Direkt zum Inhalt

Kreditderivat

Definition

Kreditderivate sind Finanzderivate (Derivate), die es ermöglichen, ein Kreditexposure (d.h. potenzielles Ausfallvolumen) außerbilanziell zu erhöhen oder zu verringern. Durch Kreditderivate wird Kreditexposure vom Käufer auf den Verkäufer übertragen. Kreditderivate haben für den Käufer somit Versicherungscharakter.

GEPRÜFTES WISSEN
Über 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 25.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition

    1. Begriff: Kreditderivate sind Finanzderivate (Derivate), die es ermöglichen, ein Kreditexposure (d.h. potenzielles Ausfallvolumen) außerbilanziell zu erhöhen oder zu verringern. Durch Kreditderivate wird Kreditexposure vom Käufer zum Verkäufer übertragen. Kreditderivate haben für den Käufer somit Versicherungscharakter.

    2. Einteilung: a) Bei ereignisbezogenen Kreditderivaten werden typischerweise im Fall eines Credit Events bei der zugrunde liegenden Adresse Zahlungen vom Verkäufer des Kreditderivates an den Käufer geleistet. Ein Credit Event ist ein Ereignis, das einen Ausfall oder eine Verschlechterung der Bonität einer Adresse anzeigt, wie z.B. die Eröffnung des Insolvenzverfahrens (ausfallbezogene Kreditderivate), die Nichterfüllung von Zahlungsverpflichtungen oder eine sich verschlechternde Bonitätseinstufung durch eine Rating-Agentur (ratingbezogene Kreditderivate). Grundsätzlich sind die beteiligten Parteien frei in der Definition des Credit Events. Da die Zahlungen aus dem Kreditderivat jedoch direkt vom Eintritt eines Credit Events abhängen, ist eine eindeutige Definition und eine unabhängige Überprüfbarkeit dieses Ereignisses von zentraler Bedeutung.
    b) Bei marktpreisbezogenen Kreditderivaten basieren die Zahlungen zwischen den beteiligten Parteien auf der Performance eines bestimmten Finanzinstruments bzw. dessen relativer Performance zum Markt. Grundlegende Idee hierbei ist, dass sich Verschlechterungen in der Bonität einer Adresse negativ auf die Performance eines von ihr emittierten Finanzinstruments auswirken. Bei marktpreisbezogenen Kreditderivaten werden typischerweise im Fall einer guten Performance Zahlungen vom Käufer an den Verkäufer des Kreditderivates, im Fall einer schlechten Performance Zahlungen vom Verkäufer an den Käufer des Kreditderivates geleistet.

    3. Funktion: In Abhängigkeit der genauen Spezifikationen des Kreditderivates erhält der Käufer im Fall einer Bonitätsverschlechterung der zugrunde liegenden Adresse vom Verkäufer Zahlungen aus dem Kreditderivat. Falls beim Käufer ein Kreditexposure bez. der zugrunde liegenden Adresse besteht, so können Verluste aus Wertberichtigungen auf diese Kredite durch Gewinne aus Zahlungen aus dem Kreditderivat ausgeglichen werden. Durch den Kauf des Kreditderivates hat der Käufer somit sein Kreditexposure bez. der zugrunde liegenden Adresse verringert. Im Gegenzug entstehen dem Verkäufer des Kreditderivates Verluste aus den von ihm zu leistenden Zahlungen. Sein Kreditexposure bez. der zugrunde liegenden Adresse hat sich durch den Verkauf des Kreditderivates erhöht.

    4. Vorteile: Durch die Übertragung von Kreditexposure durch Kreditderivate ist es möglich, Kreditrisiken separat zu handeln, unabhängig von bilanziellen Beständen z.B. des Kredit- oder Wertpapierportfolios und den damit verbundenen Marktpreis- und Liquiditätsrisiken. Es können Kreditrisikopositionen begründet, geschlossen oder verändert werden, ohne die aktuelle Risikoposition selbst ändern zu müssen. Dieses führt zu einer Vereinfachung und Flexibilisierung des Kreditrisikomanagements. Durch Kreditderivate können auf einfache Weise Kreditkonzentrationen reduziert oder der Diversifikationsgrad des Portfolios erhöht werden, ohne dass originäre Kreditbeziehungen geschaffen oder abgebrochen, Ausleihungen reduziert oder erhöht werden. Kreditderivate erlauben mithin ein Kreditrisikomanagement ohne Beeinträchtigung der Bank-Kunde-Beziehung.

