Direkt zum Inhalt

Geschäftsprozesstechnologie

Definition

Die Entwicklungen in der Informationstechnologie (IT) eröffnen die Möglichkeit, die Geschäftsprozesse eines Unternehmens weitgehend zu automatisieren und damit dessen Wettbewerbsfähigkeit aufrecht zu erhalten und zu stärken. Technologien zur Automatisierung von Geschäftsprozessen fördern die Flexibilität von Unternehmen und stellen daher einen wesentlichen Baustein in heutigen wie auch in zukünftigen IT Landschaften von Unternehmen dar.

 

GEPRÜFTES WISSEN
Über 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 25.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition

    Inhaltsverzeichnis

    1. Einführung
    2. Lebenszyklus automatisierter Geschäftsprozesse
    3. Aufbau eines Prozessmodells
    4. Technische Infrastruktur für automatisierte Geschäftsprozesse
    5. Fazit

    Einführung

    Geschäftsprozesse können als fundamentale Vermögenswerte eines Unternehmens interpretiert werden, da sie im Kern die Wettbewerbsvorteile gegenüber anderen Unternehmen repräsentieren. Die Entwicklungen in der Informationstechnologie (IT) eröffnen die Möglichkeit, die Geschäftsprozesse eines Unternehmens weitgehend zu automatisieren und damit dessen Wettbewerbsfähigkeit aufrecht zu erhalten und zu stärken. Die Automatisierung von Geschäftsprozessen bezweckt nicht nur die bloße technische Abbildung bestehender Abläufe, sondern auch eine drastische Verbesserung der Performance in unternehmenskritischen Dimensionen wie Kosten, Qualität, Output, angebotene Dienstleistungen und Geschwindigkeit (vgl. Business Process Reengineering). Die sogenannte Geschäftsprozesstechnologie ist grundsätzlich am Lebenszyklus von Geschäftsprozessen ausgerichtet. Sie bietet eine technische Unterstützung zur Automatisierung von Geschäftsprozessen auf Basis zugrunde liegender Sprachen zur Prozessmodellierung und -ausführung.

    Lebenszyklus automatisierter Geschäftsprozesse

    Ein effizientes Management von automatisierten Geschäftsprozessen (Workflows) ist prinzipiell in drei Phasen aufgeteilt. Die Modellierungsphase ist die erste Phase im Lebenszyklus eines Prozesses. In dieser Phase wird ein Prozessmodell erstellt oder an neue Anforderungen angepasst. In der Ausführungsphase des Lebenszyklus wird das Prozessmodell ausgeführt. Von einem Prozessmodell können mehrere Instanzen erstellt werden, bspw. werden in einer Bank unter Umständen zeitgleich mehrere Kreditvergabeprozesse für unterschiedliche Kreditnehmer ausgeführt; Jeder dieser einzelnen Prozesse wird Instanz genannt. In der dritten Phase, der Monitoringphase, wird die Ausführung überwacht. Diese Phase vollendet den Zyklus und führt zurück zur Modellierungsphase.

    Aus technischer Sicht kann der Lebenszyklus eines Prozesses noch weiter verfeinert werden (siehe Abbildung 1): Neben dem Prozessmodell werden auch Berechnungsvorschriften für Kennzahlen (Key Performance Indicators (KPI)) definiert, um eine Bestimmung der Performance der Geschäftsprozesse zu ermöglichen. Zudem werden Geschäftsprozesse häufig auf einem hohen Abstraktionsgrad spezifiziert. Dabei werden Sprachen wie ereignisgesteuerte Prozesskette (EPK) oder die Business Process Model and Notation (BPMN) eingesetzt. Ein hoher Abstraktionsgrad der Prozessmodelle erfordert eine zusätzliche Phase vor der Ausführung: damit ein Prozess vollständig automatisiert werden kann, nehmen technische Experten in der IT Refinement-Phase Anpassungen und Verfeinerungen vor. Unter Umständen wird das Prozessmodell in eine andere, ausführungsnahe Prozesssprache überführt, wie bspw. in die Business Process Execution Language (BPEL). Ein Teil des IT Refinement ist das sogenannte Deployment. In diesem Schritt wird ein Prozessmodell in die Ausführungsumgebung eingebracht, erst dann ist es zur Ausführung bereit. An die Phase des Monitorings schließt sich die Analysephase an. In dieser Phase werden bspw. Informationen über das Laufzeitverhalten einer Prozessinstanz betrachtet, um daraus Erkenntnisse für einen effizienteren Prozessaufbau zu gewinnen.


