Direkt zum Inhalt

Identifikation

Definition

Bei der Schätzung eines ökonometrischen Modells wird i.d.R. davon ausgegangen, dass eine wahre Struktur des Modells existiert. Es ist jedoch möglich, dass es mehrere Strukturen gibt, die mit sämtlichen Annahmen des Modells vereinbar und empirisch, d.h. mithilfe der zur Verfügung stehenden Beobachtungsdaten, nicht zu unterscheiden sind. Solche Strukturen heißen „beobachtungsäquivalent”. Alle diese Strukturen besitzen die gleiche reduzierte Form (Mehrgleichungsmodell), und es ist in diesem Fall nicht möglich, aus den Beobachtungsdaten eindeutig auf die unbekannten Strukturparameter zu schließen. Die Strukturparameter sind nicht identifizierbar.

GEPRÜFTES WISSEN
Über 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 25.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition

    Dieses Identifikationsproblem ist nicht nur ein Problem der Beobachtungsdaten, sondern v.a. ein Problem der dem Modell zugrunde liegenden ökonomischen Theorie. Diese Theorie muss genügend Restriktionen liefern, um eine Modellstruktur identifizierbar zu machen. Solche Restriktionen sind z.B. Ausschlusskriterien, d.h. Angaben, ob eine bestimmte Variable in einer Modellgleichung als erklärende Variable auftritt oder nicht. Diese Kriterien sind wegen ihres Ad-hoc-Charakters gelegentlich umstritten, und teilweise wird die Lösung des Identifikationsproblems überhaupt infrage gestellt. Andererseits ist eine Identifikation Voraussetzung für die Ableitung der stochastischen Eigenschaften der ökonometrischen Schätz- und Testfunktionen.

    Zu unterscheiden sind genau identifizierte, überidentifizierte und unteridentifizierte Gleichungen. Genau identifizierte und überidentifizierte Verhaltensgleichungen sind schätzbar, für unteridentifizierte Gleichungen existieren keine Schätzfunktionen mit wünschenswerten stochastischen Eigenschaften.

    Die Identifikationskriterien sind für lineare Modelle relativ einfach. Ein hinreichendes Kriterium ist das sog. Rangkriterium, das i.d.R. aber erst nach einer Strukturschätzung überprüft werden kann. Die Praxis beschränkt sich daher meist auf ein notwendiges Kriterium (sog. Abzählkriterium). Danach ist eine Verhaltensgleichung identifizierbar, wenn die Anzahl der in dieser Gleichung als erklärendeVariablen auftretenden gemeinsam abhängigen Variablen und vorherbestimmten Variablen (Mehrgleichungsmodell) nicht größer ist als die Anzahl der vorherbestimmten Variablen im Modell insgesamt. Ein einfaches Beispiel für eine nicht identifizierbare Modellstruktur ist ein Modell für einen geräumten Markt, bei dem in der Angebotsfunktion die Menge nur vom Preis und in der Nachfragefunktion der Preis nur von der Menge abhängt.

    zuletzt besuchte Definitionen...

      Mindmap Identifikation Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/identifikation-34020 node34020 Identifikation node44629 ökonometrisches Modell node34020->node44629 node38921 Mehrgleichungsmodell node34020->node38921 node41768 MA(q)-Prozess node31612 AR(p)-Prozess node48778 Zeitreihenmodelle node48778->node34020 node48778->node41768 node48778->node31612 node48778->node44629 node29647 ARMA(p q)-Prozess node48778->node29647 node51972 Personalwirtschaft node44840 Personalabteilung node51972->node44840 node54219 Datengeheimnis node54219->node44840 node45614 Prozess node54460 Performanz Management node44840->node34020 node44840->node45614 node44840->node54460 node29273 Abzählkriterium node29273->node34020 node42346 Ökonometrie node44629->node42346 node52112 SUR node52112->node38921 node52120 Variable gemeinsam abhängige node52120->node38921 node43784 rekursives Modell node43784->node38921 node38921->node44629 node52091 Ordered Probit- und ... node52091->node44629 node52092 Poisson-Modell für Zähldaten node52092->node44629 node41133 Konjunkturprognose node41133->node44629
      Mindmap Identifikation Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/identifikation-34020 node34020 Identifikation node44629 ökonometrisches Modell node34020->node44629 node38921 Mehrgleichungsmodell node34020->node38921 node29273 Abzählkriterium node29273->node34020 node44840 Personalabteilung node44840->node34020 node48778 Zeitreihenmodelle node48778->node34020

