Direkt zum Inhalt

Bewertungsgesetz (BewG)

Definition

Neben der Abgabenordnung (AO) ist das Bewertungsgesetz (BewG) früher einmal das wichtigste Steuergesetz gewesen, in dem alle steuerlichen Bewertungsfragen geregelt waren, und das nur insoweit nicht anzuwenden war, als spezielle Steuergesetze (bes. Einkommensteuergesetze) eigene Bewertungsvorschriften aufweisen. Es hat jedoch an Bedeutung verloren, weil ein Großteil der Substanzsteuern heute abgeschafft ist (z.B. Gewerbekapitalsteuer), nicht mehr erhoben wird (Vermögensteuer) oder sich bei der Wertermittlung an der Steuerbilanz orientiert (verlängerte Maßgeblichkeit; Erbschaftsteuer). Deshalb ist das Bewertungsgesetz heute fast nur noch für die Grundsteuer von zentraler Bedeutung.

GEPRÜFTES WISSEN
Über 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 25.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition

    1. Begriff: Gesetz i.d.F. der Bekanntmachung vom 1.2.1991 mit zahlreichen späteren Änderungen. Neben der Abgabenordnung (AO) ist das Bewertungsgesetz (BewG) früher einmal das wichtigste Steuergesetz gewesen, in dem alle steuerlichen Bewertungsfragen geregelt waren, und das nur insoweit nicht anzuwenden war, als spezielle Steuergesetze (bes. Einkommensteuergesetze) eigene Bewertungsvorschriften aufweisen. Es hat jedoch an Bedeutung verloren, weil ein Großteil der Substanzsteuern heute abgeschafft ist (z.B. Gewerbekapitalsteuer), nicht mehr erhoben wird (Vermögensteuer) oder sich bei der Wertermittlung an der Steuerbilanz orientiert (verlängerte Maßgeblichkeit; Erbschaftsteuer). Deshalb ist das Bewertungsgesetz heute fast nur noch für die Grundsteuer von zentraler Bedeutung. Ergänzend gelten:
    (1) Durchführungsverordnung vom 2.2.1935 (BewDV) mit zahlreichen späteren Änderungen.
    (2) Bestimmungen zur Gewährleistung einer einheitlichen Rechtsanwendung enthielten früher Vermögensteuer-Richtlinien, heute die Erbschaftsteuer-Richtlinien.

    2. Ziel/Bedeutung: Das Bewertungsgesetz (BewG) sollte für die Substanzsteuern einheitliche Werte festsetzen, daher der Begriff Einheitswert. Bis zum Erlass des Bewertungsgesetzes (BewG) bestand die Einheitlichkeit der Steuerwerte nicht; da die neuen Bedarfswerte für Grundvermögen bei der Grundsteuer nicht gelten, ist die Einheitlichkeit der Bewertungsregeln heute aufgegeben.

    3. Aufbau/Inhalt: Das Bewertungsgesetz besteht aus drei Teilen und 26 Anlagen.

    a) Der erste Teil enthält allgemeine Bewertungsvorschriften (§§ 1–16 BewG) und gilt für alle öffentlich-rechtlichen Abgaben, die durch Bundesrecht geregelt sind, soweit sie durch Bundes- oder Landesfinanzbehörden verwaltet werden; von untergeordneter Bedeutung, wenn sich aus anderen Steuergesetzen oder aus dem zweiten Teil des Bewertungsgesetzes eine andere Bewertung ergibt (§ 1 BewG).

    Beispiele für abweichende Bewertungsansätze: §§ 6, 7 EStG (spezielle Bewertungsvorschriften für die Bewertung in der Steuerbilanz); § 10 IV UStG (Bewertung des Eigenverbrauchs).

    b) Der zweite Teil enthält bes.  Bewertungsvorschriften (§§ 17–203): aa) Bewertung und Erfassung der zu bewertenden Einheiten mittels der Einheitsbewertung, die für das land- und forstwirtschaftliche Vermögen, Grundvermögen und Betriebsvermögen durchgeführt wird (§§ 19–109a); gilt für Grund-, Gewerbe-, Erbschaft- und Grunderwerbsteuer, soweit in den betreffenden Steuergesetzen nichts Abweichendes bestimmt ist.

    Die einheitliche Bewertung für verschiedene Steuerarten erfordert ein bes. Ermittlungsverfahren (Einheitswertverfahren), durch das die Einheitswerte festgestellt werden.

    bb) Sondervorschriften (§§ 110–124).

    cc) Bewertung von Vermögen (§§ 125-137).

    dd) Grundbesitzbewertung für die Grunderwerbsteuer (§§ 138–150). – ee) Vorschriften zu gesonderten Feststellungen (§§ 152-156 BewG).

    ff) Bewertung von Grundbesitz, von nicht notierten Anteilen an Kapitalgesellschaften und von Betriebsvermögen für die Erbschaftsteuer (ab 1.1.2009) (§§ 157-203 BewG). – 3. Der dritte Teil enthält Schlussbestimmungen (§§ 204–205) und die Anlagen zum Bewertungsgesetz: z.B.
    (1) Tabellen zur Umrechnung von Tierbeständen in Vieheinheiten;
    (2) Vervielfältiger zur Ermittlung des Wertes von Grundstücken nach dem Ertragswertverfahren (Ertragswert), zur Berechnung von Kapitalwerten lebenslänglicher Nutzungen oder Leistungen und zur Berechnung von Pensionsverpflichtungen.

    4. Das Bewertungsgesetz ist durch die Erbschaftsteuerreform in größerem Umfang geändert bzw. ergänzt worden. Die Änderungen betreffen insbesondere die Bewertung von Betriebsvermögen.

    zuletzt besuchte Definitionen...