     

    Abbildung 1: Der Lebenszyklus eines automatisierten Geschäftsprozesses

     

    Aufbau eines Prozessmodells

    Ein Prozessmodell legt die auszuführenden Arbeitsschritte sowie deren Abfolge fest. In Abhängigkeit von der Sprache, die zur Prozessmodellierung verwendet wird, stehen verschiedene Sprachkonstrukte zur Verfügung. Abbildung 2 zeigt ein Beispiel eines Prozessmodells in der (grafischen) Prozesssprache BPMN, sowie die in dem Beispiel verwendeten Sprachkonstrukte. Die auszuführenden Arbeitsschritte werden durch Aktivitäten (in BPMN auch Tasks genannt) dargestellt. Eine Aktivität kann entweder den Aufruf einer Software-Komponente repräsentieren (z.B. ein Web Service) oder einen Menschen involvieren (ein sogenannter Human Task). Der Kontrollfluss definiert, in welcher Abfolge die Aktivitäten ausgeführt werden sollen. Mit explizitem Datenfluss kann vorgegeben werden, welche Daten für bestimmte Aktivitäten zur Verfügung stehen, beziehungsweise verwendet werden sollen. Die Akteure beziehungsweise deren Rollen, die an einem Prozess beteiligt sind, können als „Swimlane“ (bildlich vorzustellen wie eine Bahn im Schwimmbad) dargestellt werden.

    Im Prozessmanagement (siehe auch Workflow Management) werden die Begriffe Orchestrierung und Choreographie dazu verwendet, zwischen einzelnen Prozessen (Orchestrierung) und der komplexen Interaktion mehrerer Prozesse (Choreographie) zu unterscheiden. Die Akteure in einer Orchestrierung können mit Swimlanes dargestellt werden. Für eine Choreographie werden die Swimlanes zu einem Pool zusammengefasst. Jeder Pool repräsentiert dann je einen Partner in der Choreographie.


    Abbildung 2: Beispielhaftes Prozessmodell und elementare Sprachkonstrukte

     

    Die gängigen Sprachen, die zur Prozessmodellierung beziehungsweise zur Ausführung von Prozessen verwendet werden können, haben z.T. eine sehr unterschiedliche Ausdrucksfähigkeit, man spricht in diesem Zusammenhang auch von Expressiveness. Prozesssprachen unterscheiden sich bspw. in der Unterstützung von Parallelität; in der Möglichkeit, bedingte Verzweigungen zu modellieren oder auch in der Integration von Menschen in die Abläufe.

    Technische Infrastruktur für automatisierte Geschäftsprozesse

    Die konzeptionelle technische Infrastruktur, die für die Automatisierung von Geschäftsprozessen typischerweise zum Einsatz kommt, wird in Abbildung 3 gezeigt. Die Komponenten repräsentieren weniger einzelne Werkzeuge oder Programme, sondern vielmehr stellen sie Kategorien von Werkzeugen dar. Im oberen Teil der Abbildung sind die Komponenten zu sehen, die die Modellierungsphase unterstützen. Ein Process Designer ist das wesentliche Werkzeug zur (überwiegend grafischen) Modellierung von Prozessmodellen. In einem derartigen Werkzeug sind unter Umständen weitere Funktionen zur Analyse und Optimierung der Prozessmodelle enthalten. Alle Prozessmodelle werden in einem Repository verwaltet. Diese spezielle Datenbank erlaubt die systematische Ablage und Verwaltung der Prozessmodelle und zugehöriger Artefakte (z.B. Schnittstellenbeschreibungen).

     

     

    Abbildung 3: Bedeutende Komponenten in der Prozessautomatisierung

     

    Die Komponenten im unteren Teil von Abbildung 3 stellen die Ausführungsumgebung dar. Bei der Ausführung der Prozesse ist die Process Engine die zentrale Komponente. Die wesentliche Funktion einer Process Engine ist die Koordination der Abläufe, die durch die Prozessmodelle definiert sind, tatsächliche Arbeitsschritte werden von Anwendungen oder Diensten (bspw. Web Services) ausgeführt. Über unterschiedliche Nachrichtenkanäle wird die Kommunikation zwischen der Process Engine und den Anwendungen und Diensten die sie koordiniert ermöglicht. Die Gesamtheit der Nachrichtenkanäle wird häufig abstrakt als Enterprise Service Bus bezeichnet. Die Monitoring-Komponente empfängt und analysiert Nachrichten und Ausführungsinformationen und kann bspw. die Überwachung des Zustandes einzelner Instanzen eines Prozessmodells unterstützen.