    5. Arten: In der Praxis haben sich im Wesentlichen die folgenden Produkte herausgebildet: a) Credit Default Swap bzw. Credit Default Option: Credit-Default-Produkte ähneln von ihrer Struktur her einer herkömmlichen Garantie; die Prämie bemisst sich im Wesentlichen nach dem Nominalwert des zugrunde liegenden Finanzinstruments und der Bonität der zugrunde liegenden Adresse. Z.T. werden Credit-Default-Produkte dahingehend unterschieden, ob Physical Settlement oder Cash Settlement vereinbart ist. Ist Physical Settlement vereinbart, so muss der Begünstigte tatsächlich im Besitz des zugrunde liegenden Finanzinstruments sein, um es im Fall eines Credit Events auch liefern zu können (sog. Credit Default Swap (CDS)). Ist hingegen Cash Settlement vereinbart, so ist die physische Lieferung ausgeschlossen und somit der Besitz des Finanzinstruments nicht notwendige Voraussetzung zur Abwicklung (sog. Credit Default Option).
    b) Credit Linked Note: Eine Credit Linked Note ist eine strukturierte Schuldverschreibung, die als derivative Komponente eine Credit Default Option enthält. Hierbei ist der Verkäufer der Schuldverschreibung der Begünstigte aus dem darin enthaltenen Derivat.
    c) Total Return Swap: Beim Total Return Swap wird der Ertrag des zugrunde liegenden Finanzinstruments gegen einen anderen Ertrag getauscht.
    d) Equity Swap: Der Equity Swap ist ein Total Return Swap, bei dem das zugrunde liegende Finanzinstrument eine Aktie ist. Es folgt somit ein Tausch der Erträge der Aktien gegen einen sonstigen Ertrag.
    e) Credit Spread Option: Die Credit Spread Option ist eine Option auf den Spread zwischen zwei Finanzinstrumenten, von denen mind. eins einem Kreditrisiko unterliegen muss. Credit Spread Options sind in verschiedenen Ausprägungen denkbar. Ihre zugrunde liegende Variable oder Underlying kann sowohl ein Rendite- als auch ein Preisunterschied sein, sie können sich auf Zins- und Dividendentitel beziehen, und sie können verschiedenste, auch exotische, Auszahlungsprofile und -bedingungen haben.
    f) Credit Spread Forward: Der Credit Spread Forward ist ein Termingeschäft auf den Spread zwischen zwei Finanzinstrumenten, von denen mind. eins einem Kreditrisiko unterliegen muss. Damit gehört der Credit Spread Forward zur Gruppe der marktpreisbezogenen Kreditderivate. Auch Credit Spread Forward sind in verschiedenen Ausprägungen denkbar. In Analogie zur Credit Spread Option kann ihre zugrunde liegende Variable oder Underlying ein Preis- oder Renditespread sein, und sie können sich auf Zins- oder Dividendentitel beziehen.

    zuletzt besuchte Definitionen...

      Mindmap Kreditderivat Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/kreditderivat-40346 node40346 Kreditderivat node52666 Credit Default Swap ... node40346->node52666 node33325 Garantie node40346->node33325 node31239 Derivate node40346->node31239 node37103 Liquiditätsrisiko node40346->node37103 node38599 Kreditrisiko node40346->node38599 node50034 Termingeschäfte node40346->node50034 node31656 Abrufrisiko node27055 Bonität node31523 Ausgleichszahlung node52666->node27055 node52666->node31523 node33188 Exportgarantie node33188->node33325 node31570 Avalkredit node31570->node33325 node35463 fiduziarische Sicherheiten node35463->node33325 node41311 Mängelhaftung node33325->node41311 node28069 Bankenaufsicht (BA) node28069->node37103 node48665 Terminrisiko node48300 Swaption node31239->node48300 node31239->node50034 node42207 Refinanzierungsrisiko node37103->node31656 node37103->node48665 node37103->node42207 node52153 Cat Bonds node52153->node38599 node52788 Altlastenverdacht node52788->node38599 node37895 Länderrisiko node37895->node38599 node34156 Diversifikation node38599->node34156 node41394 MATIF node41394->node31239 node41763 MONEP node41763->node31239 node38426 Marktmissbrauchsrichtlinie node38426->node52666
      Mindmap Kreditderivat Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/kreditderivat-40346 node40346 Kreditderivat node31239 Derivate node40346->node31239 node38599 Kreditrisiko node40346->node38599 node37103 Liquiditätsrisiko node40346->node37103 node33325 Garantie node40346->node33325 node52666 Credit Default Swap ... node40346->node52666

