Direkt zum Inhalt

Prinzipal-Agent-Theorie der Unternehmung

Definition

Die Prinzipal-Agent-Theorie der Unternehmung hat sich aus der Manager-Theorie der Unternehmung entwickelt, wobei das Problem der Trennung zwischen Eigentümer und Manager auf alle Verträge ausgedehnt wird (Agency-Theorie), in denen das Verhalten des Beauftragten die Vermögensposition des Auftraggebers zwar negativ, jedoch nicht ohne weiteres nachweisbar beeinflussen kann.

GEPRÜFTES WISSEN
Über 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 25.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition

    1. Gegenstand: Die Prinzipal-Agent-Theorie der Unternehmung hat sich aus der Manager-Theorie der Unternehmung entwickelt, wobei das Problem der Trennung zwischen Eigentümer und Manager auf alle Verträge ausgedehnt wird (Agency-Theorie), in denen das Verhalten des Beauftragten die Vermögensposition des Auftraggebers zwar negativ, jedoch nicht ohne weiteres nachweisbar beeinflussen kann.

    Das Anreizschema des Agenten muss nicht mit dem des Auftraggebers kompatibel sein, sodass seine Interessen nicht automatisch vollständig realisiert werden, wenn der Agent seine eigenen Ziele verfolgen kann. Es bedarf daher einer Kontrolle des Agenten bzw. der Schaffung anreizkompatibler Arrangements mit anreizkompatiblen Zahlungen.

    Kontrolle verursacht Kosten und ist nur dann ökonomisch effizient, wenn die Grenzerlöse größer als die Grenzkosten der Kontrolle sind.

    Das Ausmaß des Agency-Problems hängt von der Ausgestaltung des Anreiz- und Kontrollmechanismus bzw. von der Vertragsgestaltung ab.

    Gegenstand der Prinzipal-Agent-Theorie der Unternehmung ist die (positive) Analyse dieser Arrangements sowie die Empfehlung ökonomisch effizienter Vertragsstrukturen (normative Theorie).

    2. Grundidee: Bezogen auf die Theorie der Unternehmung wird die Produktionstheorie um die Vertragsstruktur erweitert und die Unternehmung als Nexus impliziter und expliziter Verträge aufgefasst. Die Verträge sind annahmegemäß vollständig und regeln daher das Prinzipal-Agent-Problem in beabsichtigter Weise. Vertragsstruktur und verfügbare Produktionstechniken bestimmen unter Beachtung rechtlicher Restriktionen die Kostenfunktion eines Produkts, das mit einer bestimmten Organisationsform hergestellt wird. Es überleben im Wettbewerbsprozess die Organisationsformen, die das Produkt zum niedrigsten Preis kostendeckend anbieten können.

    3. Organisationsformen: Zentrale Merkmale/Eigenschaften der Organisationsformen sind
    (1) Risikoübernahme (Residual Claims) und der Entscheidungsprozess,
    (2) Entscheidungsmanagement (Initiierung und Implementierung),
    (3) Entscheidungskontrolle (Ratifizierung und Überwachung). Effiziente Organisationsformen sind die, die entweder (1) bis (3) trennen oder zusammenfassen, nicht aber die Zwischen- oder Mischformen. Eine Trennung erfolgt bei großen Unternehmungen, in denen das spezifische Wissen auf verschiedene Agenten verteilt ist, seien es Aktiengesellschaften, große OHG etc., weil die Vorteile (Spezialisierungsvorteile bei Entscheidungen und Kontrolle, Vorteil der unbegrenzten Risikoübernahme) der Trennung größer seien als die Agency-Kosten. Eine Zusammenfassung der Eigenschaften erfolgt hingegen bei kleinen Unternehmungen mit kleiner Ausbringung, die als Eigentümer-Unternehmungen, OHG oder (Familien-)GmbH geführt werden. Hier sind die Vorteile der Trennung von (1) bis (3) geringer als die durch sie entstehenden Agency-Kosten.

    zuletzt besuchte Definitionen...

      Mindmap Prinzipal-Agent-Theorie der Unternehmung Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/prinzipal-agent-theorie-der-unternehmung-42581 node42581 Prinzipal-Agent-Theorie der Unternehmung node47410 Theorie der Unternehmung node42581->node47410 node46645 Produktionstheorie node42581->node46645 node30739 Agency-Kosten node42581->node30739 node49761 Vertrag node42581->node49761 node31542 Agency-Theorie node42581->node31542 node35586 Grundschuld node30819 Betrieb node29838 Absatzmarkt node37609 Management node47410->node30819 node47410->node29838 node47410->node37609 node38124 Marktwirtschaft node47410->node38124 node42560 Produktionsfunktion node51205 Wirtschaftssubjekt node51205->node46645 node42040 Produktion node45598 Produktionsfaktoren node46645->node42560 node46645->node42040 node46645->node45598 node29075 Anfechtung node30739->node49761 node30739->node31542 node44291 Stundung node32793 einseitige Rechtsgeschäfte node32793->node49761 node43008 Reputation node43008->node31542 node38077 Neue Institutionenökonomik node41233 Informationsasymmetrie node48987 Transaktionskosten node48987->node30739 node49761->node35586 node49761->node29075 node49761->node44291 node31542->node38077 node31542->node41233 node42910 Prinzipal-Agent-Theorie node31542->node42910 node42910->node30739
      Mindmap Prinzipal-Agent-Theorie der Unternehmung Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/prinzipal-agent-theorie-der-unternehmung-42581 node42581 Prinzipal-Agent-Theorie der Unternehmung node30739 Agency-Kosten node42581->node30739 node31542 Agency-Theorie node42581->node31542 node49761 Vertrag node42581->node49761 node46645 Produktionstheorie node42581->node46645 node47410 Theorie der Unternehmung node42581->node47410

      News SpringerProfessional.de

      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

      Bücher auf springer.com

      Sachgebiete