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Subsistenzmittelfondstheorie

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Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

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    Ausführliche Definition im Online-Lexikon

    1. Charakterisierung: Bei den Klassikern der politischen Ökonomie existierte die Vorstellung eines vorgeschossenen gesamtwirtschaftlichen Lohnfonds, der aus den Gütern besteht, die die Arbeiter zum Leben brauchen (Subsistenzlohn). Die Lohnrate der Arbeiter ergibt sich aus der Division des Lohnfonds durch die Anzahl der insgesamt beschäftigten Arbeiter. Das Subsistenzniveau, das die Höhe des Lohnfonds bestimmt, ist nicht in einem biologischen Sinne zu verstehen, sondern wird aus den jeweiligen sozialen Bedingungen heraus bestimmt. Die Eigenschaft der Lohnrate, in Richtung des Subsistenzniveaus zu tendieren, wurde entweder über ein starkes Bevölkerungswachstum (Thomas Malthus) oder über die Tendenz des technischen Fortschritts, Arbeitskräfte freizusetzen und der Existenz einer daraus resultierenden "industirellen Reservearmee" (Karl Marx) begründet.

    Von Böhm-Bawerk griff das Konzept des Lohnfonds wieder auf. Der Lohnfonds ist jene Größe, aus der die Arbeitslöhne bestritten werden; die Höhe des Lohnfonds bestimmt wesentlich die Länge der durchschnittlichen Produktionsperiode. Varianten der Subsistenzmittelfondstheorie finden sich auch in den von Stingler, Eucken und von Stackelberg vertretenen Lohn- und Zinstheorien (Lohntheorien, Zinstheorien).

    Basis der Subsistenzmittelfondstheorie ist ein Vier-Klassen-Modell basierend auf Kapitalisten, Bodenbesitzern, (besitzlosen) Unternehmern und Arbeitern. Die Kapitalisten leihen den Unternehmern den Subsistenzmittelfonds, das ist eine Gütermenge (bes. Konsumgüter) bzw. deren monetärer Gegenwert. Die Überlassung dieses Subsistenzmittelfonds setzt die Unternehmer in den Stand, die Arbeiter zu beschäftigen, denn die Arbeiter müssen während der durchschnittlichen Produktionsperiode „alimentiert” werden. Die eingeschlagenen Produktionsumwege können nach dieser Lehrmeinung umso größer sein:
    (1) Je größer der Subsistenzmittelfonds,
    (2) je größer die Umschlagshäufigkeit des Kapitals (des Subsistenzmittelfonds),
    (3) je geringer der Lohnsatz und
    (4) je geringer die Zahl der zu beschäftigenden Arbeiter ist.

    2. Bedeutung: Die Subsistenzmittelfondstheorie ist Grundlage der monetären Überinvestitionstheorie in der Hayekschen Form.

    3. Kritik: Nach Preiser u.a. wird bei der Subsistenzmittelfondstheorie die Synchronisierung der Produktion übersehen. Da aber in jedem Moment Produktionsprozesse beginnen und abgeschlossen werden, müsse niemand auf das Erscheinen irgendeines Produktes warten, niemand während einer Produktionsperiode „alimentiert” werden. Damit werde der Subsistenzmittelfondstheorie ihre eigentliche Basis entzogen.

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