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KI-Ethik

Definition: Was ist "KI-Ethik"?

Mit der Künstlichen Intelligenz (KI) als Disziplin und der künstlichen Intelligenz (ebenfalls KI) als ihrem Gegenstand beschäftigen sich mehrere Bereichsethiken, etwa Informationsethik, Technikethik, Wirtschaftsethik und Roboterethik. Eine KI-Ethik ist noch nicht etabliert (dies gilt übrigens auch für eine Algorithmenethik, deren Begriff vielfach in Erscheinung tritt). Es ist die Frage, ob sie sich aus den genannten Bereichen der angewandten Ethik speisen kann oder ob man sie als selbstständige Fachrichtung ausarbeiten soll. Es ist einerseits nicht sinnvoll, zu viele Disziplinen zu begründen. Schon die Informationsethik ist im deutschsprachigen Raum unterrepräsentiert und bräuchte institutionell und finanziell Verstärkung (während Wirtschafts-, Medien- und Medizinethik breite Unterstützung erfahren). Andererseits stellt sich die Frage, warum keine KI-Ethik auf den Plan treten soll, wenn schon eine Roboterethik existiert und beide in gewissem Sinne komplementär sind.

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Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

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    Ausführliche Definition im Online-Lexikon

    Inhaltsverzeichnis

    1. Allgemein
    2. KI-Ethik und klassische Bereichsethiken
    3. KI-Ethik und Roboterethik
    4. KI-Ethik und Maschinenethik
    5. Kritik und Ausblick

    Allgemein

    Mit der Künstlichen Intelligenz (KI) als Disziplin und der künstlichen Intelligenz (ebenfalls KI) als ihrem Gegenstand beschäftigen sich mehrere Bereichsethiken, etwa Informationsethik, Technikethik, Wirtschaftsethik und Roboterethik. Eine KI-Ethik ist noch nicht etabliert (dies gilt übrigens auch für eine Algorithmenethik, deren Begriff vielfach in Erscheinung tritt). Es ist die Frage, ob sie sich aus den genannten Bereichen der angewandten Ethik speisen kann oder ob man sie als selbstständige Fachrichtung ausarbeiten soll. Es ist einerseits nicht sinnvoll, zu viele Disziplinen zu begründen. Schon die Informationsethik ist im deutschsprachigen Raum unterrepräsentiert und bräuchte institutionell und finanziell Verstärkung (während Wirtschafts-, Medien- und Medizinethik breite Unterstützung erfahren). Andererseits stellt sich die Frage, warum keine KI-Ethik auf den Plan treten soll, wenn schon eine Roboterethik existiert und beide in gewissem Sinne komplementär sind. Allerdings hat sich gezeigt, dass deren Begriff durchaus diffus ist. Hilfsweise und vorläufig soll unter einer KI-Ethik keine neue Bereichsethik und auch keine neue Ethik neben der Menschenethik verstanden werden, sondern ein neues Arbeitsgebiet. Dieses kann man aus den klassischen Bereichsethiken und der Maschinenethik heraus entfalten.

    KI-Ethik und klassische Bereichsethiken

    Die Informationsethik hat die Moral (in) der Informationsgesellschaft zum Gegenstand. Sie untersucht, wie wir uns, Informations- und Kommunikationstechnologien und digitale Medien anbietend und nutzend, in moralischer Hinsicht verhalten bzw. verhalten sollen. Ein neuer, zugleich unklarer Begriff ist der der digitalen Ethik. Mit Blick auf die KI ist z.B. die Frage, wie wir mit ihrer Hilfe observiert und analysiert werden, welche Verzerrungen durch sie entstehen und welche Vorurteile durch sie gefestigt werden (Bias-Diskussion). Typischerweise entstehen in Zusammenarbeit mit der Informationsethik, unter Verwendung ihrer Begriffe und Methoden, auch ethische Leitlinien, deren Nutzen umstritten ist. Die Technikethik bezieht sich auf moralische Fragen des Technik- und Technologieeinsatzes. Es kann um die Technik von Fahrzeugen oder Waffen ebenso gehen wie um die Nanotechnologie oder die Kernenergie. Sie interessiert sich dafür, wie Systeme künstlicher Intelligenz als Technologien und Werkzeuge einzuordnen sind, was wir ihnen zugestehen und wie wir uns ihnen gegenüber verhalten sollen. Die Wirtschaftsethik hat die Moral (in) der Wirtschaft zum Gegenstand. Dabei ist der Mensch im Blick, der wirtschaftliche Interessen hat, der produziert, handelt, führt und ausführt sowie konsumiert (Konsumentenethik), und das Unternehmen, das Verantwortung gegenüber Mitarbeitern, Kunden und Umwelt trägt (Unternehmensethik). Ersetzt künstliche Intelligenz den Menschen, nimmt sie ihm schwierige und anstrengende Tätigkeiten ab, ermöglicht sie ihm ein Leben mit weniger und mit besserer Arbeit? Das sind Fragen, die man in Bezug auf den Mitarbeiter aufwerfen kann.

