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harte und weiche Faktoren

Definition

Harte Faktoren (hard facts) lassen sich in betriebswirtschaftlichen Kennzahlen wie Kosten, Kapitalumschlag oder Durchlaufszeiten ausdrücken. Man spricht von ökonomischer Objektivierung durch Kennziffern. Zu den weichen Faktoren (soft facts) zählen Images, Stimmungen, aber auch Wissen und daraus resultierendes Verhalten (De-/Motivation) sowie Handlungsweisen (Unterstützung/Widerstand).

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    Ausführliche Definition

    1. Begriff: In der Unternehmensführung wird zwischen harten und weichen Faktoren unterschieden, die den Erfolg eines Unternehmens bestimmen. Harte Faktoren (hard facts) lassen sich in betriebswirtschaftlichen Kennzahlen wie Kosten, Kapitalumschlag oder Durchlaufszeiten ausdrücken. Man spricht von ökonomischer Objektivierung durch Kennziffern. Zu den weichen Faktoren (soft facts) zählen Images, Stimmungen, aber auch Wissen und daraus resultierendes Verhalten (De-/Motivation) sowie Handlungsweisen (Unterstützung/Widerstand). Solche Faktoren heißen weich, weil sie gar nicht oder nur mit Hilfsindikatoren als Kennzahlen darstellbar sind. Ihre ökonomische Handlungsrelevanz ergibt sich aus der Kraft gruppendynamischer Prozesse.

    2. Ziel: In ihrer analytisch exakten Darstellung handlungs- und entscheidungsrelevanter Parameter dienen harte Faktoren der Mess- und Steuerbarkeit der Organisation. Ist ein Faktor hart und damit objektivierbar, gilt er als erfass- und steuerbar. Ist ein Faktor weich und damit subjektiv, ist er aufgrund seiner personenübergreifenden Konstitution analytisch nicht exakt messbar und bestenfalls beeinflussbar. Da die Ursachen weicher Faktoren gruppendynamische Prozesse sind, ist ihre Entstehung und damit Relevanz nicht konstant. V.a. in evolutorischen Prozessen (Change Management, Markteintritt…) kann ihre Relevanz erfolgskritisch sein. Deshalb sollten diese Faktoren mit in solche Managementprozesse einbezogen werden.

    3. Aspekte: Entsprechend wird zwischen Führungsansätzen und Strategien unterschieden, die auf harte oder weiche Faktoren setzen. Besonders deutlich wird diese Unterscheidung in der Entwicklung der Change Management- und Change Communications-Debatte, aber auch an der Ideengeschichte des Marketings in der Betriebswirtschaft: Die sich auf harte Faktoren stützende Strategie (auch als E-Strategie [economic value] bezeichnet) basiert auf Finanzkennzahlen (hard approach), die z.T. mithilfe der Kybernetik erster Ordnung als Plan- und Regeltheorie (Wert-Management-Kreislauf) die kennzahlenorientierte Unternehmensführung betont. Strategien, die auf weiche Faktoren setzen (auch als O-Strategien [organizational capability/organisationale Kompetenz] bezeichnet), geht es darum, eine Unternehmenskultur mit adäquatem Humankapital zu entwickeln (soft approach). Mit der Kybernetik zweiter Ordnung wird ergänzend zur Kybernetik erster Ordnung in der systemvergleichenden Beobachtungstheorie u.a. nach handlungsrelevanten handlungs- und entscheidungsumgebenden Umfeldparametern gesucht, was in der geschlossenen Systemtheorie der Unternehmung zur Frage der Steuerungsskepsis führt.

    4. Hintergrund: Die Unterscheidung harter und weicher Faktoren führt zurück auf die klassische Ökonomie und der dort verorteten wertmanagementorientierten Betriebswirtschaft (Value-based-Management; materieller Wertebegriff). Sie arbeitet analytisch geprägt und steht in der wirtschaftstheoretischen Tradition rationaler Entscheidungen (rational choice). Dem gegenüber steht das Wertemanagement kultureller Werte bestimmter Bezugsgruppen einer Organisation (immaterieller Wertebegriff). Streng genommen und ursprünglich sind Wert- und Wertemanagement modelltheoretisch unvereinbar. Denn ursprünglich wird das Marktgleichgewicht mathematisch-physikalisch geprägt analysiert, und der Modellmensch homo oeconomicus wird als Durchschnittsentscheider angenommen, der der perfekten Entscheidungsrationalität (perfekt informiert, unendlich schnell, rational und autonom entscheidend) gehorcht. Die mit dieser physikalisierten Wirtschaftstheorie scharfen Trennung von harten und weichen Faktoren wird zum Teil kritisiert und stattdessen ihre gegenseitige Abhängigkeit diskutiert (relational choice). So findet hier eine methodologische Erweiterung des Individualismus um den Relationalismus statt, der u.a. zur zusätzlichen Anerkennung von Sozialkompetenz (soft skills) als Managementkompetenz führt.

    4. Instrumente: Mit der Balanced Scorecard liegt ein Managementsystem vor, das versucht, harte Faktoren und mithilfe von Hilfsindikatoren auch weiche Faktoren zu erfassen, indem zentrale Wirkungszusammenhänge zwischen Faktoren und Unternehmenserfolg abgebildet und so gesteuert werden sollen.

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      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Prof. Dr. Jan Lies
      FOM, Hochschule fuer Oekonomie und Management, Essen
      Professor fuer BWL, inbesondere Unternehmenskommunikation und Marketing

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

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