Direkt zum Inhalt

Vollverzinsung

GEPRÜFTES WISSEN
Über 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 25.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition

    1. Allgemeines: Die Verzinsung von Steuernachforderungen und -erstattungen (§ 233a AO) soll im Interesse der Gleichmäßigkeit der Besteuerung und zur Vermeidung von Wettbewerbsverzerrungen einen Ausgleich dafür schaffen, dass Steuern - obwohl sie zum gleichen Zeitpunkt entstehen - zu unterschiedlichen Zeitpunkten festgesetzt und erhoben werden. Die Verzinsung ist gesetzlich vorgeschrieben; sie steht nicht im Ermessen der Finanzbehörde. Die Zinsen werden grundsätzlich im automatisierten Verfahren berechnet und festgesetzt. Die Festsetzung wird regelmäßig mit dem Steuerbescheid oder der Abrechnungsmitteilung verbunden (vgl. AEAO zu § 233a AO Nr. 1).

    2. Geltungsbereich: Die Verzinsung erstreckt sich nur auf Nachforderungen und Erstattungen von Einkommen-, Körperschaft-, Vermögen- Umsatz- und Gewerbesteuer. Sie gilt erstmals für Steuern, die nach dem 31.12.1988 (bzw. in den neuen Bundesländern nach dem 31.12.1990) entstehen.

    3. Zinsschuldner/-gläubiger: Zinsschuldner ist der Steuerschuldner. Zinsgläubiger ist der Gläubiger des Erstattungsanspruchs.

    4. Zinslauf: Die Verzinsung beginnt regelmäßig 15 Monate nach Ablauf des Kalenderjahrs, in dem die Steuer entstanden ist (sog. Karenzzeit). Sie endet mit Ablauf des Tages, an dem die Steuerfestsetzung wirksam wird, d.h. mit Bekanntgabe des Steuerbescheides bzw. im Fall der Steueranmeldung mit ihrem Eingang bei der Finanzbehörde bzw. mit deren Zustimmung.

    5. Berechnungsgrundsätze: Die Zinsberechnung erfolgt auf Grundlage der sog. Sollverzinsung. Berechnungsgrundlage ist der Unterschiedsbetrag zwischen dem festgesetzten Soll und dem vorher festgesetzten Soll (z.B: Vorauszahlungen). Die Zinsen betragen 0,5 Prozent für jeden vollen Monat des Zinslaufes; angefangene Monate bleiben außer Ansatz. Der zu verzinsende Betrag wird auf volle 50 Euro nach unten abgerundet (§ 238 AO). Eine Bagatellgrenze von 10 Euro ist zu beachten (§ 239 II AO).

    6. Verhältnis zu anderen steuerlichen Nebenleistungen: Die Verwirkung von Säumniszuschlägen bleibt durch die Vollverzinsung unberührt. Soweit sich im Einzelfall Überschneidungen der Steuerzinsen nach § 233a AO mit Stundungszinsen, Aussetzungszinsen, Hinterziehungszinsen sowie Prozesszinsen auf Erstattungsbeträge ergeben, werden die Steuerzinsen nach § 233a AO auf die jeweilige Zinsfestsetzung angerechnet.

    zuletzt besuchte Definitionen...