      News SpringerProfessional.de

      • "Ignoranz versucht, einen anderen zum Nichts zu machen"

        Sie wirken auf den ersten Blick harmlos: Ignoranzfallen am Arbeitsplatz. Dabei handelt es sich um Mobbing, um subtile seelische Gewalt, die Mitarbeitern an die Nieren geht. Springer-Autorin Lilo Endriss erklärt im Interview, warum Ignoranzfallen so tückisch sind.

      • Verbraucher können bald gemeinsam klagen

        Der Bundestag hat entschieden: Ab November ist es Verbrauchern möglich, über Verbände eine Musterfeststellungsklage gegen Unternehmen einzureichen, um gemeinsam Schadensersatz zu fordern. Die Opposition sieht das Gesetz kritisch.

      • Psychopath und Psychopath gesellt sich gern

        Menschen mit psychopathischen Tendenzen sind unter rüden Chefs zu Bestleistungen fähig, so eine Studie. Was nach einer Win-Win-Situation für stressige Arbeitsumfelder klingt, hat auch seine Kehrseiten.

      • Wie agil sind Unternehmen wirklich?

        Großunternehmen und Konzerne müssen große Veränderungen bei der Entwicklung und Umsetzung von digitalen Kundenstrategien bewältigen. Customer Experience-Verantwortliche sehen hier noch zuviel Silodenken in den Unternehmen.

      • Was Made in China 2025 für Europa bedeutet

        Europäische Manager schauen häufig nur nach Westen, wenn sie auf der Suche nach den neuesten Trends sind. Dagegen sollten wir unseren Blick viel stärker nach Osten – genauer nach China – ausrichten, wenn wir erkennen wollen, welche Entwicklungen die Welt herausfordern werden, meint Springer-Autor Ralf T. Kreutzer.

      • "Im Einkauf erwarte ich für KI noch einen großen Schub"

        Die Wolf GmbH hat die digitale Transformation im Einkauf stark vorangetrieben. Der Systemanbieter für Heiz-, Klima- und Lüftungstechnik fördert schnelle Prozesse durch technologischen und organisatorischen Fortschritt, so Purchasing Director Ernst Kranert im Interview.

      • Warum Unternehmen ein Fehlermanagement brauchen

        Fehler werden mit schlampiger Arbeit assoziiert. Dabei haben sie häufig mit belastenden Situationen in Unternehmen zu tun. Wie Manager mit Fehlern umgehen sollten und was sie von Piloten lernen können, beschreibt Gastautor Jan U. Hagen.

      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Prof. Dr. Horst Rottmann
      Hochschule für Angewandte Wissenschaften Amberg-Weiden
      Professor für Volkswirtschaftslehre, Finanzmärkte und Statistik
      PD Dr. Benjamin R. Auer
      Universität Leipzig, CESifo München
      Research Affiliate

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

      Springer Professional - Die Flatrate für Fachzeitschriften und Bücher
      Das folgende Kapitel stellt das Kernstück des vorgeschlagenen Vorgehens vor. Dieses umfasst die Analyse eines Textes (Gruppendiskussion, Interview, Zeitungsartikel etc.) im Hinblick darauf, in welchen metaphorischen Konzepten vorher benannte …
      Die „WiNo-Methode“ dient dazu, das Wissen in typischerweise unverfassten transdisziplinären Netzwerken zu erfassen, gegliedert nach Humankapital, Strukturkapital und Beziehungskapital. Die Identifikation von Wissensbeständen aus wissenschaftlichen …
      Die fortschreitende Digitalisierung in der Automobilbranche macht auch vor dem Leasinggeschäft nicht Halt. Neue Technologien bieten Ansatzpunkte Produkte, Prozesse und Geschäftsmodelle zu innovieren. Die vorliegende Fallstudie beschreibt, wie die …

      Sachgebiete