Direkt zum Inhalt

Bilanz

Definition

Im Grundsatz der Abschluss des Rechnungswesens einer Unternehmung für einen bestimmten Zeitpunkt (Bilanzstichtag) in Form einer Gegenüberstellung von Vermögen und Kapital.

GEPRÜFTES WISSEN
Über 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 25.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition

    Inhaltsverzeichnis

    1. Kennzeichnung
    2. Bilanzarten
    3. Geschichtlicher Überblick

    Kennzeichnung

    im Grundsatz der Abschluss des Rechnungswesens einer Unternehmung für einen bestimmten Zeitpunkt (Bilanzstichtag) in Form einer Gegenüberstellung von Vermögen und Kapital. Das Vermögen (Aktiva) zeigt die konkrete Verwendung der eingesetzten finanziellen Mittel, das Kapital (Passiva) die Ansprüche der Gläubiger (Fremdkapital) und der Unternehmer (Eigenkapital als Saldo zwischen Vermögen und Fremdkapital, also als Restanspruch) an das Vermögen. Vermögen und Kapital stellen dieselbe Wertgesamtheit dar; dies kommt in der sog. Bilanzgleichung (Aktiva = Passiva) zum Ausdruck. I.d.R. ist nur eine rein rechnerische, also keine materielle Zuordnung zwischen einzelnen Vermögens- und Kapitalteilen möglich (goldene Bilanzregel). Bei der Erstellung von Bilanzen sind in Abhängigkeit vom Bilanzzweck (Bilanzierungsanlass) immer drei Aufgaben zu lösen:
    (1) inhaltliche Bestimmung von Vermögen und Kapital (Bilanzierung dem Grunde nach; Aktivierung, Passivierung);
    (2) Bewertung von Vermögen und Fremdkapital (Bilanzierung der Höhe nach);
    (3) Gliederung (Ausweis) von Vermögen und Kapital (Bilanz wird üblicherweise in der Form eines Kontos aufgestellt; Soll = Aktiva, Haben = Passiva); Bilanzgliederung.

    Bilanzarten

    wesentliche Merkmale zur Unterscheidung von Bilanzen: 1. Bilanzierungsanlässe: a) Regelbilanzen (regelmäßig auftretend): z.B. handelsrechtliche Jahresbilanz (Jahresabschluss), Steuerbilanz.

    b) Sonderbilanzen (unregelmäßig, meist nur einmalig auftretend): z.B. Gründungsbilanz, Umwandlungsbilanz, Sanierungsbilanz, Auseinandersetzungsbilanz, Abwicklungsbilanz, Insolvenzstatus, Überschuldungsbilanz, Unterbilanz, Kreditstatus (Status).

    2. Bilanzierungszeitraum: a) Totalbilanzen (Stichtag = Ende der Lebensdauer): Aus der Gegenüberstellung mit der Gründungsbilanz lässt sich grundsätzlich das Totalergebnis einer Unternehmung ermitteln.

    b) Partialbilanzen (Stichtag = Zeitpunkt während der Lebensdauer): Aus der Gegenüberstellung von aufeinander folgenden Partialbilanzen ergeben sich Periodenerfolge.

    Beispiel: Jahresbilanz (Stichtag = letzter Tag des Geschäftsjahres) oder Zwischenbilanz, die täglich, wöchentlich (z.B. Bankausweise der Deutschen Bundesbank), monatlich oder quartalsweise aufgestellt wird und i.d.R. der kurzfristigen Erfolgsrechnung dient.

    3. Zeitliche Bilanzdimension: a) Istbilanzen (vergangener, gegenwärtiger Stichtag): Bilanzen sind aufgrund der Bilanzanlässe ganz überwiegend Istbilanzen.

    b) Planbilanzen (zukünftiger Stichtag): z.B. Jahres- oder Zwischenbilanzen, wenn diese als Planungs- und Entscheidungsinstrument benutzt werden.

    4. Umfang des bilanzierten Vermögens: a) Gesamtvermögensbilanzen: Einschluss des Firmenwertes z.B. bei Auseinandersetzungsbilanzen möglich.

    b) Teilvermögensbilanzen: ohne Firmenwert, z.B. Umwandlungsbilanz bei Buchwertverknüpfung.

    5. Empfängerkreis: a) Interne Bilanzen: für den Bilanzierenden z.B. als Planungs- oder Kontrollinstrument.

    b) Externe Bilanz: für Außenstehende (z.B. Finanzamt, Aktionäre, Gläubiger), z.B. als Informations- oder Rechenschaftsinstrument, ferner als Basis für Abrechnungen (z.B. Gewinnausschüttung, Einkommensbesteuerung).

