Direkt zum Inhalt

Finanzmarkttheoretische Ansätze

GEPRÜFTES WISSEN
Über 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 25.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition

    Unter finanzmarktheoretischen Ansätzen versteht man die modelltheoretische Beschreibung der Vorgänge auf real existierenden Finanzmärkten (wie z.B. Aktienmärkten). Die Theorie künstlicher Finanzmärkte bediente sich ursprünglich bekannter Konzepte aus der neoklassischen Theorie (Neoklassik) wie Hypothese des Rationalprinzips, rationale Erwartungshypothese, Effizienzmarkthypothese und Hypothese repräsentativer Agenten. Als Konsequenz daraus lassen sich Preisentwicklungen auf diesen Märkten nur durch einen random walk beschreiben, da alle verfügbaren Informationen sofort in den Preisen verarbeitet werden. Mit diesen Annahmen lassen sich bekannte Phänomene auf Finanzmärkten wie Herdenverhalten und Blasenbildungen und stylized facts wie fat tails nicht abbilden, weshalb in neueren Ansätzen Agent-Based-Modelle zur Geltung kommen, die durch heterogene Agenten (wie Fundamentalisten, Chartisten) mit unterschiedlichen Handelsstrategien und der Möglichkeit des Wechselns dieser Strategie (unter Zugriff auf die Discrete-Choice-Theory) gekennzeichnet sind. Diese verhaltensökonomisch fundierten Modelle führen in der Regel auf eine komplexe nichtlineare Dynamik in diskreter Zeit, auf die sich die Bifurkations- und Chaostheorie (Bifurkation, Chaostheorie) algebraisch anwenden lassen (sofern ein deterministisches System vorliegt), während stochastische verhaltenstheoretische Ansätze nur mit hohem numerischen Aufwand über spezielle Algorithmen gelöst werden können. Neuerdings werden Finanzmarktmodelle mit neukeynesianischen Modellen kombiniert (Macro-Finance Dynamics, Neukeynesianisches Grundmodell mit begrenzter Rationalität), um die Auswirkungen von Finanzmarktstörungen (wie z.B. das Platzen einer Blase) auf die Güter- und Faktormärkte und die daraus resultierenden Rückwirkungen für den Finanzmarkt analysieren zu können. Dabei werden neukeynesianische Modelle zugrunde gelegt, bei denen die Agenten heterogen in der Erwartungsbildung sind und grundsätzlich die Möglichkeit haben, ihre Erwartungshypothese zu wechseln.

    Vgl. zugehöriger Schwerpunktbeitrag Neukeynesianische Makroökonomik.

    zuletzt besuchte Definitionen...

      Mindmap Finanzmarkttheoretische Ansätze Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/finanzmarkttheoretische-ansaetze-54338 node54338 Finanzmarkttheoretische Ansätze node28820 Chaos-Theorie node54338->node28820 node30437 Bifurkation node54338->node30437 node54327 Discrete-Choice-Theory node54338->node54327 node41093 Neoklassik node54338->node41093 node54351 Agent-Based-Modelle node54338->node54351 node45066 Random Walk node54338->node45066 node53626 DSGE-Modelle node29872 Differenzengleichung node30208 Attraktor node30437->node28820 node30437->node29872 node30437->node30208 node27709 Animal Spirits node54333 Switching Dynamics node54333->node54338 node54317 Neukeynesianisches Grundmodell mit ... node54317->node54338 node54327->node27709 node54327->node54333 node54327->node54317 node54332 NKM node54323 Agent-Based Computational Economics node39468 klassische Lehre node41093->node39468 node38052 Keynesianismus node41093->node38052 node54352 ABM node54351->node53626 node54351->node54332 node54351->node54323 node54351->node54352 node31758 Bestimmtheitsmaß node31758->node45066 node34334 Drift node31612 AR(p)-Prozess node43164 Stationarität node45066->node34334 node45066->node31612 node45066->node43164 node38124 Marktwirtschaft node38124->node41093 node44009 Perroux node44009->node41093 node48202 Verhulst-Dynamik node48202->node30437
      Mindmap Finanzmarkttheoretische Ansätze Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/finanzmarkttheoretische-ansaetze-54338 node54338 Finanzmarkttheoretische Ansätze node41093 Neoklassik node54338->node41093 node45066 Random Walk node54338->node45066 node54351 Agent-Based-Modelle node54338->node54351 node54327 Discrete-Choice-Theory node54338->node54327 node30437 Bifurkation node54338->node30437

      News SpringerProfessional.de

      • Maschinen-Export in die USA boomt

        Die Ausfuhren der deutschen Maschinenbau-Industrie bleiben auf Wachstumskurs – besonders in Richtung USA und China. In den ersten vier Monaten dieses Jahres stiegen die Ausfuhren im Vergleich zum Vorjahr um nominal 4,4 Prozent auf 56,1 Milliarden Euro.

      • "Der beste Deal kann sich zum Flop entwickeln"

        Wie Übernahmen von Unternehmen gelingen, erklärt M&A-Experte Florian Bauer im Exklusiv-Interview. Denn der Professor für strategisches Management an der Lancaster University Management School erlebt viel zu oft, wie die Integration zugekaufter Kandidaten scheitert.

      • Aufsichtsrat – kein Job für nebenbei

        Die Zeiten, in denen Vorstände nebenher zahlreiche Aufsichtsratsmandate anhäuften, sind vorbei. Die Hauptgründe: Zeitmangel und strengere Anforderungen. Beginnt nun die Ära der Berufsaufsichtsräte?

      • "Ignoranz versucht, einen anderen zum Nichts zu machen"

        Sie wirken auf den ersten Blick harmlos: Ignoranzfallen am Arbeitsplatz. Dabei handelt es sich um Mobbing, um subtile seelische Gewalt, die Mitarbeitern an die Nieren geht. Springer-Autorin Lilo Endriss erklärt im Interview, warum Ignoranzfallen so tückisch sind.

      • Verbraucher können bald gemeinsam klagen

        Der Bundestag hat entschieden: Ab November ist es Verbrauchern möglich, über Verbände eine Musterfeststellungsklage gegen Unternehmen einzureichen, um gemeinsam Schadensersatz zu fordern. Die Opposition sieht das Gesetz kritisch.

      • Psychopath und Psychopath gesellt sich gern

        Menschen mit psychopathischen Tendenzen sind unter rüden Chefs zu Bestleistungen fähig, so eine Studie. Was nach einer Win-Win-Situation für stressige Arbeitsumfelder klingt, hat auch seine Kehrseiten.

      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Prof. Dr. Hans-Werner Wohltmann
      Universität Kiel,
      Institut für Volkswirtschaftslehre
      Lehrstuhlinhaber

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

      Springer Professional - Die Flatrate für Fachzeitschriften und Bücher
      Die Annahme, dass die Renditen normalverteilt sind, ist sehr praktisch, da lediglich die ersten beiden Momente der Verteilung (also der Erwartungswert und die Varianz bzw. Standardabweichung) erforderlich sind, um die Renditeverteilung …
      Preisgrenzen sind zielkritische Preise 1 von Alternativen.2 Als Bewertung skennzahl3 dienen sie der Entscheidungsunterstützung, indem sie eine Unterscheidung zielgünstiger von zielungünstigen Alternativen ermöglichen und so ein …
      Von den Finanzmärkten gehen bedeutende Steuerungssignale für die Akteure in einer Marktwirtschaft aus. In der Vergangenheit wurden ökologische Aspekte von den Finanzmarktakteuren allerdings weitgehend ignoriert.

      Sachgebiete