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Kapitaltheoretische Kontroverse

Definition

Kontroverse zwischen Vertretern aus Cambridge (England) und Cambridge (USA) nach dem Zweiten Weltkrieg über die logische Konsistenz zentraler Bausteine der neo­klassischen Kapital-, Produktions- und Verteilungstheorie.

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Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

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    Ausführliche Definition

    Im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Auseinandersetzungen stand dabei zunächst die Frage nach der Existenz einer aggregierten Produktionsfunktion, der im Rahmen der neoklassischen Wachstums- und Verteilungstheorie eine zentrale Rolle zukommt. Die Cambridge (England)-Ökonomen kritisierten, dass aus partialanalytischen (mikroökonomischen) Überlegungen abgeleitete Beziehungen auf aggregierte Größen der Makroökonomie übertragen werden. Diese Vorgehensweise ist jedoch nur im modelltheoretischen Spezialfall einer Ein-Gut-Ökonomie angebracht. Anderenfalls tritt das Problem auf, dass zur Bestimmung des Wertes des aggre­gierten Kapitalstocks die Preise der einzelnen, heterogenen Kapitalgüter bekannt sein müssen, um diese zu einem gesamtwirtschaftlichen Kapitalstock aufaddieren zu können.

    Im Verlauf der Debatte wurde klar, dass die Vorgabe einer definierten „Menge an Kapital“ vor Kenntnis der relativen Preise der verschiedenen Kapitalgüter grundsätzlich logisch unhaltbar ist. Wie Piero Sraffa (1960) gezeigt hat, müssen beide – die Preise der Kapitalgüter und die Profitrate – simultan bestimmt werden. Eine knappheitstheoretische Erklärung der Profitrate ist daher nicht möglich. Das Problem betrifft nicht nur die Ökonomie insgesamt, sondern auch Wirtschaftssektoren und einzelne Unternehmungen.

    Im Ergebnis hat die Kapitaltheoretische Kontroverse einen Zirkelschluss innerhalb der neoklassischen Kapitaltheorie offengelegt, der ihr theoretisches Fundament infrage stellt. Hieraus ergeben sich weitreichende Folgen für andere Teilgebiete des neoklassischen Paradigmas.

    Vgl. Cambridge-Cambridge-Kontroverse, Verteilungstheorie.

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      Mindmap Kapitaltheoretische Kontroverse Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/kapitaltheoretische-kontroverse-53846 node53846 Kapitaltheoretische Kontroverse node53845 Cambridge-Cambridge-Kontroverse node53846->node53845 node50288 Verteilungstheorie node53846->node50288 node32748 Grenzproduktivitätstheorie der Verteilung node32748->node53846 node41819 neoklassische Verteilungsmodelle node41819->node53846 node44683 postkeynesianische Verteilungstheorie node44683->node53846

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      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Prof. Dr. Hagen Krämer
      Hochschule Karlsruhe, Fakultät für Wirtschaftswissenschaften
      Professor für Economics (Volkswirtschaftslehre)

      Bücher

      Kurz, H.D./Salvadori, N.: Theory of Production. A Long-Period Analysis
      Cambridge: Cambridge University Press., 1997
      Sraffa, P. : Production of Commodities by Means of Commodities
      1960

      Zeitschriften

      Harcourt, G.: The relevance of the Cambridge-Cambridge controversies in capital theory for econometric practice
      Cheltenham: Edward Elgar, , 2007, S. Arestis, Ph./Baddeley, M./McCombie, J.S.L. (Hrsg.), Economic Growth. New Directions in Theory and Policy, S. 117-35

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

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