Direkt zum Inhalt

Arbeitskampf

Definition

die von Arbeitnehmer- oder Arbeitgeberseite aufgrund eines Kampfbeschlusses vorgenommene Störung des Arbeitsablaufs zu dem Zweck, durch gemeinsame (kollektive) Maßnahmen die andere Seite absichtlich unter wirtschaftlichen Druck zu setzen, um ein bestimmtes Verhandlungsziel zu erreichen. Die Kampfmaßnahmen sind auf Arbeitnehmerseite verschiedenen Arten von Streiks, auf Arbeitgeberseite Aussperrung.

GEPRÜFTES WISSEN
Über 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 25.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition

    1. Begriff: die von Arbeitnehmer- oder Arbeitgeberseite aufgrund eines Kampfbeschlusses vorgenommene Störung des Arbeitsablaufs zu dem Zweck, durch gemeinsame (kollektive) Maßnahmen die andere Seite absichtlich unter wirtschaftlichen Druck zu setzen, um ein bestimmtes Verhandlungsziel zu erreichen.

    2. Gesetzliche Regelung: Der Arbeitskampf ist gesetzlich nicht geregelt. Der Begriff Arbeitskampf findet sich, ohne definiert oder geregelt zu werden, in einigen Bundesgesetzen (vgl. § 2 I Nr. 2 ArbGG, § 74 II BetrVG, §§ 100, 160 SGB III; vgl. § 25 KSchG, § 91 SGB IX). Der Streik als Mittel des Arbeitskampfs wird in mehreren Länderverfassungen erwähnt.

    3. Rechtmäßigkeit: Ob das Recht der Koalitionen, zur Wahrung und Förderung von Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen bei Tarifkonflikten einen Arbeitskampf gegen den sozialen Gegenspieler zu führen, verfassungsrechtlich (Art. 9 III GG) gewährleistet ist, ist für die Aussperrung umstritten. Der Arbeitskampf ist in der freiheitlichen Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung der Bundesrepublik Deutschland ein fester Bestandteil des kollektiven Arbeitsrechts und v.a. der Tarifautonomie. Nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts ist das Arbeitskampfrecht notwendiger Teil eines funktionierenden Tarifvertragssystems; es gewährleistet das erforderliche Verhandlungsgleichgewicht der sozialen Gegenspieler. Der Arbeitskampf wird i.d.R. dann geführt, nachdem Tarifvertragsverhandlungen und ein daran anschließendes Schlichtungsverfahren (Schlichtung) ohne Ergebnis geblieben sind.

    Die nähere Ausgestaltung des Arbeitskampfs beruht überwiegend auf Richterrecht; v.a. das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat eine Reihe von Kampfregeln entwickelt, die nicht unumstritten sind; vgl. Streik, Aussperrung.

    4. Erscheinungsformen: Mittel des Arbeitskampfs (im Wesentlichen): a) Streik bzw. Ausstand, b) Aussperrung und c) Boykott.

    5. Arbeitskampf und Arbeitsverhältnis: a) Kampfmaßnahmen im Rahmen eines rechtmäßigen Arbeitskampfs führen nicht zu einer Verletzung des Arbeitsvertrags. Nach der Rechtsprechung werden für die Streik- bzw. Aussperrungsdauer die Rechte und Pflichten aus dem Arbeitsverhältnis lediglich suspendiert; nach Beendigung des Arbeitskampfs leben sie wieder auf.

    Ob der Arbeitgeber eines nicht umkämpften Betriebs von der Beschäftigungs- und Lohnzahlungspflicht befreit ist, wenn er Arbeitseinstellungen oder -verkürzungen infolge eines Arbeitskampfs in anderen Betrieben vornimmt, hängt nach der neueren Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts davon ab, ob sich das Fortbestehen dieser Pflichten auf die Verhandlungsstärke der kampfführenden Verbände auswirkt. Eine derartige Beeinflussung ist dann anzunehmen, wenn umkämpfter und mittelbar betroffener Betrieb koalitionspolitisch verbunden sind, d.h. demselben kampfführenden Verband angehören oder diesem organisatorisch eng verbunden sind.

    b) Folgen der Kampfmaßnahmen im Rahmen eines rechtswidrigen Arbeitskampfs: Streik, Aussperrung, Boykott.

    6. Neutralität der Bundesagentur für Arbeit im Arbeitskampf: Bei Arbeitskampf kann der Anspruch auf Arbeitslosengeld sowie Kurzarbeitergeld nach den Bestimmungen der §§ 160, 100 SGB III ruhen. Durch die Leistung von Arbeitslosengeld darf nicht in einen Arbeitskampf eingegriffen werden. Ein solcher Eingriff liegt jedenfalls nicht vor, wenn der Arbeitnehmer zuletzt in einem Betrieb beschäftigt war, der nicht dem fachlichen Geltungsbereich des umkämpften Tarifvertrags zuzuordnen ist (§ 160 I SGB III). Andererseits ruht der Anspruch auf Arbeitslosengeld jedenfalls, wenn der Arbeitnehmer durch Beteiligung an einem Arbeitskampf, der die Arbeitslosigkeit verursacht, Bezug auf die für den Betrieb geltenden Tarifverträge hat (Einzelheiten in § 160 III SGB III). Ob diese Voraussetzung gegeben ist, entscheidet ein Neutralitätsausschuss (§§ 160, 380 SGB III).

    zuletzt besuchte Definitionen...

