Direkt zum Inhalt

Transfermechanismus

Definition

Der Transfermechanismus beschreibt, wie und in welchem Umfang ein Kapitaltransfer (internationale Kapitalbewegungen) bei festen Wechselkursen zu einem realen Transfer führt, d.h. entsprechende Waren- und Dienstleistungsbewegungen nach sich zieht. Es gibt den Klassischen und den Keynesianischen Transfermechanismus.

GEPRÜFTES WISSEN
Über 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 25.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition

    Inhaltsverzeichnis

    1. Begriff
    2. Klassischer Transfermechanismus
    3. Keynesianischer Transfermechanismus

    Begriff

    Der Transfermechanismus beschreibt, wie und in welchem Umfang ein Kapitaltransfer (internationale Kapitalbewegungen) bei festen Wechselkursenzu einem realen Transfer (Realtransfer) führt, d.h. entsprechende Waren- und Dienstleistungsbewegungen nach sich zieht. Gewährt z.B. das Inland einem anderen Land einen Kredit, lautet also die Frage, inwieweit es daraufhin zu einem entsprechenden Leistungstransfer aus dem Inland ins Ausland kommt. Diese Frage wird einerseits unter klassischen und andererseits unter keynesianischen Annahmen diskutiert.

    Klassischer Transfermechanismus

    Ihm liegen v.a. folgende wichtige Prämissen zugrunde: Vollbeschäftigung aller Produktionsfaktoren, keine realen Multiplikatorwirkungen, Übereinstimmung von geplantem Sparen und geplanter Investition, Änderungen der Geldmenge durch geldpolitische Maßnahmen finden nicht statt. In diesem Fall bedingt die Bereitstellung von Mitteln für den monetären Transfer eine Einschränkung der Gesamtausgaben im Inland; da diese sowohl für Inlands- als auch

    nach Maßgabe der marginalen Importquote– für Auslandsgüter getätigt werden, sinken die Importe des Inlands. Analog steigen die Gesamtausgaben im Ausland; da diese ebenfalls z.T. für Importgüter getätigt werden, steigen die Importe des Auslands, die Exporte des Inlands darstellen. Im Inland ist also eine Importminderung und eine Exportzunahme eingetreten, beides zusammen ergibt den Realtransfer. Dessen Höhe hängt von den marginalen Importquoten des In- und Auslands ab; beträgt deren Summe 1, entsprechen Exportzuwachs und Importminderung im Inland genau dem Kapitalexport, d.h. der reale Transfer ist vollkommen.Ist die Summe kleiner oder größer als 1, entspricht der Realtransfer zunächst nicht dem Kapitalexport, es verschieben sich jedoch die Preisrelationen zwischen In- und Ausland, sodass es letztlich doch zu einem Ausgleich kommen kann: Ist die genannte Summe z.B. kleiner als 1, d.h. der Realtransfer kleiner als der Kapitalexport, werden im Inland Gesamtausgaben und Geldmenge kleiner sein (im kreditnehmenden Ausland größer) als im Ausgangszustand, d.h. im Inland ergibt sich eine Preisniveausenkung, im Ausland eine -zunahme. Dies wirkt im Inland exportfördernd und importhemmend, sodass sich der Leistungsbilanzsaldo des Inlands solange verbessern dürfte, bis der reale dem monetären Transfer entspricht. Ist die genannte Summe größer als 1, tritt analog die umgekehrte Wirkungskette ein.

    Keynesianischer Transfermechanismus

    Er unterscheidet sich im Wesentlichen durch die Annahmen,dass Multiplikatorprozesse im In- und Ausland wirksam sind sowie dass der Kapitalexport im Inland (z.T. oder sogar vollständig) aus Enthortung oder Geldschöpfung finanziert und im kreditnehmenden Ausland (z.T. sogar vollständig) zur Hortung verwendet werden kann. Je nach unterstellter Konstellation ergeben sich dementsprechend vom klassischen Transfermechanismus mehr oder weniger stark abweichende Ergebnisse. Dass sich Kapitalexport und Realtransfer genau entsprechen, ist hier nur unter sehr restriktiven Prämissen zu erwarten. Kritisch wird zum keynesianischen Transfermechanismus u.a. angeführt, dass in der Realität die Möglichkeit besteht, den Kreditbetrag im Inland auch durch Reduzierung der Importe aufzubringen sowie ihn im Ausland unmittelbar zur Erhöhung der dortigen Importe zu verwenden; in derartigen Fällen dürfte die Wahrscheinlichkeit, dass der Realtransfer dem Kapitalexport exakt entspricht, steigen.

    zuletzt besuchte Definitionen...

