Direkt zum Inhalt

Theorie der arbeitergeleiteten Unternehmung

Definition

Arbeitergeleitete Betriebe maximieren nicht wie die kapitalistischen Unternehmungen den Gewinn, sondern den Gewinn pro Mitglied. Demzufolge werden nicht die Grenzkosten mit dem Grenzerlös ausgeglichen, sondern die Durchschnittskosten minimiert bzw. das Pro-Kopf-Einkommen maximiert. Deshalb ist die Allokation der Ressourcen suboptimal, die Beschäftigung und Ausbringungsmenge geringer als bei Gewinnmaximierung.

GEPRÜFTES WISSEN
Über 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 25.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition

    1. Mikroökonomische Theorie: Die Übertragung der mikroökonomischen Theorie der Unternehmung führt zu dem Ergebnis, dass die arbeitergeleiteten Betriebe nicht wie die kapitalistischen Unternehmungen den Gewinn, sondern den Gewinn pro Mitglied maximieren. Demzufolge werden nicht die Grenzkosten mit dem Grenzerlös ausgeglichen, sondern die Durchschnittskosten minimiert bzw. das Pro-Kopf-Einkommen maximiert. Deshalb ist die Allokation der Ressourcen suboptimal, die Beschäftigung und Ausbringungsmenge geringer als bei Gewinnmaximierung.

    2. Property-Rights-Ansatz: Gemäß der Theorie der Verfügungsrechte weisen arbeitergeleitete Unternehmungen in kollektivem Eigentum mit unveräußerlichen Anteilen ein suboptimales Investitionsverhalten und eine Tendenz zum Kapitalverzehr auf. Denn sind die Anteile unveräußerbar, kommen die zukünftigen Erträge aus Investitionen nur denjenigen zugute, die während der Amortisationszeit in der Unternehmung Mitglied sind, während vorzeitig ausscheidende Mitglieder die Kosten der Investition tragen müssen, ohne aber an den Erlösen partizipieren zu können. Den Wertezuwachs oder die zukünftigen Erlöse aus Investitionen können nur dann mitgenommen werden, wenn sich die Zukunftserlöse im Kurswert handelbarer Eigentumsanteile kapitalisieren würden. Dies setzt allerdings einen leistungsfähigen Markt für diese Titel voraus.

    3. Neuere Ansätze: Entsprechend der Team-Theorie der Unternehmung sollen die Arbeitnehmer nur dann Eigentümer der Unternehmung sein, wenn sie selbst vom Team abhängige, spezifische Ressourcen darstellen. Dabei besteht das Problem, am Humanvermögen kein gemeinsames Eigentum analog zum spezifischen Kapital bilden zu können. Dies habe den Anreiz verstärkt, in spezifisches Kapital zu investieren und Arbeitskräfte als allg., unspezifische Faktoren einzustellen. Während die Team-Theorie der Unternehmung erklärt, weshalb Kapital Arbeit anheuert und nicht Umgekehrtes gilt, wird die Frage aufgeworfen, ob nicht dennoch eine Wirtschaft mit arbeitergeleiteten Unternehmungen einem System kapitalistischer Firmen wohlfahrtsökonomisch überlegen sein könnte (Pagano). Dabei wird auf die Möglichkeit zurückgegriffen, dass die Evolution Irrtümer begehen kann. Die Team-Theorie erklärt, dass das Kapital Arbeitskräfte aus Effizienzgründen anheuert und nicht andersherum, wie das bei der arbeitergeleiteten Unternehmung der Fall wäre. Die in der Realität anzutreffendere kleine Anzahl letzterer wird daher mit ihrer geringen Effizienz erklärt. Eine geringe Verbreitung impliziert jedoch nicht notwendig Effizienznachteile, sondern kann auch auf einem reinen Zufall bei der Evolution beruhen. So kann die historische Ausgangsverteilung von kapitalistischen und arbeitergeleiteten Unternehmungen entscheidend bestimmen, welcher Typ sich irreversibel durchsetzt, wenn der Wettbewerbsvorteil mit steigender Zahl eines Typs zunimmt. Es ist daher denkbar, dass ein System arbeitergeleiteter Unternehmungen wohlfahrtsökonomisch überlegen sein kann, ohne deshalb zustande kommen zu müssen (Pagano).

    Welche Eigenschaften könnten für eine Überlegenheit eines Systems arbeitergeleiteten Unternehmungen sprechen? Ein bes. Vorteil der arbeitergeleiteten Unternehmungen bestehe in der höheren Motivation der Mitglieder, einem größeren Humanvermögen und einer stärkeren Nutzung des Wissens der Arbeitskräfte. Diese Eigenschaften kämen aber deshalb nicht zum Tragen, weil das System der vertikalen Arbeitsteilung zu einer Verringerung der Fähigkeiten von Arbeitskräften beitrage und zu Arbeitsmärkten geführt habe, die unspezifisches Wissen und die Entwicklung von Techniken förderten, die bes. auf das kapitalistische System zugeschnitten seien. Es müsste sich daher das gesamte institutionelle System (simultan) wandeln, damit die vermuteten Vorteile wirksam werden könnten (Pagano). Neben diesen Argumenten gibt es zahlreiche weitere, mit denen versucht wird, die tatsächlich geringe Verbreitung dieser Organisationsform — trotz hypothetischer Überlegenheit — zu erklären. Gegen die denkbare Überlegenheit eines Systems arbeitergeleiteter Unternehmungen lassen sich jedoch gerade aus der evolutorischen Perspektive heraus Einwände erheben (Schreiter).

    zuletzt besuchte Definitionen...

