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Gleichgewicht

Definition

In den Wirtschaftswissenschaften spielt der Begriff des Gleichgewichts als methodisches Konzept zur Untersuchung ökonomischer Fragestellungen eine zentrale Rolle. Der Gleichgewichtsbegriff ist nicht einheitlich definiert. So kann er einen Ruhezustand (Zustand mit Beharrungsvermögen) eines ökonomischen Systems kennzeichnen oder auf der Marktebene einen Zustand der Markträumung charakterisieren, bei dem die Wirtschaftspläne der Anbieter und Nachfrager im Aggregat genau übereinstimmen, sodass alle Marktteilnehmer voll zum Zuge kommen.

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Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

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    Ausführliche Definition

    Inhaltsverzeichnis

    1. Gleichgewicht aus methodischer Sicht
    2.  Gleichgewicht im theoretischen Sinne

    Gleichgewicht aus methodischer Sicht


    Ein methodisches Gleichgewicht kennzeichnet einen Beharrungszustand, in dem Wirtschaftssubjekte keine Veranlassung haben, ihr Verhalten zu ändern, weil sie sich optimal an die relevanten Daten angepasst haben. Eine Revision wird nach dieser Sicht erst dann wieder vorgenommen, wenn sich die „Daten“ exogen ändern.

    In evolutorischer Perspektive kann jedoch jederzeit durch einen schöpferischen Einfall oder durch eine neue Interpretation der Situation oder der Zukunft (Erwartungsänderung) ein Handlungsimpuls ausgelöst werden, ohne dass sich die äußeren Daten geändert haben. Es liegt dann ein temporäres Gleichgewicht vor, das sich z. B. durch Erwartungsanpassungen fortlaufend verändert. Durch diese endogen bestimmten Antriebsmomente wird die Nützlichkeit des Gleichgewichtskonzepts zumindest in prognostischer Hinsicht eingeschränkt. In einem sog. Erwartungsgleichgewicht finden keine Erwartungsanpassungen (als Folge von Erwartungsirrtümern) mehr statt; ein solches Gleichgewicht ist bei Konstanz der Datenvariablen dauerhafter Natur.

     Gleichgewicht im theoretischen Sinne


    In der vom Gleichgewicht bestimmten Wirtschaftstheorie wird das Gleichgewichtskonzept auf Individuen (Haushalts- und Unternehmensgleichgewicht), auf der (Güter-)Marktebene im Sinne der Übereinstimmung von geplantem aggregierten Angebot und geplanter aggregierter Nachfrage (Marktgleichgewicht) oder auf das Marktsystem als Ganzes (allgemeines oder simultanes Gleichgewicht auf allen Märkten; allgemeines Gleichgewicht) angewendet. Setzt man voraus, dass sich alle Akteure optimal an die weiterhin für gegeben gehaltenen Strategien der jeweils anderen Akteure angepasst haben, liegt ein sog. Nash-Gleichgewicht vor. Ein Sonderfall liegt vor, wenn Marktteilnehmer auf einzelnen Märkten mengenmäßig rationiert sind und ihre eigentlichen, aus einem unbeschränkten Optimierungsansatz resultierenden Pläne nicht voll realisieren können. Passen sie sich dann mit ihren Angebots- oder Nachfrageplänen der jeweiligen Rationierungsschranke an, d.h. gehen zu effektiven Plänen über, kommt durch diese Planrevision ein temporäres Gleichgewicht bei Mengenrationierung zustande. Dies ist der Gleichgewichtsbegriff der Neokeynesianischen Theorie.

    In keynesianischen makroökonomischen Totalmodellen können Gleichgewichtskonstellationen auftreten, bei denen simultan ein Marktgleichgewicht auf dem Güter-, Geld- und Wertpapiermarkt vorliegt, auf dem Arbeitsmarkt dagegen ein dauerhafter Zustand der Unterbeschäftigung herrscht. Dieser Mix aus theoretischem und methodischem Gleichgewicht wird auch als Unterbeschäftigungs-Gleichgewicht bezeichnet. Vgl. makroökonomische Totalmodelle geschlossener Volkswirtschaften, stabile Gleichgewichtszustände.

    In dynamischen ökonomischen Systemen versteht man unter Gleichgewicht den Steady State des Systems, d.h. die Ruhelage, die sich ergibt, wenn sich die zu erklärenden Variablen in der Zeit nicht mehr ändern.

    Vgl. auch außenwirtschaftliches Gleichgewicht, Bestandsgleichgewicht, Devisenmarkt, Fließgleichgewicht, Stromgleichgewicht, Spieltheorie; Wirtschaftssoziologie.

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