft sie wieder an die Haustür. Die Möglichkeit zu mehr zeitlicher und örtlicher Flexibilität, beispielsweise zur Arbeit im Homeoffice, macht vor keiner Branche mehr halt.

      • Java und JavaScript sind die beliebtesten Programmiersprachen

        Die meisten Softwareingenieure setzen auf Java und JavaScript, wenn es um die Entwicklung von Unternehmensanwendungen geht. Die angeblichen "In"-Programmiersprachen Python & Co. liegen in der Beliebtheitsskala teils weit abgeschlagen hinter den Klassikern.

      • Diese digitalen Marken sind top

        Digitale Dienste dominieren immer stärker die Markenwelt. In den Top 25 der relevantesten Marken Deutschlands machen sich analoge Marken eher rar.

      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Prof. Dr. Hagen Krämer
      Hochschule Karlsruhe, Fakultät für Wirtschaftswissenschaften
      Professor für Economics (Volkswirtschaftslehre)

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

      Springer Professional - Die Flatrate für Fachzeitschriften und Bücher
      Die weltweite Ausdehnung der Kommunikationsnetze, die Zunahme transnationaler Interaktionen und die wachsende Interdependenz der Volkswirtschaften – bezeichnen sie tatsächlich etwas Neues? Und wenn das der Fall ist, haften diesem Sachverhalt …
      Es ist üblich, die Welt in unterschiedliche Lebensbereiche aufzuteilen und ausdifferenzierte Wissenschaftsdisziplinen zu fordern, die sich auf die Bearbeitung spezifischer Lebensbereiche spezialisieren. Diese Sichtweise unterstellt, dass es …
      Das, was wir heute als modernen Sozialstaat kennen, hat seinen Ursprung im 19. Jahrhundert: Die mit der katholischen Soziallehre verbundenen gemeinsamen Wurzeln liegen in der Arbeiterfrage, die zu der Zeit durch die Industrialisierung virulent …

      Sachgebiete