      Mindmap Theorie der arbeitergeleiteten Unternehmung Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/theorie-der-arbeitergeleiteten-unternehmung-50162 node50162 Theorie der arbeitergeleiteten ... node50641 Team-Theorie der Unternehmung node50162->node50641 node40996 mikroökonomische Theorie der ... node50162->node40996 node50571 Verfügungsrechte node50162->node50571 node42581 Prinzipal-Agent-Theorie der Unternehmung node50641->node42581 node34348 Governance-Structure-Theorie der Unternehmung node50641->node34348 node50641->node50571 node37760 neoklassische Theorie der ... node50641->node37760 node39084 Marxistische Theorie der ... node39084->node50162 node39735 kapitalistische Unternehmung node39084->node39735 node30416 Demokratie node47658 Unternehmung node47410 Theorie der Unternehmung node31424 arbeitergeleitete Unternehmung node31424->node50162 node31424->node30416 node31424->node39735 node31424->node47658 node31424->node47410 node42670 Quellentheorie node42670->node50571 node42560 Produktionsfunktion node40996->node42560 node34434 Gewinnmaximierung node40996->node34434 node47894 vollkommene Konkurrenz node40996->node47894 node40996->node37760 node42079 Nutzungsrecht node42079->node50571 node45509 Property-Rights-Theorie node45509->node50571 node53871 Geistiges Eigentum node53871->node50571
      Mindmap Theorie der arbeitergeleiteten Unternehmung Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/theorie-der-arbeitergeleiteten-unternehmung-50162 node50162 Theorie der arbeitergeleiteten ... node40996 mikroökonomische Theorie der ... node50162->node40996 node50571 Verfügungsrechte node50162->node50571 node50641 Team-Theorie der Unternehmung node50162->node50641 node31424 arbeitergeleitete Unternehmung node31424->node50162 node39084 Marxistische Theorie der ... node39084->node50162

      News SpringerProfessional.de

      • Persönlichkeit und Motivation müssen stimmen

        Beim Besetzen vakanter Stellen achten Vertriebsleiter oft stärker auf die fachliche Qualifikation der Bewerber als auf deren Persönlichkeit und Motivation. Michael Schwartz, Leiter des Instituts für integrale Lebens- und Arbeitspraxis in Esslingen, erläutert, warum diese beiden Faktoren im Vertrieb so wichtig sind.

      • Neue Recruitingstrategien gegen den Fachkräftemangel

        Für den deutschen Mittelstand wird der Fachkräftemangel zum Geschäftsrisiko, zeigen Studien. Und die Situation soll sich noch verschärfen. Höchsten Zeit also, bei der Personalbeschaffung neue Weg zu gehen, so Gastautor Steffen Michel. 

      • Weniger IPO-Prospekt, dafür mehr Anlegerschutz

        Wer sich bislang per Börsengang Geld am Kapitalmarkt besorgen wollte, musste einen aufwendigen Prospekt erstellen. Eine Neuregelung sorgt jetzt bei kleineren IPOs (Initial Public Offering) für Abhilfe. Wie die Voraussetzungen aussehen, erklärt Rechtsanwalt Jörg Baumgartner in seinem Gastbeitrag.

      • Whatsapp startet Business-Offensive

        Im Servicefall können Verbraucher einige Unternehmen bereits über den Messenger-Dienst Whatsapp kontaktieren. Doch was passiert, wenn der Kundenservice Nachrichten initiativ versendet? Ein neues Business-Tool soll genau das ermöglichen.

      • Kundennutzenmodelle im B2B-Vertrieb von E-Marktplätzen

        Elektronische B2C-Marktplätze müssen ihre über Jahre errungene dominante Marktstellung in Gewinne umzumünzen, ohne ihre Marktstellung zu gefährden. Dazu gehört, Preise für langjährige Händler drastisch zu erhöhen. Kundennutzenmodelle spielen dabei eine wichtige Rolle.

      • "Belastete Geschäftsmodelle sind meistens nicht genug innoviert"

        Der ehemalige Roland-Berger-Krisenberater Thomas Knecht hat an der Spitze von Hellmann den Turnaround des weltweiten Logistikers geschafft. Branche und Wirtschaft fordert er zu mehr Wachsamkeit auf. Im Interview spricht er über Anpassungsfähigkeit und Insolvenzschutz.

      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Dr. Peter Haric
      Institutsvorstand Leitbetriebe Austria Institut

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

      Sachgebiete