      Mindmap Transfermechanismus Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/transfermechanismus-49246 node49246 Transfermechanismus node48770 Vollbeschäftigung node49246->node48770 node37070 Kredit node49246->node37070 node37239 internationale Kapitalbewegungen node49246->node37239 node44684 Realtransfer node49246->node44684 node34869 fester Wechselkurs node49246->node34869 node42936 Sozialpolitik node42936->node44684 node34935 High Employment Budget ... node34935->node48770 node44575 Produktionspotenzial node37240 Mindestlohn node37240->node48770 node48770->node44575 node41377 Kreditauftrag node41377->node37070 node41308 Kreditsicherheiten node41308->node37070 node47779 Vorfälligkeitsentschädigung node47779->node37070 node37145 Kreditleihe node37070->node37145 node39243 Kapitalflucht node39243->node44684 node46076 Portfolio-Investition node37239->node46076 node28357 Direktinvestition node37239->node28357 node48022 Zentralbank node37239->node48022 node49553 Zahlungsbilanz node37239->node49553 node50442 Transfers node44684->node50442 node30459 Bretton-Woods-Abkommen node30459->node34869 node44947 Realignment node50469 Wechselkurs node34869->node44947 node34869->node50469 node34869->node48022 node54086 Arbeitsbeziehungen node54086->node48770
      Mindmap Transfermechanismus Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/transfermechanismus-49246 node49246 Transfermechanismus node37239 internationale Kapitalbewegungen node49246->node37239 node34869 fester Wechselkurs node49246->node34869 node44684 Realtransfer node49246->node44684 node37070 Kredit node49246->node37070 node48770 Vollbeschäftigung node49246->node48770

      News SpringerProfessional.de

      • Was Bewerber garantiert abschreckt

        Sie sollen Status symbolisieren und modern daher kommen, erreichen aber das genaue Gegenteil. Arbeitsuchende empfinden englische Jobtitel häufig als unnötig aufgebläht. Keep ist simple, ist der bessere Anglizismus im Recruiting.

      • Big Brother im Büro

        Die totale Überwachung von Mitarbeitern ist längst keine negative Utopie mehr, wie sie George Orwell oder Dave Eggers in ihren Romanen heraufbeschwören. Unternehmen können bereits jetzt die Aktivitäten ihrer Angestellten rundum erfassen. Wissenschaftler warnen vor Missbrauch.

      • Private Equity in Deutschland boomt

        Unternehmen günstig kaufen und mit Gewinn verkaufen. Das ist das Konzept von Private Equity-Gesellschaften. Sie sind in Deutschland nach wie vor sehr aktiv, wie eine aktuelle Studie zeigt.

      • Zu wenig Innovation vor lauter Transformation

        Im BCG-Innovations-Ranking 2018 liegen US- und Digitalunternehmen klar vorn. Deutsche Firmen sind erst ab Platz 21 zu finden. Doch was hemmt hierzulande eigentlich die Innovationskraft?

      • Talentierte Mitarbeiter finden und binden

        Im hart gewordenen "War for Talents", in dem Fachkräfte begehrter denn je sind, vergessen Unternehmen offenbar, auf die internen Talente zu setzen. Dabei schlummern in der Belegschaft oft ungeahnte Potenziale.

      • Digitalisierung in betrieblicher Altersvorsorge angekommen

        Mittlerweile ist die Digitalisierung auch in der betrieblichen Altersvorsorge angekommen. Die aktuelle Mercer-Studie deckt Details auf und erklärt, wieso sich zwei Drittel der befragten Unternehmen eine digitale Informationsplattform wünschen.

      • Industrie 4.0 – und Schicht im Schacht?

        Je nach Standpunkt und Blickwinkel scheint der Trend zu Digitalisierung und Vernetzung der Industrie zur Industrie 4.0 positive oder negative Auswirkungen auf die Arbeitsplatzentwicklung zu versprechen. Wirtschaftsforscher haben jetzt eine Gesamtschau versucht.

      • Agile Führung zur Stärkung der Veränderungsintelligenz

        Braucht Agilität überhaupt noch Führung? Oder sind Führung und Agilität nicht ein Widerspruch in sich? Wie das Konzept der Veränderungsintelligenz zeigt, hängt die Antwort vom jeweiligen Agilitätskontext ab, so Gastautorin Antje Freyth.

      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Dr. Carsten Weerth
      Hauptzollamt Bremen
      Lehrbeauftragter an der FOM Hochschule für Oekonomie und Management

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

      Springer Professional - Die Flatrate für Fachzeitschriften und Bücher
      Zur empirischen Untersuchung der Annahme einer weltweiten Verbreitung neuer ökonomischen und organisatorischen Prinzipien und damit der Etablierung neoliberaler Handlungsorientierungen in Großunternehmen wird ein Forschungsprogramm benötigt, mit …
      Auch der jüngste Zwei-Stufen-Vorschlag der EU-Kommission stößt auf Ablehnung bei der Deutschen Kreditwirtschaft. Die EZB bringt Plattformen für faule Kredite ins Spiel. Letztlich dreht sich alles um die Abhängigkeit von Banken und Staaten. Sie ist politisch gewollt, lähmt aber zugleich die Politik. 
      In diesem letzten Kapitel werden zunächst die zentralen Beiträge der vorliegenden Studie für die betriebswirtschaftliche Forschung vorgestellt. Aufbauend auf diesen Erkenntnissen erfolgt anschließend die Ableitung der wesentlichen Erfolgsfaktoren …

      Bücher auf springer.com

      Sachgebiete