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Umweltmanagement

Definition

Energiekrise, saurer Regen, Entsorgungsnotstand, Wasserknappheit, Klimawandel, Regenwaldzerstörung, Biodiversität, Überflutungen - unabhängig davon, welches Umweltthema gerade in Medien präsent ist, sind immer auch Unternehmen betroffen. Seien es Kostenerhöhungen durch steigende Energie- oder Rohstoffpreise, Umsatzeinbußen durch verändertes Konsumentenverhalten, seien es rechtliche Regelungen oder Anforderungen verschiedener Anspruchsgruppen, die Unternehmen sind zunehmend gefragt, sich mit der Umwelt auseinanderzusetzen. Als Antwort auf diese Entwicklung wurde die Umweltökonomie zu einem eigenen Lehr- und Forschungsgebiet in den Wirtschaftswissenschaften, aber auch Verbände und berufsständische Organisationen nehmen sich des Themas an.

Dieser Schwerpunktbeitrag gibt einen Überblick über das Gebiet des Umweltmanagements im engeren und der nachhaltigen Unternehmensführung im weiteren Sinne.

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    Ausführliche Definition

    Inhaltsverzeichnis

    1. Warum spielt die Situation der Umwelt eine Rolle für die Unternehmensführung?
    2. Welche Umweltaspekte sind für das einzelne Unternehmen relevant?
    3. Welche Unternehmensbereiche sollten vor dem Hintergrund der Entwicklung unserer Umwelt näher analysiert werden?
    4. Wie sind Umweltaspekte in betriebliche Informations- und Entscheidungssysteme zu integrieren?
    5. Welche Probleme können im Umweltmanagement auftreten?
    6. Wie sollen Unternehmen ihre Umweltberichterstattung gestalten?

    Energiekrise, saurer Regen, Entsorgungsnotstand, Wasserknappheit, Klimawandel, Regenwaldzerstörung, Biodiversität, Überflutungen - unabhängig davon, welches Umweltthema gerade in Medien präsent ist, sind immer auch Unternehmen betroffen. Seien es Kostenerhöhungen durch steigende Energie- oder Rohstoffpreise, Umsatzeinbußen durch verändertes Konsumentenverhalten, seien es rechtliche Regelungen oder Anforderungen verschiedener Anspruchsgruppen, die Unternehmen sind zunehmend gefragt, sich mit der Umwelt auseinanderzusetzen. Als Antwort auf diese Entwicklung wurde die Umweltökonomie zu einem eigenen Lehr- und Forschungsgebiet in den Wirtschaftswissenschaften, aber auch Verbände und berufsständische Organisationen nehmen sich des Themas an.

    Dieser Schwerpunktbeitrag gibt einen Überblick über das Gebiet des Umweltmanagements im engeren und der nachhaltigen Unternehmensführung im weiteren Sinne.

    Warum spielt die Situation der Umwelt eine Rolle für die Unternehmensführung?

    Unternehmen sind in zweierlei Hinsicht von der Entwicklung unserer Umwelt abhängig: Einerseits sind sie direkt, subjektiv immer dann betroffen, wenn die Umweltsituation die Menge oder Qualität ihrer Produktionsfaktoren berührt. So führen bspw. die zunehmende ökologische Knappheit von Rohstoffen und die damit verbundenen relativ kurzen Rohstoffreichweiten (z.B. 29 Jahre für Tantal, das in der Handyherstellung eingesetzt wird) zu einem Innovationsdruck auf die Unternehmen. Andererseits sind Unternehmen indirekt, objektiv betroffen: So führen rechtliche Regelungen wie der EU-Treibhausgasemissionshandel (Treibhausgas-Emissionshandelsgesetz (TEHG)) dazu, dass Restriktionen oder auch Anreize für die Unternehmensproduktion geschaffen werden. Aber auch Anspruchsgruppen wie die Kunden können durch ihr Kaufverhalten die Produktgestaltung des Unternehmens beeinflussen. Systematisch können Unternehmen ihre Betroffenheit dadurch bestimmen, dass sie alle Unternehmensprozesse und die damit verbundenen Kosten und Erlöse im Hinblick auf ihre Abhängigkeit von der Umweltsituation überprüfen.

    Welche Umweltaspekte sind für das einzelne Unternehmen relevant?

    Nun mag die Vielzahl möglicher Einflussquellen, direkter und indirekter Art für die Unternehmen unübersichtlich erscheinen. Deshalb nutzen viele Unternehmen heute zwei Wege der Systematisierung. Für die Betrachtung der internen Prozesse und die Ausrichtung der unternehmerischen Leistungserstellung führen sie ein Umweltmanagementsystem ein. Hilfestellung erhalten sie hierfür von der EU, die die EG-Öko-Audit-Verordnung (EMAS-VO) verabschiedet hat und die den Aufbau und die Pflege eines Umweltmanagementsystems regelt oder der ISO, die mit der ISO 14001 in einer Managementsystemnorm regelt, welche Aspekte berücksichtigt werden sollen. Auch für KMU und auch einzelne Branchen existieren hier mittlerweile Handreichungen. Für die Analyse des externen Umfeldes pflegen viele, insbesondere größere Unternehmen einen sogenannten Stakeholderdialog. Zunächst werden alle Komponenten des Makroumfeldes (z.B. rechtliche oder gesellschaftliche Rahmenbedingungen) betrachtet, dann werden die Forderungen konkreter Anspruchsgruppen des Aufgabenumfeldes, wie Kunden, Lieferanten oder Wettbewerber, aber auch Anteilseigner und Kreditgeber analysiert und bewertet. Ein Stakeholderdialog geht darüber hinaus und bedeutet, dass Unternehmen und Anspruchsgruppen sich über ihre Interessen aktiv austauschen.