    6. Rechtsgrund: a) Gesetzlich vorgeschriebene Bilanzen: z.B. handels- und steuerrechtliche Jahresbilanz, aktienrechtliche Sonderbilanzen (z.B. Abwicklungs- und Gründungsbilanz).

    b) Vertragliche Bilanzen: z.B. Kreditstatus aufgrund eines Kreditvertrages.

    c) Freiwillig erstellte Bilanzen: z.B. interne Planbilanzen.

    7. Rechnungsgrundlagen: a) Inventurbilanz: Die zu erstellende Bilanz baut auf einer körperlichen Bestandsaufnahme auf, z.B. grundsätzlich bei der handelsrechtlichen Jahresbilanz.

    b) Buchbilanz: Die Bilanz wird aus dem Abschluss der Geschäftsbücher entwickelt, z.B. bei täglichen Zwischenbilanzen.

    8. Zahl der erfassten Unternehmen: a) Einzelbilanz: z.B. handelsrechtliche Jahresbilanz.

    b) Summenbilanz: additive Zusammenfassung von Einzelbilanzen (Betriebsvergleich).

    c) Konzernbilanz: Zusammenfassung der Einzelbilanzen grundsätzlich aller zu einem Konzern gehörenden Unternehmen zum Konzernabschluss.

    Die dargestellten Bilanzarten überschneiden sich vielfach.

    Geschichtlicher Überblick

    1. Während Handelsbücher bereits im Altertum geführt wurden, hat sich eine einfache moderne Buchführung wahrscheinlich erst im 14./15. Jh. entwickelt. Bilanzen wurden aber auch zu dieser Zeit nur vereinzelt aufgestellt, und zwar zunächst nur, um die Salden vollgeschriebener Bücher auf die nächsten übertragen zu können, ohne dass eine Inventur stattfand.

    2. Mit der doppelten Buchführung, die Ende des 15. Jh. von Italien kommend in Deutschland bekannt wurde, finden sich auch die ersten Abschlüsse, allerdings nicht in regelmäßiger Zeitfolge und ohne dass einheitliche Abschlussregeln bekannt waren.

    3. Die ersten gesetzlichen Abschlussvorschriften enthalten einige städtische Partikularrechte (Nürnberg, Frankfurt a.M., Lüneburg im 16. Jh.) und die ordonnance de commerce (1673), die eine alle zwei Jahre durchzuführende Inventur vorschrieb, die alle Vermögensteile einschließlich der Forderungen und Schulden enthalten sollte. In Deutschland wurde aber noch bis zu Anfang des 19. Jh. ein Abschluss lediglich aus den Geschäftsbüchern entwickelt.

    4. Das zu dieser Zeit geltende allg. Landrecht für die preußischen Staaten stellte das Unterlassen der jährlichen „Balanceziehung” unter Strafandrohung (fahrlässiger Bankrott). Erst mit der Entwicklung des Handelsrechts in der Mitte des 19. Jh. wurden Vorschriften über die Inventur und Bilanz erlassen.

    Mindmap Bilanz Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/bilanz-31477 node31477 Bilanz node43179 Rückstellung node45028 Rentabilität node34982 Eigenkapital node45028->node34982 node34982->node31477 node34982->node43179 node51962 Allgemeine Betriebswirtschaftslehre node39454 Investition node51962->node39454 node41203 Nachhaltigkeit node41203->node39454 node41465 Investitionsrechnung node39454->node31477 node39454->node41465 node31465 Arbeit node54080 Wirtschaft node38061 Kapital node54080->node38061 node45598 Produktionsfaktoren node34658 Doppelte Buchhaltung node34658->node31477 node33703 Gewinn- und Verlustrechnung ... node34658->node33703 node38061->node31477 node38061->node43179 node38061->node34982 node38061->node31465 node38061->node45598 node40085 Kommanditgesellschaft (KG) node46240 offene Handelsgesellschaft (OHG) node40085->node46240 node45573 Personengesellschaft node40541 juristische Person node46240->node31477 node46240->node45573 node46240->node40541 node35714 Finanzbuchhaltung node35714->node31477 node35714->node34658 node29068 Betriebsbuchhaltung node29068->node34658 node43433 Shareholder Value node43433->node34982
    Mindmap Bilanz Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/bilanz-31477 node31477 Bilanz node34658 Doppelte Buchhaltung node34658->node31477 node46240 offene Handelsgesellschaft (OHG) node46240->node31477 node38061 Kapital node38061->node31477 node39454 Investition node39454->node31477 node34982 Eigenkapital node34982->node31477

    News SpringerProfessional.de

    Literaturhinweise SpringerProfessional.de

    Bücher auf springer.com

    Sachgebiete

    Interne Verweise