    Fazit

    Die Anforderungen an die Flexibilität von Unternehmen steigen stetig. Einerseits muss die innere Organisation flexibel auf neue Anforderungen und Situationen reagieren können, andererseits müssen die internen Geschäftsprozesse und Anwendungen zunehmend mit den Prozessen und Systemen anderer Unternehmen zusammengeführt werden. Die Technologien zur Automatisierung von Geschäftsprozessen fördern die Flexibilität von Unternehmen und stellen daher einen wesentlichen Baustein in heutigen wie auch in zukünftigen IT Landschaften von Unternehmen dar.

    zuletzt besuchte Definitionen...

      Mindmap Geschäftsprozesstechnologie Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/geschaeftsprozesstechnologie-52694 node52694 Geschäftsprozesstechnologie node52692 Process Engine node52694->node52692 node50208 Workflow Management node52694->node50208 node52691 Repository node52694->node52691 node38583 IT node52694->node38583 node34624 ereignisgesteuerte Prozesskette node52694->node34624 node52693 Web Services node52692->node52693 node35399 Geschäftsprozess node52692->node35399 node48807 Workflow node52692->node48807 node50957 Workflow Management System node50208->node50957 node50208->node35399 node50208->node48807 node30025 Datenbank node52691->node30025 node52693->node52694 node35399->node52694 node48807->node52694 node32402 EPK node32402->node34624 node52753 IT-Management node38583->node52753 node42515 Software Engineering node38583->node42515 node29618 Bürokommunikation node38583->node29618 node28581 Datenverarbeitung node38583->node28581 node46681 Operator node35034 Funktion node32166 Ereignis node34624->node46681 node34624->node35034 node34624->node32166 node31303 Content Management System ... node31303->node50208
      Mindmap Geschäftsprozesstechnologie Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/geschaeftsprozesstechnologie-52694 node52694 Geschäftsprozesstechnologie node38583 IT node52694->node38583 node34624 ereignisgesteuerte Prozesskette node52694->node34624 node52692 Process Engine node52694->node52692 node52691 Repository node52694->node52691 node50208 Workflow Management node52694->node50208

      News SpringerProfessional.de

      • Maschinen-Export in die USA boomt

        Die Ausfuhren der deutschen Maschinenbau-Industrie bleiben auf Wachstumskurs – besonders in Richtung USA und China. In den ersten vier Monaten dieses Jahres stiegen die Ausfuhren im Vergleich zum Vorjahr um nominal 4,4 Prozent auf 56,1 Milliarden Euro.

      • "Der beste Deal kann sich zum Flop entwickeln"

        Wie Übernahmen von Unternehmen gelingen, erklärt M&A-Experte Florian Bauer im Exklusiv-Interview. Denn der Professor für strategisches Management an der Lancaster University Management School erlebt viel zu oft, wie die Integration zugekaufter Kandidaten scheitert.

      • Aufsichtsrat – kein Job für nebenbei

        Die Zeiten, in denen Vorstände nebenher zahlreiche Aufsichtsratsmandate anhäuften, sind vorbei. Die Hauptgründe: Zeitmangel und strengere Anforderungen. Beginnt nun die Ära der Berufsaufsichtsräte?

      • "Ignoranz versucht, einen anderen zum Nichts zu machen"

        Sie wirken auf den ersten Blick harmlos: Ignoranzfallen am Arbeitsplatz. Dabei handelt es sich um Mobbing, um subtile seelische Gewalt, die Mitarbeitern an die Nieren geht. Springer-Autorin Lilo Endriss erklärt im Interview, warum Ignoranzfallen so tückisch sind.

      • Verbraucher können bald gemeinsam klagen

        Der Bundestag hat entschieden: Ab November ist es Verbrauchern möglich, über Verbände eine Musterfeststellungsklage gegen Unternehmen einzureichen, um gemeinsam Schadensersatz zu fordern. Die Opposition sieht das Gesetz kritisch.

      • Psychopath und Psychopath gesellt sich gern

        Menschen mit psychopathischen Tendenzen sind unter rüden Chefs zu Bestleistungen fähig, so eine Studie. Was nach einer Win-Win-Situation für stressige Arbeitsumfelder klingt, hat auch seine Kehrseiten.

      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Professor Dr. Frank Leymann
      Universität Stuttgart,
      Institut für Architektur von
      Anwendungssystemen (IAAS)
      Geschäftsführender Direktor
      Dr. David Schumm
      Universität Stuttgart,
      Institut für Architektur von
      Anwendungssystemen (IAAS)
      Ehemaliger Wissenschaftlicher Mitarbeiter

      Sachgebiete