    Welche Unternehmensbereiche sollten vor dem Hintergrund der Entwicklung unserer Umwelt näher analysiert werden?

    Prinzipiell können zwei Kategorien von Unternehmensbereichen des Wertschöpfungskreises unterschieden werden: primäre Bereiche beziehen sich auf den eigentlichen Leistungserstellungsprozess – d.h. sie umfassen die physische Herstellung des Produktes, seinen Verkauf bzw. Übermittlung an den Kunden sowie den Kundendienst – wohingegen die sekundären Bereiche unterstützend und übergreifend wirken, die primären Bereiche somit aufrecht erhalten. Konkret ist somit zu untersuchen, welche Bedeutung Umweltaspekte für die primären Bereiche Beschaffung, Produktion, Absatz und Entsorgung und die sekundären Bereiche Forschung und Entwicklung, Logistik, Personal/ Organisation, Marketing und Controlling haben. Anschließend ist für jeden der Bereiche zu überlegen, ob und wie er umweltorientierter gestaltet werden kann. Im Bereich Forschung und Entwicklung führen Unternehmen bspw. Regeln ein, die ein sogenanntes Design for Environment bereits in den frühen Phasen der Produktentwicklung fördern, im Bereich der Beschaffung gibt es Leitfäden, die den Einkäufern Hilfestellungen geben und so den Einkauf umweltgerechter Materialien unterstützen. Die Betrachtung aller Unternehmensbereiche bedeutet auch, dass alle Mitarbeiter in den Prozess eingebunden sein müssen, egal welche Spezialisierung sie vertreten.

    Wie sind Umweltaspekte in betriebliche Informations- und Entscheidungssysteme zu integrieren?

    Nach der Integration der Umweltaspekte in das Umweltmanagementsystem, der Stakeholderanalyse sowie der Analyse der Unternehmensbereiche folgt die Entscheidungsfindung, die sich informations- und entscheidungsorientierter Planungs- und Steuerungsinstrumente bedient. Hierfür gilt es einerseits die bereits internalisierten Effekte (z.B. Abwassergebühren) zu berücksichtigen, andererseits sind zusätzliche Informationen über externe Effekte einzuholen, die mit der Leistungserstellung verbunden sind, aber Wirkungen außerhalb des Unternehmens verursachen. Diese Effekte können in die traditionelle Kostenrechnung mit ihren Teilen Kostenarten-, -stellen- und -trägerrechnung sowie in Investitions- und Akquisitionsentscheidungen Eingang finden. Dabei erfolgt eine Differenzierung bereits internalisierter Kosten und Erlöse bzw. die Erweiterung um die Berücksichtigung externer Effekte. Bei einer klassischen betriebswirtschaftlichen Betrachtungsweise erfolgen Bewertungen monetär. Hierfür erfolgt eine Verknüpfung mit der strategischen Ausrichtung des Unternehmens. Ist eine monetäre Bewertung nicht oder nicht direkt möglich, so sind quantitative, nicht monetäre Kriterien, z.B. physikalisch-technische Größen heranzuziehen. Diese Aufgabe erfüllen Instrumente der Ökobilanzierung (Ökobilanz, Life Cycle Assessment), die die Umweltwirkungen (z.B. Treibhauseffekt oder Eutrophierung) betrachten.

    Welche Probleme können im Umweltmanagement auftreten?

    Tatsächlich ist jeder Geschäftsprozess, so auch das Umweltmanagement von Hemmnissen begleitet. Doch ein proaktiver Umgang mit Hemmnissen kann die Lücke zwischen dem Ziel eines Umweltmanagements und seiner Umsetzung in allen Unternehmensbereichen schließen und die Hemmnisse abbauen helfen. Unter Hemmnissen werden dabei Störfaktoren verstanden, die einen Entscheidungsprozess verlangsamen, behindern oder gänzlich blockieren können. Die Bedeutung der Analyse und des Abbaus von Hemmnissen ergibt sich dabei vordergründig daraus, die erfolgreiche Umsetzung von Zielen und Maßnahmen in allen Unternehmensbereichen zu ermöglichen. Doch der weitreichendere Beitrag besteht in der Erkenntnis, dass neue Ideen oftmals nur deshalb scheitern, weil die Hemmnisse in der Umsetzung nicht überwunden wurden. So hilft ein begleitendes Denken an die möglichen Probleme bei der Umsetzung.

    Wie sollen Unternehmen ihre Umweltberichterstattung gestalten?

    Die Umweltberichterstattung zielt darauf, zu messen, offen zu legen und gegenüber internen und externen Anspruchsgruppen darüber Rechenschaft abzugeben, inwieweit das Unternehmen die Funktionen der Umwelt nutzt und Maßnahmen zur Verbesserung der Umweltleistung ergreift. So hat die Kommunikation eines Unternehmens zwei Zielrichtungen: für interne Anspruchsgruppen wird Umweltleistung gemessen, um Entscheidungen der Unternehmenssteuerung vorzubereiten, für externe Anspruchsgruppen stehen die Berichterstattung über das Umweltmanagementsystem, die Umweltleistung, die Ökologieorientierung der Unternehmensbereiche, der Umgang mit Stakeholdern und Prozess- und Produktinnovationen, sowie Umweltzielen im Vordergrund. Heute ist die Umweltberichterstattung zunehmend Teil der Nachhaltigkeitsberichterstattung.

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      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Prof. Dr. Edeltraud Günther
      TU Dresden,
      Fak. Wirtschaftswissenschaften,
      LS Betriebswirtschaftslehre insb.
      Betriebliche Umweltökonomie
      Universitätsprofessorin

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

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