Direkt zum Inhalt

Eigenkapital

Definition

im Gegensatz zum Fremdkapital jene Mittel, die von den Eigentümern einer Unternehmung zu deren Finanzierung aufgebracht oder als erwirtschafteter Gewinn im Unternehmen belassen wurden (Selbstfinanzierung).

GEPRÜFTES WISSEN
Über 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 25.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition

    im Gegensatz zum Fremdkapital jene Mittel, die von den Eigentümern einer Unternehmung zu deren Finanzierung aufgebracht oder als erwirtschafteter Gewinn im Unternehmen belassen wurden (Selbstfinanzierung).

    1. Buchmäßiges Eigenkapital: Es ergibt sich in der Bilanz als Differenz zwischen den Aktivposten (Vermögen, Rechnungsabgrenzung) und den Verbindlichkeiten, Rückstellungen und passiven Rechnungsabgrenzungsposten. Unterbewertungen (Überbewertungen) von Aktivposten und Überbewertungen (Unterbewertungen) von Passivposten mindern (erhöhen) das ausgewiesene Eigenkapital. Das effektive Eigenkapital ist wegen der stillen Reserven bzw. stillen Verluste nur bei Verkauf bzw. Liquidation feststellbar.

    2. Reales Eigenkapital: Es wird erhöht durch Einlagen der Eigentümer bzw. Kapitalerhöhungen durch Beschluss der Anteilseigner (bei Kapitalgesellschaften und Kommanditeinlagen) oder durch erzielte Gewinne; vermindert durch Entnahmen bzw. Kapitalherabsetzungen oder Verluste.

    3. Ausweis in der Bilanz: a) Bei Einzelunternehmen und den vollhaftenden Gesellschaftern von Personengesellschaften werden Gewinne, Verluste, Einlagen und Entnahmen auf den (variablen) Eigenkapitalkonten erfasst. Soweit in den Gesellschaftsverträgen feste Kapitalanteile (Festkonten) vereinbart sind, werden Kapitalveränderungen über andere Gesellschafterkonten (Privatkonto, Darlehenskonto u.Ä.) erfasst. Solange die Pflichteinlage des Kommanditisten nicht eingezahlt ist, sind Gewinnanteile diesem Eigenkapitalkonto gutzuschreiben, darüber hinausgehende einem Darlehenskonto als Verbindlichkeit. Ein negatives Kapitalkonto entsteht, wenn die Kommanditeinlage durch Verluste oder (verbotene) Entnahmen mehr als verbraucht ist.

    b) Bei Kapitalgesellschaften ist gemäß § 266 III HGB eine Gliederung wie folgt vorgesehen:

    I. Gezeichnetes Kapital (nominelles Haftungskapital)

    II. Kapitalrücklagen (aus Agio, Zuzahlungen u.Ä.)

    III. Gewinnrücklagen (aus dem Ergebnis gebildete):
    1. Gesetzliche Rücklage (§ 150 AktG),
    2. Rücklage für Anteile an einem herrschenden oder mehrheitlich beteiligten Unternehmen,
    3. satzungsmäßige Rücklagen,
    4. andere Gewinnrücklagen

    IV. Gewinnvortrag/Verlustvortrag

    V. Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag.

    Nicht eingeforderte ausstehende Einlagen sind gemäß § 272 I HGB offen vom gezeichneten Kapital abzusetzen. Der verbleibende Betrag ist als eingefordertes Kapital in der Passivseite der Bilanz auszuweisen, eingeforderter aber noch nicht eingezahlter Betrag ist gesondert als Forderung auszuweisen. Ist das Eigenkapital durch Verluste aufgebraucht und ergibt sich durch weitere Verluste eine Unterbilanz, so ist ein „nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag” (§ 268 III HGB) auszuweisen.

    Die Abk. EK wird für die Teilbeträge des verwendbaren Eigenkapitals verwendet.

    4. Eigenkapital als Finanzierungsmittel: Eigenkapital steht dem Unternehmen im Gegensatz zum Fremdkapital im Prinzip unbefristet zur Verfügung. Es sollte nach der goldenen Bilanzregel in Höhe des langfristig gebundenen Vermögens vorhanden sein. Unter dem Gesichtspunkt seiner Funktion als haftendes Kapital (Garantiekapital) ist Eigenkapital eine Voraussetzung für die Möglichkeiten der Aufnahme von Fremdkapital.

    Kreditinstitute müssen im Interesse der Erfüllung ihrer Verpflichtungen gegenüber den Gläubigern, bes. zur Sicherheit der ihnen anvertrauten Vermögenswerte, ein angemessenes haftendes Eigenkapital haben (§ 10 KWG) (Grundsätze über das Eigenkapital und die Liquidität der Institute).

    5. Eigenkapitalbeschaffung: Voraussetzung ist, dass der Eigenkapitalgeber im Gewinn (Ausschüttungen und Substanzsteigerungen bzw. Wertsteigerungen der Anteile) eine ausreichende Verzinsung seines eingesetzten Eigenkapitals und eine als angemessen empfundene Vergütung für die Übernahme der unternehmerischen Risiken erwarten kann.

    zuletzt besuchte Definitionen...

