Direkt zum Inhalt

elektronischer Geschäftsverkehr

Definition

1. Zur Umsetzung der E-Commerce-Richtlinie ist in § 312e BGB bestimmt, dass der Unternehmer, der sich zum Zwecke des Abschlusses von Verträgen über die Lieferung von Waren oder die Erbringung von Dienstleistungen eines Tele- oder Mediendienstes bedient, bestimmte Pflichten gegenüber dem Kunden hat. 2. Umsatzsteuerliche Behandlung: Bei der Umsatzsteuer ist zunächst zu unterscheiden, ob lediglich der Vertragsabschluss auf elektronischem Wege erfolgt, anschließend dann aber eine Lieferung bestellter Ware auf traditionellem Wege, oder ob nicht nur die Bestellung, sondern auch die Ausführung der Leistung auf dem Weg über das Internet erfolgt (nur Letzteres ist "auf elektronischem Wege erbrachte Dienstleistung" im Sinne der Umsatzsteuer). 3. Bei der Einkommen-/Körperschaftsteuer gelten für den elektronischen Geschäftsverkehr bislang keine bes. Regelungen.

GEPRÜFTES WISSEN
Über 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 25.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition

    1. Zur Umsetzung der E-Commerce-Richtlinie 2000 ist in § 312e BGB bestimmt, dass der Unternehmer, der sich zum Zwecke des Abschlusses von Verträgen über die Lieferung von Waren oder die Erbringung von Dienstleistungen eines Tele- oder Mediendienstes bedient, bestimmte Pflichten gegenüber dem Kunden hat. Er muss
    (1) angemessene, wirksame und zugängliche Mittel zur Verfügung stellen, damit der Kunde Eingabefehler vor der Abgabe der Bestellung korrigieren kann;
    (2) nach der BGB-Informationspflichten-Verordnung i.d.F. vom 5.8.2002 (BGBl. I 3002) bestimmte Informationen über Vertragsschluss, Datenspeicherung, Sprachen und Verhaltensregelwerke geben;
    (3) den Zugang der Bestellung unverzüglich auf elektronischem Weg bestätigen und
    (4) Abruf und Speicherung der Vertragsbestimmungen ermöglichen.

    2. Umsatzsteuerliche Behandlung:
    Grundsätzliches: Bei der Umsatzsteuer ist zunächst zu unterscheiden, ob lediglich der Vertragsabschluss auf elektronischem Wege erfolgt, anschließend dann aber eine Lieferung bestellter Ware auf traditionellem Wege, oder ob nicht nur die Bestellung, sondern auch die Ausführung der Leistung auf dem Weg über das Internet erfolgt (nur Letzteres ist „auf elektronischem Wege erbrachte Dienstleistung“ im Sinne der Umsatzsteuer).

    a) Erfolgt nur der Abschluss der Ware auf elektronischem Wege, die Auslieferung aber traditionell, gelten die ganz normalen umsatzsteuerlichen Regeln: Lieferung, sonstige Leistung, Ort der Lieferung, Ort der sonstigen Leistung.