      Mindmap Bewertungsgesetz (BewG) Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/bewertungsgesetz-bewg-31366 node31366 Bewertungsgesetz (BewG) node30785 Abgabenordnung (AO) node31366->node30785 node35437 Ertragswert node31366->node35437 node50716 Vermögensteuer-Richtlinien (VStR) node50716->node31366 node33462 Erbschaftsteuer-Richtlinien (ErbStR) node50716->node33462 node50916 Vermögensteuer node50716->node50916 node34458 Einheitswert node34458->node31366 node48636 Weilsches Verfahren node48636->node31366 node48636->node34458 node42550 Sachwert node48636->node42550 node50952 Vermögensarten node32616 Grundvermögen node32616->node31366 node37884 land- und forstwirtschaftliches ... node37884->node31366 node49243 wirtschaftliche Einheit node49243->node31366 node49243->node50952 node49243->node32616 node49243->node37884 node32056 gemeiner Wert node32056->node35437 node46490 Steuerstraftat node30785->node46490 node46209 Realsteuern node30785->node46209 node40813 innerer Wert einer ... node40813->node35437 node27685 Barwert node35437->node27685 node48664 Vollstreckungsverfahren node48664->node30785 node49134 Zollkriminalamt (ZKA) node49134->node30785
      Mindmap Bewertungsgesetz (BewG) Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/bewertungsgesetz-bewg-31366 node31366 Bewertungsgesetz (BewG) node30785 Abgabenordnung (AO) node31366->node30785 node35437 Ertragswert node31366->node35437 node50716 Vermögensteuer-Richtlinien (VStR) node50716->node31366 node49243 wirtschaftliche Einheit node49243->node31366 node48636 Weilsches Verfahren node48636->node31366

      News SpringerProfessional.de

      • Digitalisierung in Deutschland stagniert

        Nur langsam geht es für die deutsche Wirtschaft bei der Digitalisierung voran, zeigt der Monitoring Report Digital. Die Kernergebnisse: die Wirtschaft stagniert, digitale Vorreiter fehlen und alle warten auf den Breitbandausbau.

      • Forschungsagenda 2030 für die produzierende Industrie

        Die strategische Forschungsagenda der Initiative "manufuture-DE" hat aktuelle und zukünftig relevante Forschungsbedarfe deutscher Industrieunternehmen aus dem Bereich der Produktionstechnik bis zum Jahr 2030 formuliert und priorisiert.

      • "Unternehmen tragen Verantwortung für Konsumenten"

        Wer in der digitalen Welt nicht untergehen will, muss sich einige Kompetenzen aneigen. Sonst frisst die Digitalisierung ihre User, warnen Anabel Ternès und Hans-Peter Hagemes im Gespräch mit Springer Professional. Insbesondere Unternehmen sollten sich ihrer Verantwortung bewusst sein.

      • Digitalisierung schafft Chancen für weibliche Führungskräfte

        Mittlerweile erfüllen zwar die Aufsichtsräte der Dax-30-Unternehmen im Durchschnitt die gesetzliche Frauenquote. Aber gerade in Führungspositionen im operativen Geschäft sind Frauen, auch in der Finanzbranche, immer noch rar gesät. Und das sieht nur in einem Fachbereich besser aus.

      • Verantwortungsvolle Chefs haben mehr Stress

        Ein Chef, der sich seiner Verantwortung im Job bewusst ist, führt ein stressbelastetes Dasein. Zumindest, wenn er sich in einer gehobenen Machtposition befindet. Das haben Wissenschafter herausgefunden.

      • Dax-Vorstände verdienen noch mehr

        Wenn etwas die Gemüter erhitzt, dann sind es immer wieder die exorbitanten Bezüge von Vorständen und Aufsichtsräten von Unternehmen. Eine aktuelle Studie gibt der Diskussion neue Nahrung. Demnach bekommen die CEOs von der Post, Heidelberg Cement, Adidas und Daimler unglaubliche Summen. 

      • Enterprise Social Networks fördern Innovationen

        Der digitale Reifegrad deutschsprachiger Unternehmen verbessert sich zusehends. In allen Bereichen haben digitale Prozesse mittlerweile die analogen Formen der Zusammenarbeit überholt. Doch es gibt noch viel zu tun.

      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      StB Birgitta Dennerlein
      selbständig
      Diplom-Betriebswirtin (BA), Steuerberaterin
      Prof. Dr. Wolfgang Eggert
      Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
      Lehrstuhlinhaber des Instituts für Wirtschaftstheorie und Finanzwissenschaft
      Steffen Minter
      Institut für Wirtschaftstheorie und
      Finanzwissenschaften, Albert-Ludwigs-Universität
      Wissenschaftlicher Mitarbeiter

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

      Springer Professional - Die Flatrate für Fachzeitschriften und Bücher
      Steuerbemessungsgrundlagen aller Substanzsteuern sind Vermögensgegenstände oder Vermögenskomplexe. Deshalb regelt das Bewertungsgesetz (BewG) zunächst die Fragen, wie die einzelnen Gegenstände bestimmt, voneinander abgegrenzt oder zu Komplexen …
      Steuerbemessungsgrundlagen für die Grundsteuer sowie die Erbschaft- und Schenkungsteuer sind Vermögensgegenstände oder Vermögenskomplexe. Das Bewertungsgesetz regelt deshalb zunächst die Fragen, wie die einzelnen Gegenstände bestimmt, voneinander …
      Das Bewertungsgesetz ist seit Abschaffung der Vermögensteuer und Gewerbekapitalsteuer in seiner Bedeutung etwas in den Hintergrund getreten. In der Praxis ist es vor allem für die Erbschaftsteuer und Grunderwerbsteuer wichtig. Wenn auch nicht …

      Bücher auf springer.com

      versandkostenfrei von springer.com

      Sachgebiete