      Mindmap Eigenkapital Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/eigenkapital-34982 node34982 Eigenkapital node34534 Fremdkapital node34982->node34534 node33566 Gesamtvermögen node53507 Mobiler Bankvertrieb node38158 Kreditwesengesetz (KWG) node53507->node38158 node32162 haftendes Eigenkapital node32162->node34982 node32162->node38158 node28069 Bankenaufsicht (BA) node38158->node34982 node38158->node28069 node34938 Faktorintensität node38061 Kapital node34938->node38061 node34928 Genussrechtskapital node34928->node38061 node42434 Produktionsmittel node42434->node38061 node45598 Produktionsfaktoren node38061->node34982 node38061->node45598 node48233 Vermögen node48233->node34982 node45028 Rentabilität node45028->node34982 node37558 Kapitalumschlag node45028->node37558 node48196 Volksvermögen node45874 Reinvermögen node45874->node34982 node45874->node33566 node45874->node48233 node45874->node48196 node49878 Umschichtungsfinanzierung node49878->node34534 node50007 Substanzwertmethode node50007->node34534 node28473 Anlagevermögen node28473->node34982 node28473->node34534 node31477 Bilanz node31477->node34982 node34534->node31477 node53458 Umsatzrendite node53458->node45028 node38628 Kapitalrendite node38628->node45028 node38707 MAPI-Methode node38707->node45028 node53505 stationärer Bankvertrieb node53505->node38158
      Mindmap Eigenkapital Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/eigenkapital-34982 node34982 Eigenkapital node34534 Fremdkapital node34982->node34534 node45028 Rentabilität node45028->node34982 node45874 Reinvermögen node45874->node34982 node38061 Kapital node38061->node34982 node38158 Kreditwesengesetz (KWG) node38158->node34982

      News SpringerProfessional.de

      • Wenige Unternehmen sind fit für die DSGVO

        Der Countdown läuft: Noch bis zum 25. Mai 2018 haben Organisationen für die Vorbereitungen auf die EU-Datenschutzverordnung Zeit. Wie eine Studie zeigt, hinken die meisten allerdings bei der Umsetzung hinterher. 

      • Nachfolger verzweifelt gesucht

        So viele Unternehmen wie noch nie sind auf Nachfolgersuche. Gleichzeitig geht die Schere zwischen Übergabewilligen und Übernahmeinteressenten immer weiter auseinander. Woran es liegt und was Unternehmer tun können.

      • Unternehmen profitieren von Corporate Volunteering

        Engagieren sich Mitarbeiter freiwillig für das Gemeinwohl, profitieren nicht nur gemeinnützige Organisationen und Gesellschaft davon, sondern auch Unternehmen. Wie Corporate Volunteering geplant und in der Unternehmensstrategie verankert wird.

      • Was Bewerber garantiert abschreckt

        Sie sollen Status symbolisieren und modern daher kommen, erreichen aber das genaue Gegenteil. Arbeitsuchende empfinden englische Jobtitel häufig als unnötig aufgebläht. Keep ist simple, ist der bessere Anglizismus im Recruiting.

      • Big Brother im Büro

        Die totale Überwachung von Mitarbeitern ist längst keine negative Utopie mehr, wie sie George Orwell oder Dave Eggers in ihren Romanen heraufbeschwören. Unternehmen können bereits jetzt die Aktivitäten ihrer Angestellten rundum erfassen. Wissenschaftler warnen vor Missbrauch.

      • Private Equity in Deutschland boomt

        Unternehmen günstig kaufen und mit Gewinn verkaufen. Das ist das Konzept von Private Equity-Gesellschaften. Sie sind in Deutschland nach wie vor sehr aktiv, wie eine aktuelle Studie zeigt.

      • Zu wenig Innovation vor lauter Transformation

        Im BCG-Innovations-Ranking 2018 liegen US- und Digitalunternehmen klar vorn. Deutsche Firmen sind erst ab Platz 21 zu finden. Doch was hemmt hierzulande eigentlich die Innovationskraft?

      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Prof. Dr. Hans-Joachim Böcking
      Goethe-Universität Frankfurt,
      Lehrstuhl für BWL, insbes.
      Wirtschaftsprüfung
      Professor
      Prof. Dr. Peter Oser
      Ernst & Young AG
      Partner, Leiter Grundsatzabteilung Wirtschaftsprüfung, Professional Practice Director
      Prof. Dr. Norbert Pfitzer
      Ernst & Young AG
      Mitglied des Vorstands

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

      Springer Professional - Die Flatrate für Fachzeitschriften und Bücher
      Für die wertorientierte Steuerung eines Unternehmens ist es entscheidend, die für das jeweilige Geschäftsmodell benötigte Eigenkapitalausstattung zu optimieren. Banken nutzen dafür das ökonomische Eigenkapital als Steuerungsgröße. Ein neu …
      Unternehmen müssen ihr Eigenkapital auf solide Füße stellen, um auch Krisen meistern oder neue Investitionen stemmen zu können. Springer-Autor Andreas Neumann zeigt im Kapitel Wege zur Stärkung von Kapitalstrukturen auf.
      Der Inhalt des Kapitels dient einer ersten Erklärung des Vorgehens der Buchführung unter besonderer Betrachtung des Eigenkapitals und seiner Veränderungen. Dazu ist es nötig, kurz auf einige Regelungssysteme einzugehen, mit denen in der Praxis das …

      Sachgebiete

      Interne Verweise