Direkt zum Inhalt

Finanztheorie

Definition

Theoretisch-analytische (modellmäßige) Grundlage der Finanzwissenschaft im Hinblick auf ihr methodisches Vorgehen bei der Analyse von Umfang, Struktur und Inzidenz des öffentlichen Haushalts sowie auf die Verknüpfung der Budgettheorie mit den gesamtwirtschaftlichen Grundproblemen der Stabilisierung, der Allokation und der Distribution.

GEPRÜFTES WISSEN
Über 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 25.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition

    1. Begriff: Theoretisch-analytische (modellmäßige) Grundlage der Finanzwissenschaft im Hinblick auf ihr methodisches Vorgehen bei der Analyse von Umfang, Struktur und Inzidenz des öffentlichen Haushalts sowie auf die Verknüpfung der Budgettheorie mit den gesamtwirtschaftlichen Grundproblemen der Stabilisierung (von Preisniveau und Beschäftigung), der Allokation (von knappen Gütern und Produktionsfaktoren samt den Wettbewerbs- und Wachstumskräften) und der Distribution (von Einkommen und Vermögen).

    Die Finanztheorie berücksichtigt namentlich in ihrer Ausprägung als Budgettheorie, dass die öffentliche Finanzwirtschaft in den volkswirtschaftlichen Kreislauf eingebettet ist und kraft ihrer Anbieter- und Nachfragerpotenz an den Güter- und Faktormärkten (Anbieter von Arbeitsstellen, entgeltlichen Leistungen, Wertpapieren; Nachfrager von Kapital, Gütern und Diensten) das marktwirtschaftliche System zu einer „gemischten” Wirtschaft macht (Wirtschaftsordnung). Die Finanztheorie berücksichtigt ferner, dass die öffentliche Finanzwirtschaft als Gewährleister der Versorgung an öffentlichen Gütern sowie als Hoheitsträger von Besteuerungsakten und Transfer- und Subventionszahlungen das politische System prägt.

    2. Methodik: a) Allgemein: Die Finanztheorie geht bei ihren Analysen der Wirkungsmöglichkeiten und Wirkungsweisen staatswirtschaftlicher Maßnahmen und Einrichtungen teils von normativen (z.B. wohlfahrtstheoretischen), teils von positiven Frageansätzen aus.

    b) Differenzialanalyse: Auf unterschiedliche Akzeptanz stoßen finanztheoretische Methoden, wenn sie Wirkungsanalysen mithilfe der Differenzialanalyse durchführen. Oft wird dieser Ansatz mit Blick auf die Realitätsferne solcher Ergebnisse als zu eng kritisiert.

    c) Individualistische Ausprägung der Finanztheorie: Die Finanztheorie ist individualistisch orientiert, wenngleich über das Angebot an öffentlichen Gütern wie auch über die zwangsweise Finanzierung dieses Angebots qua Steuern kollektiv entschieden wird. In ihrem grundlegenden Konzept geht die Finanztheorie davon aus, dass die ökonomischen Pläne und Handlungen auf Entscheidungen Einzelner (normativer und methodologischer Individualismus) beruhen und dass alle Austauschvorgänge von Faktoren und Gütern über Märkte geschehen. Erst wenn sich die Koordination der individuellen Einzelpläne über den Markt als unvollkommen oder als unmöglich erweist, wird auf die Koordination der Individualpläne in Kollektiven, bes. im Staat, zurückgegriffen.

    3. Teilbereiche:
    (1) Theorie der öffentlichen Güter;
    (2) Budgettheorie;
    (3) Ausgabentheorie;
    (4) Einnahmentheorie;
    (5) Theorie der Staatsschulden.
    (6) Ökonomische Theorie der Politik (A. Downs) und der Bürokratie (Niskanen; Buchanan).

    Vgl. auch Finanzpolitik.

    zuletzt besuchte Definitionen...

      Mindmap Finanztheorie Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/finanztheorie-34710 node34710 Finanztheorie node45206 öffentliches Gut node34710->node45206 node40095 methodologischer Individualismus node34710->node40095 node30607 Allokation node34710->node30607 node50911 Wirtschaftsordnung node34710->node50911 node32991 Finanzpolitik node34710->node32991 node45094 Organisation node39955 Infrastruktur node39955->node45206 node34801 externer Effekt node45206->node34801 node38621 Kollektivismus node36858 Erklärung node37562 Methodologie node37562->node40095 node41616 meritorische Güter node41616->node40095 node40095->node38621 node40095->node36858 node46338 Sozialismus node39031 Kommunismus node38124 Marktwirtschaft node30607->node38124 node50911->node45094 node50911->node46338 node50911->node39031 node50911->node38124 node45266 Staatsquote node36520 Haushaltsplan node29920 Budget node29920->node32991 node34043 Geldpolitik node32991->node45266 node32991->node36520 node32991->node34043 node38124->node45206 node45936 Pareto-Optimum node45936->node30607 node41093 Neoklassik node41093->node30607 node34985 Gerechtigkeit node34985->node30607 node50418 Verantwortung node50418->node45206
      Mindmap Finanztheorie Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/finanztheorie-34710 node34710 Finanztheorie node30607 Allokation node34710->node30607 node32991 Finanzpolitik node34710->node32991 node50911 Wirtschaftsordnung node34710->node50911 node40095 methodologischer Individualismus node34710->node40095 node45206 öffentliches Gut node34710->node45206

      News SpringerProfessional.de

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

      Bücher auf springer.com

      Sachgebiete