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Soziale Robotik

Definition

Die soziale Robotik beschäftigt sich mit (teil-)autonomen Maschinen, die in Befolgung sozialer Regeln mit Menschen interagieren und kommunizieren und zuweilen humanoid bzw. anthropomorph realisiert und mobil sind. Manche Experten lassen in diesem Zusammenhang nur physisch vorhandene Roboter gelten, andere auch virtuell umgesetzte, sogenannte Bots. Soziale Roboter täuschen oft Gefühle vor, und man spricht auch von "emotionaler und sozialer Robotik". Wenn die Maschinen zu moralisch adäquaten Entscheidungen fähig sein sollen, ist die Maschinenethik gefragt.

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    Ausführliche Definition

    1. Allgemein: Die soziale Robotik (engl. "social robotics") mit Wurzeln in den 1940er- und 1950er-Jahren und einem Boom seit ca. 1990 beschäftigt sich als Teilgebiet der Robotik mit (teil-)autonomen Maschinen, die in Befolgung sozialer Regeln mit Menschen interagieren und kommunizieren und zuweilen humanoid bzw. anthropomorph realisiert und mobil sind. Manche Experten lassen in diesem Zusammenhang nur physisch vorhandene Roboter gelten, andere auch virtuell umgesetzte, sogenannte Agenten oder Bots. Soziale Roboter täuschen oft Gefühle vor, und man spricht auch von "emotionaler Robotik" und "sozial-emotionaler Robotik". Wenn die Maschinen zu moralisch adäquaten Entscheidungen fähig sein sollen, ist die Maschinenethik gefragt.

    2. Merkmale: Die Maschinen, die die soziale Robotik hervorbringt, sind in ihren Handlungen und Aussagen sozial verträglich und erfüllen damit alltägliche Erwartungen bzw. befriedigen fundamentale Bedürfnisse. Sie versuchen sowohl physische als auch psychische Verletzungen und überhaupt das Leiden von Menschen zu vermeiden. Dazu gehört, dass sie Menschen nicht so hart anfassen wie (unempfindliche) Dinge, ihnen soweit wie möglich helfen und sie unterstützen und sie nicht beleidigen und beschimpfen. Man entwickelt neue Systeme, die für ihre Entscheidungen Regeln und Fälle herbeiziehen, sowie neue Technologien wie künstliche Haut und kombinierte Sensoren. Als moralische Maschinen, die Gegenstand der Maschinenethik sind, unterscheiden sie zwischen guten und schlechten (Sprech-)Akten. Dabei stehen allgemein akzeptierte Rechte und Pflichten wie die Menschenrechte im Hintergrund oder pragmatische, etwa auf die Anschauungen der Benutzer bezogene Modelle.

    3. Anwendungsbereiche: Eine wichtige Rolle spielt die soziale Robotik bei der Entwicklung von cyber-physischen Systemen (CPS). Bei CPS sind informations- und softwaretechnische mit mechanischen bzw. elektronischen Komponenten verbunden, wobei Datenaustausch und z.T. Kontrolle und Steuerung über eine Infrastruktur wie das Internet in Echtzeit abgewickelt werden. Wesentlicher Bestandteil sind mobile und bewegliche Maschinen, eingebettete Systeme und miteinander vernetzte Gegenstände (Internet der Dinge). Damit ist die soziale Robotik auch von Bedeutung für die Industrie 4.0, die sich durch Individualisierung bzw. Hybridisierung der Produkte und die Integration von Kunden und Geschäftspartnern in die Geschäftsprozesse auszeichnet, wobei Automatisierung und neue Formen der Mensch-Maschine-Kommunikation oder -Interaktion, nicht zuletzt durch den Einsatz sozialer Roboter, von Bedeutung sind. In der Industrie 4.0 soll ein verstärktes autonomes Arbeiten der Maschine genauso realisiert werden wie ein engeres (und doch konfliktfreies) Miteinander von Mensch und Maschine. Auch Tiere können in der sozialen Robotik (und von der Maschinenethik) berücksichtigt werden. In diesem Fall versuchen die Maschinen mithilfe sozialer Konventionen (oder moralischer Überzeugungen) das Wohl aller Lebewesen zu fördern. Auch ein direkter Bezug zum Tier ist möglich, etwa ein Vermeiden seines Leidens um seiner selbst willen, wobei hier der Begriff des Sozialen zu hinterfragen wäre. Dies ist auch notwendig, wenn Maschinen mit anderen Maschinen interagieren und kommunizieren (Maschine-Maschine-Kommunikation).

    4. Kritik und Ausblick: Eine grundsätzliche Diskussion in der sozialen Robotik ist auch eine grundsätzliche Diskussion in der Künstlichen Intelligenz (KI). Zuletzt hat der Intelligenzbegriff der schwachen KI dominiert. Ihr geht es vornehmlich um die Simulation intelligenten Verhaltens. Allerdings sind nun Bedürfnisse der Praxis hinzugekommen, in denen Fähigkeiten gefragt sind, die man bisher eher der starken KI zugeordnet hätte, die – seit ihren Anfängen in den 1950er-Jahren – ein Bewusstsein und Gefühle von Maschinen erreichen will und in wesentlichen Aspekten gescheitert ist. Roboter sollen vorsichtig gegenüber Menschen sein, in ihren Worten und Handlungen, und sie sollen sich sogar moralisch verhalten. Diese Anforderungen können innerhalb der schwachen KI mithilfe neuer Ansätze gelöst werden. Es müssen aber auch Ansätze der starken KI hinzugenommen werden, und es ist nicht auszuschließen, dass manche der Versprechen der starken KI auf diesem Umweg doch noch eingelöst werden können. Einen direkten Weg versuchen Forschungsprojekte zu nehmen, in denen das menschliche Gehirn maschinell nachgebaut wird, wobei die Prämissen ausgesprochen umstritten sind. Letztlich dürfte es unerheblich sein, ob die Maschine wirklich, aus eigenem Antrieb, sozial und moralisch ist oder nur scheinbar, als Simulation. Entscheidend scheint in der sozialen Robotik wie auch in der Maschinenethik das Ergebnis zu sein, also die funktionierende, friedliche, angenehme und moralisch angemessene Koexistenz von Mensch und Maschine.

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      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Prof. Dr. Oliver Bendel
      Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW, Hochschule für Wirtschaft, Institut für Wirtschaftsinformatik
      Professor für Wirtschaftsinformatik, Wirtschaftsethik, Informationsethik und Maschinenethik

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

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