      News SpringerProfessional.de

      • Forschungsagenda 2030 für die produzierende Industrie

        Die strategische Forschungsagenda der Initiative "manufuture-DE" hat aktuelle und zukünftig relevante Forschungsbedarfe deutscher Industrieunternehmen aus dem Bereich der Produktionstechnik bis zum Jahr 2030 formuliert und priorisiert.

      • "Unternehmen tragen Verantwortung für Konsumenten"

        Wer in der digitalen Welt nicht untergehen will, muss sich einige Kompetenzen aneigen. Sonst frisst die Digitalisierung ihre User, warnen Anabel Ternès und Hans-Peter Hagemes im Gespräch mit Springer Professional. Insbesondere Unternehmen sollten sich ihrer Verantwortung bewusst sein.

      • Digitalisierung schafft Chancen für weibliche Führungskräfte

        Mittlerweile erfüllen zwar die Aufsichtsräte der Dax-30-Unternehmen im Durchschnitt die gesetzliche Frauenquote. Aber gerade in Führungspositionen im operativen Geschäft sind Frauen, auch in der Finanzbranche, immer noch rar gesät. Und das sieht nur in einem Fachbereich besser aus.

      • Verantwortungsvolle Chefs haben mehr Stress

        Ein Chef, der sich seiner Verantwortung im Job bewusst ist, führt ein stressbelastetes Dasein. Zumindest, wenn er sich in einer gehobenen Machtposition befindet. Das haben Wissenschafter herausgefunden.

      • Dax-Vorstände verdienen noch mehr

        Wenn etwas die Gemüter erhitzt, dann sind es immer wieder die exorbitanten Bezüge von Vorständen und Aufsichtsräten von Unternehmen. Eine aktuelle Studie gibt der Diskussion neue Nahrung. Demnach bekommen die CEOs von der Post, Heidelberg Cement, Adidas und Daimler unglaubliche Summen. 

      • Enterprise Social Networks fördern Innovationen

        Der digitale Reifegrad deutschsprachiger Unternehmen verbessert sich zusehends. In allen Bereichen haben digitale Prozesse mittlerweile die analogen Formen der Zusammenarbeit überholt. Doch es gibt noch viel zu tun.

      • Konsequent digital steigert die Profite

        Je intensiver Unternehmen digitalisiert sind, desto höher ist ihr Gewinnwachstum. Allerdings braucht es dazu konsequente Strategien und den Willen zum Wandel auf allen Ebenen.

      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Prof. Dr. Reinhold Hölscher
      Technische Universität Kaiserslautern,
      Lehrstuhl für Finanzdienstleistung und
      Finanzmanagement
      Ordinarius
      Dr. Nils Helms
      Technische Universität Kaiserslautern
      Postdoc am Lehrstuhl für Finanzdienstleistungen und Finanzmanagement

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

      Springer Professional - Die Flatrate für Fachzeitschriften und Bücher
      Kreditderivate stellen Instrumente dar, mit denen die Kapitalgeber und andere Marktteilnehmer (Sicherungsnehmer) Kreditrisiken und zum Teil Zinsänderungsrisiken aus Krediten, Anleihen und weiteren Positionen auf Sicherungsgeber übertragen können.
      Die große Kreditkrise ab 2007 wurde oft in Verbindung mit mathematischer Modellierung und komplizierten Kreditprodukten wie z.B. dem CDO („Collateralized Default Obligation“) gebracht. Im Rahmen dieses Kapitels werden zunächst Grundbegriffe der …
      Dieses Kapitel widmet sich der bisherigen Entwicklung, analysiert die aktuelle Struktur des Marktes der Kreditderivate und zeigt die potenzielle Entwicklung auf.

      Sachgebiete