    b) Für auf elektronischem Wege erbrachte Leistungen gelten dagegen folgende Besonderheiten:
    aa) Es handelt sich in allen Fällen um sonstige Leistungen, nicht um Lieferungen (da über das Netz keine Verfügungsmacht über einen Gegenstand verschafft, sondern nur Daten transferiert und Rechte eingeräumt werden können).
    bb) Leistungen zwischen Unternehmen werden nicht in dem Land des Anbieters, sondern im Land des Kunden der Besteuerung unterworfen (§ 3a IV UStG bis Ende 2009, danach mit gleichem Ergebnis § 3a II UStG 2010). Ist der Anbieter ein ausländischer Unternehmer, hat im Regelfall der Kunde für die Zahlung der Steuer zu sorgen, zahlt also nur einen Nettopreis, und der Anbieter darf keine Umsatzsteuer in Rechnung stellen (§ 13b UStG; Reverse-Charge-Verfahren).
    cc) elektronisch erbrachte Umsätze eines Unternehmers an private Abnehmer werden nach Ablauf einer Übergangsfrist (bis 2015) jeweils am Wohnort des privaten Kunden der Besteuerung unterworfen werden; das wird dazu führen, dass Unternehmer, die solche Dienstleistungen anbieten, relativ leicht gleichzeitig in allen 27 Mitgliedsstaaten der EU der Umsatzsteuer unterliegen können. Geplant ist, dieser Problematik im Zusammenhang mit den Steuererklärungspflichten dadurch Rechnung zu tragen, dass die betroffenen Unternehmen in einem einzigen Staat der EU eine Steuererklärung über all ihre steuerlichen Verpflichtungen gegenüber den 27 Mitgliedsstaaten abgeben können und dass dieser Mitgliedsstaat dann die weitere Bearbeitung des Falles und die Verteilung des Geldes gegenüber allen übrigen Staaten übernimmt (Konzept der einzigen Anlaufstelle). Gegenwärtig wird diese Regelung bereits gegenüber Drittstaatenanbietern praktiziert (§ 3a IIIa UStG bis Ende 2009), während EU-Unternehmen noch für eine Übergangszeit eine Versteuerung der an privat erbrachten Umsätze in ihrem Sitzstaat durchführen können (§ 3a I UStG). Administratives Hauptproblem an der Versteuerung im Land des privaten Kunden wird für alle betroffenen Unternehmer sein, den Wohnort des Kunden überhaupt hinreichend rechtssicher feststellen zu können; das erklärt und rechtfertigt die Einräumung einer Übergangsfrist bis 2015.

    3. Bei der Einkommen-/Körperschaftsteuer gelten für den elektronischen Geschäftsverkehr bislang keine bes. Regelungen. Ausschlagend dafür, wo Steuern zu zahlen sind, ist also letztlich das Betriebsstättenprinzip, und zwar sowohl für die lediglich auf elektronischem Wege angebahnten wie auch für die auch auf elektronischem Wege ausgeführten Leistungen. Allerdings ist beim elektronischen Geschäftsverkehr zu beachten, dass die Standortwahl bei Unternehmen hier kaum von den natürlichen Gegebenheiten der jeweiligen Länder abhängt; hier ist es also möglich, dass Steuerunterschiede einen erheblichen Einfluss auf die Standortwahl haben und der internationale Steuerwettbewerb deshalb erhebliche Bedeutung erlangt.

    zuletzt besuchte Definitionen...

      Mindmap elektronischer Geschäftsverkehr Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/elektronischer-geschaeftsverkehr-34108 node34108 elektronischer Geschäftsverkehr node51564 Ort der sonstigen ... node34108->node51564 node51563 Ort der Lieferung node34108->node51563 node33928 E-Commerce-Richtlinie 2000 node34108->node33928 node45184 sonstige Leistung node34108->node45184 node37813 Lieferung node34108->node37813 node49288 Vermittlungsleistungen node49288->node45184 node39529 Lieferungsort node39529->node51564 node51564->node45184 node31969 Gegenstand der Lieferung node31969->node51563 node47412 Versandhandelsregelung node51572 Mehrwertsteuersystemrichtlinie node51563->node47412 node51563->node51572 node40911 Leistung node40911->node45184 node45184->node37813 node37520 Mindestbemessungsgrundlage node37520->node37813 node36751 Eigenhandel node36751->node37813 node41391 Kundenumsatz node41391->node37813 node49603 Umsatzsteuer node49603->node45184 node37813->node49603 node47421 Versicherungsgesellschaft node47421->node51564
      Mindmap elektronischer Geschäftsverkehr Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/elektronischer-geschaeftsverkehr-34108 node34108 elektronischer Geschäftsverkehr node33928 E-Commerce-Richtlinie 2000 node34108->node33928 node37813 Lieferung node34108->node37813 node45184 sonstige Leistung node34108->node45184 node51563 Ort der Lieferung node34108->node51563 node51564 Ort der sonstigen ... node34108->node51564

      News SpringerProfessional.de

      • Was Arbeit in Europa kostet

        Für eine Arbeitsstunde zahlt die deutsche Wirtschaft durchschnittlich 34,1 Euro. Doch bei den Arbeitskosten gibt es zwischen den EU-Mitgliedstaaten deutliche Unterschiede: Es geht noch teurer – aber auch viel billiger.

