Direkt zum Inhalt

Technikethik

Definition

Die Technikethik bezieht sich auf moralische Fragen des Technik- und Technologieeinsatzes. Es kann um die Technik von Häusern, Fahrzeugen oder Waffen ebenso gehen wie um die Nanotechnologie. Zu Wissenschafts-, Informations- und Wirtschaftsethik besteht ein enges Verhältnis.

GEPRÜFTES WISSEN
Über 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 25.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition

    1. Begriff: Die Technikethik bezieht sich auf moralische Fragen des Technik- und Technologieeinsatzes. Es kann um die Technik von Häusern, Fahrzeugen oder Waffen ebenso gehen wie um die Nanotechnologie. Zur Wissenschaftsethik und (in der Informationsgesellschaft) zur Informationsethik besteht ein enges Verhältnis. Zudem muss die Technikethik mit der Wirtschaftsethik kooperieren.

    2. Technikfolgenabschätzung und Technikethik: Technikfolgenabschätzung (TA), auch Technologiefolgenabschätzung genannt, ist für Analyse und Bewertung der Wirkungen und Folgen einer Technik bzw. Technologie zuständig und ein wichtiges Instrument bei der Beratung der Politik. In Deutschland gibt es das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB), in der Schweiz das Zentrum für Technologiefolgen-Abschätzung TA-SWISS, in Österreich das Institut für Technikfolgen-Abschätzung (ITA). Die Technologiefolgenabschätzung ist interdisziplinär und bedient sich der Methoden verschiedener Wissenschaften, etwa von Soziologie und Philosophie. In moralischen Fragen der Informations- und Wissensgesellschaft trifft sich die TA mit mehreren Bereichsethiken.

    3. Zentrale Fragen: Nach Otfried Höffe sind Technikfolgen ein bedeutendes Thema der Ethik geworden, weil die wissenschaftlich geleitete Technik die Arbeits- und Lebenswelt der Menschen immer nachhaltiger beeinflusse, umgestalte und schaffe. Primäre Problemfelder praktischer Verantwortung und ethischer Reflexion seien in diesem Zusammenhang u.a. die Klärung der moralischen Berechtigung der Nutzung von Kernenergie, die Abschätzung von Gefahren und Chancen der Prägung, Bildung, Manipulation und Deformation des Menschen durch die Medien- und Computertechnik sowie "die Sicherung der Humanität der Arbeitswelt im Rahmen der Globalisierung der marktgesellschaftlichen Ökonomie", die durch die neuen Techniken und durch Systeme der Information und Mobilität ermöglicht und vorangetrieben werde. Annemarie Pieper verweist auf die ethischen Voraussetzungen des "Herstellungshandelns" und fordert eine Verantwortungsethik für "jene Personengruppen, die durch die Erzeugung technischer Produkte massiv in unsere Lebensverhältnisse eingreifen".

    4. Weitere Entwicklung: Mit der Technisierung der unbelebten und belebten Welt, wie sie sich etwa bei den denkenden Dingen, bei cyber-physischen Systemen, in der Gentechnik und im Transhumanismus zeigt, nimmt die Bedeutung der Technikethik zu. Mit der Computerisierung der Technik wächst die Technikethik noch mehr mit der Informationsethik zusammen, die aus der einen Perspektive innerhalb ihrer Grenzen entstanden ist, aus einer anderen Perspektive sich eigenständig entwickelt und längst als Bereichsethik etabliert hat. Hinsichtlich der Entwicklung und Produktion von Technik und Technologien, im E-Business, in der Industrie 4.0 und überhaupt bei ökonomischer Relevanz ist zudem die Wirtschaftsethik gefragt, bei auf Wissenschaft basierenden (also immer mehr) Erkenntnissen und Produkten die Wissenschaftsethik. Jetzt und in Zukunft geht es darum, Pieper folgend, dass das technisch Machbare durch das ethisch Wünschenswerte restringiert wird. Allerdings ist zu beachten, dass auch das technisch Versäumte unwillkommene Auswirkungen haben kann.

    Mindmap Technikethik Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/technikethik-53883 node53883 Technikethik node42040 Produktion node53883->node42040 node54077 Cyber-physische Systeme node53883->node54077 node34332 Ethik node53883->node34332 node54080 Wirtschaft node53883->node54080 node54032 Industrie 4.0 node53883->node54032 node51842 Web 2.0 node28662 Dienstleistungen node42040->node28662 node45598 Produktionsfaktoren node42040->node45598 node40330 Logistik node35160 Effizienz node54077->node40330 node54077->node35160 node54077->node54032 node48087 Unternehmen node54101 Big Data node54101->node54077 node54101->node54032 node50164 Utilitarismus node34332->node50164 node54080->node42040 node54080->node48087 node54080->node28662 node54080->node54032 node54195 Digitalisierung node54195->node54080 node54195->node54032 node54032->node51842 node54032->node42040 node32648 Freiheit node32648->node34332 node44920 Subsidiarität node44920->node34332 node34985 Gerechtigkeit node34985->node34332
    Mindmap Technikethik Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/technikethik-53883 node53883 Technikethik node34332 Ethik node53883->node34332 node54032 Industrie 4.0 node53883->node54032 node54077 Cyber-physische Systeme node53883->node54077 node42040 Produktion node53883->node42040 node54080 Wirtschaft node54080->node53883

    News SpringerProfessional.de

    Literaturhinweise SpringerProfessional.de

    Bücher auf springer.com

    Sachgebiete