    KI-Ethik und Roboterethik

    Zudem kann sich die Disziplin der Roboterethik mit der künstlichen Intelligenz beschäftigen. KI und Robotik haben unterschiedliche Ziele und Ergebnisse. Ihre Ergebnisse kann man aber integrieren, und intelligente Roboter sind von zunehmender Bedeutung, als Industrieroboter ebenso wie als Serviceroboter. Bei sozialen Robotern ist die Verwendung von KI weitgehend Standard, wenn man an Gesichts- und Stimmerkennung, Emotionserkennung und natürlichsprachliche Fähigkeiten denkt. Die Roboterethik kann zunächst als Keimzelle und Spezialgebiet der Maschinenethik aufgefasst werden. Gefragt wird dann danach, ob ein Roboter ein Subjekt der Moral (engl. "moral agent") sein und wie man diese implementieren kann. Man kann aber nicht nur nach den Pflichten oder Verpflichtungen (noch schwächer: Aufgaben), sondern auch den Rechten der Roboter fragen und danach, ob diese Objekte der Moral (engl. "moral patients") sind. Nicht zuletzt ist es möglich, die Disziplin in einem ganz anderen Sinne zu verstehen, nämlich in Bezug auf die Folgen des Einsatzes von Robotern für Menschen. In dieser Ausrichtung kann sie in Technik- und Informationsethik verortet oder diesen zugeordnet werden.

    KI-Ethik und Maschinenethik

    Die Maschinenethik kann von den klassischen Bereichsethiken getrennt werden. Während diese stets den Menschen als Subjekt der Moral thematisieren (auch in der Tierethik, wo das Tier Objekt der Moral ist, nicht Subjekt), fragt sie nach der Maschine als Subjekt der Moral. Und während sich die Bereichsethiken meist damit begnügen, über Maschinen nachzudenken, baut sie Maschinen, zusammen mit Künstlicher Intelligenz und Robotik, um sie dann zu erforschen und womöglich in die Praxis zu bringen. Autonomen Systemen wie bestimmten KI-Systemen und bestimmten Robotern kann man moralische Regeln beibringen. Meist sind dies vorgegebene Regeln, an die sich die Maschine unbedingt hält. Es gibt aber auch Prototypen, die ihre künstliche Moral anpassen und weiterentwickeln. Beide Ansätze haben Vor- und Nachteile, je nach Ausgangslage, Zielsetzung und Kontext. Das maschinelle Subjekt hat übrigens vieles von dem nicht, was das menschliche hat. Ein Roboter ist nicht gut oder böse, und man kann ihn moralisch nicht zur Verantwortung ziehen. Er kann aber unter mehreren Optionen die geeignete auswählen, unter Berücksichtigung moralischer Regeln oder Metaregeln bzw. Prinzipien.

    Kritik und Ausblick

    Die KI-Ethik erhält Auftrieb durch Entwicklungen seit 2022 wie ChatGPT, DeepL Write und DALL-E 2 oder Lensa. Zunächst handelt es sich dabei um ebenso mächtige wie disruptive Tools. Bei ChatGPT stellt sich die Frage, wie fehleranfällig und vorurteilsbeladen das Reinforcement Learning from Human Feedback (RLHF) ist. Zudem kann die Datenqualität unter die Lupe genommen werden. Auch wenn Dokumente und Quellen von Arbeitskräften klassifiziert und qualifiziert werden, bedeutet das nicht unbedingt, dass ihre Verwendung unproblematisch ist. Die Arbeitsverhältnisse selbst thematisiert die Wirtschaftsethik. Bei DeepL Write kann man beanstanden, dass dieses Lektorprogramm offensichtlich nicht den Regeln des Rechtschreibrats, sondern eigenen Regeln folgt. So werden Rechtschreibfehler, die mit Sonderzeichen im Wortinneren zusammenhängen, also mit einer sogenannten geschlechtergerechten Sprache, nicht als solche erkannt bzw. beanstandet. Dies kann man in der Informationsethik und in der Medienethik untersuchen. DALL-E 2 und Lensa schaffen auf der Grundlage von Text- und Bildmaterial wirkungsstarke Visualisierungen. Angeblich werden bei Lensa die weiblichen Avatare sexualisiert, was aber nicht von allen Benutzern bestätigt werden kann. Die KI-Ethik dringt zum Kern vor, zum Machine Learning, und widmet sich der Herkunft und Qualität der Daten und dem Aufbau, der Anpassung und der Weiterentwicklung der Algorithmen. Sie behandelt mehr und mehr, wie Roboterethik und Maschinenethik, ganz grundsätzliche Aspekte, etwa in Bezug auf das Verhältnis zwischen (den Funktionsweisen und Endresultaten) künstlicher und menschlicher Intelligenz.

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