      Mindmap Arbeitskampf Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/arbeitskampf-30524 node30524 Arbeitskampf node37679 Koalition node30524->node37679 node28838 Beamter node29642 Änderungskündigung node41501 Massenänderungskündigung node41501->node30524 node41501->node29642 node49773 wilder Streik node41501->node49773 node28822 Arbeitgeberverbände node37609 Management node41656 Industrial Relations node41656->node30524 node41656->node28822 node41656->node37609 node29228 Betriebsrat node41656->node29228 node35386 Gewerkschaften node41656->node35386 node51457 TV-L node51456 TVöD node48267 Tarifvertrag node45282 öffentlicher Dienst node45282->node30524 node45282->node28838 node45282->node51457 node45282->node51456 node45282->node48267 node37679->node35386 node35688 Gruppe node37679->node35688 node30323 Aktienoption node30323->node29228 node30120 Betriebsrisiko node30120->node29228 node38852 Initiativrecht node38852->node29228 node29206 Belegschaft node29228->node30524 node29228->node29206 node49132 Überbetrieblichkeit node49132->node37679 node50535 Verhandlungsanspruch tariffähiger Verbände node50535->node37679
      Mindmap Arbeitskampf Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/arbeitskampf-30524 node30524 Arbeitskampf node37679 Koalition node30524->node37679 node29228 Betriebsrat node29228->node30524 node45282 öffentlicher Dienst node45282->node30524 node41656 Industrial Relations node41656->node30524 node41501 Massenänderungskündigung node41501->node30524

      News SpringerProfessional.de

      • "Das Silicon Valley ist nicht über Nacht entstanden"

        Wenn es ein Digitalisierungs-Mekka gibt, in das deutsche Manager pilgern, ist es das Silicon Valley. Was Unternehmen von den US-Vorreitern lernen und ob sie die 180-Grad-Wende schaffen können, beantworten Sven Grote und Rüdiger Goyk im Gespräch.

      • Utility 4.0 – mehr als eine Worthülse?

        Vierpunktnull auf Teufel komm raus. Kein Themengebiet scheint heute ohne das Zahlenkürzel '4.0' auszukommen. Mit Utility 4.0 ist dieses Phänomen nun auch im Energiesektor angekommen. Zu Recht?

      • Das blaue Jobwunder der Digitalisierung

        Immer mehr Studien prognostizieren, dass die digitale Transformation insgesamt keine Arbeitsplätze kostet. Denn es entstehen auch jede Menge neue Jobs. Die erfordern jedoch andere Kompetenzen.

      • Starke Teams lassen Risiken zu

        "Werde eins mit deinem Projekt", proklamierte vor Jahren eine Baumarktkette. Ein kerniger Slogan, der seine Parallele in einer Google-Studie findet: Teammitglieder die risikobereit in ihrer Aufgabe aufgehen, arbeiten effektiver.

      • "Freibeträge in Abfindungsregelungen wieder einführen"

        Seit 1. Januar gilt die Institutsvergütungsverordnung (IVV). Mit ihr wurden in erster Linie die Anforderungen der Leitlinien der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde EBA für eine solide Vergütungspolitik in deutsches Recht umgesetzt. Wie sich das auf die Personal- und Abfindungsstrategien bei den Banken auswirkt, erklärt Jurist Christoph Abeln im Interview.

      • So teuer wird der Fachkräftemangel

        Dass der Fachkräftemangel die deutsche Wirtschaft bremst, ist nicht neu. Allerdings war bislang nicht klar, wie sehr fehlendes Personal zu Buche schlägt. Einer Studie zufolge drohen bis zum Jahr 2030 wirtschaftliche Schäden in Milliardenhöhe. 

      • KMU zögern bei tiefgreifender Digitalisierung

        Der digitale Wandel wirkt sich auf die gesamte Wertschöpfungskette aus. Viele kleine und mittelständische Unternehmen haben das nicht vollends erkannt, weshalb sie sich auf die Optimierung einzelner interner Prozesse versteifen.

      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Prof. Dr. Martin Werding
      Ruhr-Universität Bochum,
      Lehrstuhl für Sozialpolitik und öffentliche Finanzen, Fakultät für Sozialwissenschaft
      RA Dr. Joachim Wichert
      aclanz – Partnerschaft von Rechtsanwälten
      Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

      Springer Professional - Die Flatrate für Fachzeitschriften und Bücher
      Der Film „We want sex“ des britischen Regisseurs Nigel Cole wirft einen Blick auf die bewegten Zeiten des ersten Arbeitskampfes von Frauen in der englischen Geschichte. Der Streik der Näherinnen bei Ford Dagenham im Jahr 1969 war wesentlich daran …
      Die in den einzelnen EU-Mitgliedstaaten praktizierten Formen und verankerten Garantien kollektiver Arbeitsbeziehungen können in einen Gegensatz zu den im EGV verbürgten, den Abbau von Marktzutrittschranken bezweckenden Grundfreiheiten geraten. Die Sa…

      Sachgebiete