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Maschinenethik

Definition

Die Maschinenethik hat die Moral von autonomen oder teilautonomen Programmen und Maschinen zum Gegenstand, etwa von Agenten, Robotern und Drohnen. Sie kann als Pendant zur Menschenethik angesehen werden.

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Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

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    Ausführliche Definition

    1. Begriff: Die Ethik bezieht sich üblicherweise auf die Moral von Menschen, von Individuen und Gruppen, und in gewissem Sinne auf die Moral von Organisationen. Es kann in Abweichung davon auch um die Moral von Maschinen wie Agenten, bestimmten Robotern und bestimmten Drohnen gehen, insgesamt von mehr oder weniger autonomen Programmen und Systemen. Man mag in diesem Fall von einer Maschinenethik sprechen und diese der Informationsethik (bzw. Computerethik und Netzethik) und der Technikethik zuordnen – oder auf eine Stufe mit der Menschenethik stellen. Den Begriff der Moral kann man mit Bezug auf Maschinen genauso hinterfragen wie den Begriff der Intelligenz. Der Begriff der Algorithmenethik wird teilweise synonym, teilweise eher in der Diskussion über Suchmaschinen und Vorschlagslisten sowie Big Data verwendet. Die Roboterethik ist eine Keimzelle und ein Spezialgebiet der Maschinenethik als Gestaltungsdisziplin, wenn sie nicht als Reflexionsdisziplin aufgefasst wird.

    2. Modelle der normativen Ethik: Die Pflichtethik oder Pflichtenethik bietet sich für die Implementierung von Moral offenbar an. Mit einer Pflicht, einer Regel vermag eine Maschine etwas anzufangen. Zum Beispiel kann man ihr beibringen, die Wahrheit zu sagen (was immer die Wahrheit im jeweiligen Kontext ist). Kann die Maschine mehr, als irgendeine Regel zu befolgen? Kann sie die Folgen ihres Handelns bedenken und in diesem Sinne verantwortlich agieren? Kann sie also einer Folgen- oder Verantwortungsethik verpflichtet sein? Solche Fragen müssen von der jungen Disziplin beantwortet werden, immer mit Blick auf aktuelle technische Entwicklungen. Herauszukristallisieren scheint sich, dass sich klassische Modelle der normativen Ethik, seien sie auf Immanuel Kant oder auf Aristoteles zurückzuführen, für die maschinelle Verarbeitung grundsätzlich eignen.

    3. Anwendungsbereiche: Chatbots, Agenten und Avatare, die Benutzer unterstützen und vertreten, autonome Systeme an der Börse (Stichwort "Automatisierter Handel" bzw. "Hochfrequenzhandel"), selbstständig fahrende Autos sowie Kampfroboter und -drohnen eröffnen der deskriptiven und normativen Maschinenethik ein weites Feld und fordern Informations- und Technikethik heraus: Werden wir in unserer Freiheit und in unseren Möglichkeiten eingeschränkt? Wissen wir immer, dass wir es mit Computern zu tun haben, oder werden wir manchmal getäuscht? Werden die einen von Diensten bevorzugt, die anderen benachteiligt? Schaden uns die Maschinen durch Wort und Tat? Wer übernimmt Verantwortung und lässt sich zur Verantwortung ziehen? Müssen sich die Maschinen uns gegenüber moralisch verhalten und wir uns gegenüber den Maschinen?

    4. Relevanz: Die Maschinenethik ist ein Prüfstein für die Ethik. Sie kann neue Subjekte und Objekte der Moral beschreiben und aufzeigen, welcher normative Ansatz jenseits der auf Menschen bezogenen Moralphilosophie sinnvoll ist. Und sie muss klären, wieweit die normativen Modelle maschinenverarbeitbar und -ausführbar sind. In der Metamaschinenethik werden Menschen- und Maschinenethik und von diesen gebrauchte Begriffe verglichen. Die Anwendungsbereiche der Maschinenethik haben hochrelevante wirtschaftliche und technische Implikationen. Wir brauchen Ethik nicht mehr nur, um unser Zusammenleben zu beschreiben und zu überprüfen, sondern auch, um unser Überleben in der Informationsgesellschaft zu sichern. Durch die Industrie 4.0 wird die Maschinenethik einen substantiellen Bedeutungszuwachs erfahren.

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      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Prof. Dr. Oliver Bendel
      Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW, Hochschule für Wirtschaft, Institut für Wirtschaftsinformatik
      Professor für Wirtschaftsinformatik, Wirtschaftsethik, Informationsethik und Maschinenethik

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

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