      • "Das Silicon Valley ist nicht über Nacht entstanden"

        Wenn es ein Digitalisierungs-Mekka gibt, in das deutsche Manager pilgern, ist es das Silicon Valley. Was Unternehmen von den US-Vorreitern lernen und ob sie die 180-Grad-Wende schaffen können, beantworten Sven Grote und Rüdiger Goyk im Gespräch.

      • Utility 4.0 – mehr als eine Worthülse?

        Vierpunktnull auf Teufel komm raus. Kein Themengebiet scheint heute ohne das Zahlenkürzel '4.0' auszukommen. Mit Utility 4.0 ist dieses Phänomen nun auch im Energiesektor angekommen. Zu Recht?

      • Das blaue Jobwunder der Digitalisierung

        Immer mehr Studien prognostizieren, dass die digitale Transformation insgesamt keine Arbeitsplätze kostet. Denn es entstehen auch jede Menge neue Jobs. Die erfordern jedoch andere Kompetenzen.

      • Starke Teams lassen Risiken zu

        "Werde eins mit deinem Projekt", proklamierte vor Jahren eine Baumarktkette. Ein kerniger Slogan, der seine Parallele in einer Google-Studie findet: Teammitglieder die risikobereit in ihrer Aufgabe aufgehen, arbeiten effektiver.

      • "Freibeträge in Abfindungsregelungen wieder einführen"

        Seit 1. Januar gilt die Institutsvergütungsverordnung (IVV). Mit ihr wurden in erster Linie die Anforderungen der Leitlinien der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde EBA für eine solide Vergütungspolitik in deutsches Recht umgesetzt. Wie sich das auf die Personal- und Abfindungsstrategien bei den Banken auswirkt, erklärt Jurist Christoph Abeln im Interview.

      • So teuer wird der Fachkräftemangel

        Dass der Fachkräftemangel die deutsche Wirtschaft bremst, ist nicht neu. Allerdings war bislang nicht klar, wie sehr fehlendes Personal zu Buche schlägt. Einer Studie zufolge drohen bis zum Jahr 2030 wirtschaftliche Schäden in Milliardenhöhe. 

      • KMU zögern bei tiefgreifender Digitalisierung

        Der digitale Wandel wirkt sich auf die gesamte Wertschöpfungskette aus. Viele kleine und mittelständische Unternehmen haben das nicht vollends erkannt, weshalb sie sich auf die Optimierung einzelner interner Prozesse versteifen.

      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Dr. Norbert Dautzenberg
      Jade Hochschule
      Wilhelmshaven/Oldenburg/Elsfleth/,
      Standort Wilhelmshaven
      Verwalter einer Professur für Betriebswirtschaftliche Steuerlehre

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

      Springer Professional - Die Flatrate für Fachzeitschriften und Bücher
      Die Sonderregeln für den Fernabsatz tragen der Tatsache Rechnung, dass solche Verträge für den Verbraucher besonders risikoreich sind, da regelmäßig weder der Vertragspartner noch das Produkt bei Vertragsschluss präsent sind. Der Verbraucher bestellt
      Dieses Buch bietet eine umfassende und praxisbezogene Darstellung des IT-Rechts. Anhand zahlreicher Fallbeispiele und Urteile werden in verständlicher Form alle wichtigen Aspekte des Rechts im elektronischer Geschäftsverkehr behandelt. Das Buch …

      Sachgebiete