      Mindmap Vollverzinsung Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/vollverzinsung-47794 node47794 Vollverzinsung node45795 steuerliche Nebenleistungen node47794->node45795 node43778 Steueranmeldung node47794->node43778 node46588 Steuerbescheid node47794->node46588 node31248 Bekanntgabe node47794->node31248 node42045 Steuerschuldner node47794->node42045 node36791 Einspruch node36791->node31248 node47990 Zinsen node47910 Verspätungszuschlag node45721 Steuerschuldverhältnis node45795->node47990 node45795->node47910 node45795->node45721 node50878 Zwangsgeld node45795->node50878 node29054 Anmeldung node29054->node43778 node51062 Vorbehaltsfestsetzung node43173 Steuererklärung node43778->node51062 node43778->node43173 node45288 Steuerpflichtiger node43778->node45288 node34723 Grundlagenbescheid node34723->node31248 node48996 Verwaltungsakt node46588->node48996 node31248->node48996 node44291 Stundung node44291->node42045 node42754 Steuerschuld node42754->node42045 node42045->node45288 node48391 Zollbescheid node48391->node46588 node29156 Bescheid node29156->node46588
      Mindmap Vollverzinsung Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/vollverzinsung-47794 node47794 Vollverzinsung node46588 Steuerbescheid node47794->node46588 node42045 Steuerschuldner node47794->node42045 node31248 Bekanntgabe node47794->node31248 node43778 Steueranmeldung node47794->node43778 node45795 steuerliche Nebenleistungen node47794->node45795

      News SpringerProfessional.de

      • Exportentwicklung Werkzeugmaschinen

        Ein aktueller Quest Report verbindet Exportmärkte und Durchschnittswerte von Werkzeugmaschinen in Euro und die Wirkung auf die Exporte nach China seit 2008. Steigende Durchschnittswerte von Werkzeugmaschinen gehen demnach mit rückläufigen Exporten nach China einher.

      • Banken genießen großes Vertrauen ihrer Kunden

        72 Prozent der Bankkunden in Deutschland gehen davon aus, dass Kreditinstitute mit ihren persönlichen Daten sorgsam umgehen. Keine andere Branche genießt einer aktuellen Umfrage zufolge höheres Vertrauen.

      • Neue Aufgaben für die Zentrale der Zukunft

        Unternehmen müssen agil und innovativ sein. Das althergebrachte Headquarter, von dem aus alles zentral gesteuert werden soll, scheint dazu nicht passen zu wollen. Muss die Unternehmenszentrale neu erfunden werden? 

      • So geht erfolgreiches Lead Nurturing im B2B-Segment

        Wenn nicht nur Leads, sondern in Folge auch Käufer generiert werden, ist von Lead Nurturing die Rede. Im B2B-Bereich müssen E-Mail-Marketer dafür besonders strategische sowie kontinuierliche Beziehungsarbeit leisten.

      • Globales E-Invoicing ist Herausforderung für Unternehmen

        Unternehmen sind aufgrund staatlicher Vorgaben zunehmend dazu verpflichtet, ihre Rechnungen elektronisch zu erstellen. Doch in jedem Land gelten andere rechtliche Regelungen. Entsprechend komplex gestalten sich die Prozesse. Erster Teil des Gastbeitrags.

      • Auf dem Rechtsweg ins Verderben

        Wer seinen Markt als Eigentum betrachtet und Neueinsteiger juristisch bekämpfen will, kann nur verlieren, meint Springer-Autor und Zukunftsmanager Heino Hilbig. Denn die Klage eines Taxifahrers gegen Moia wird neue Verkehrskonzepte nicht verhindern. 

      • Mit Location Based Marketing auf Neukundenfang

        Deutsche Marketing-Manager sehen in standortbasierter Werbung die Brücke, um Konsumenten online wie offline anzusprechen. Vor allem für die Neukundengewinnung setzen sie auf das Marketinginstrument.

      • Wie der Arbeitsplatz von morgen aussehen wird

        Während der Industrialisierung wanderte die Arbeit aus dem Haushalt in die Fabrik. Heute klopft sie wieder an die Haustür. Die Möglichkeit zu mehr zeitlicher und örtlicher Flexibilität, beispielsweise zur Arbeit im Homeoffice, macht vor keiner Branche mehr halt.

      • Java und JavaScript sind die beliebtesten Programmiersprachen

        Die meisten Softwareingenieure setzen auf Java und JavaScript, wenn es um die Entwicklung von Unternehmensanwendungen geht. Die angeblichen "In"-Programmiersprachen Python & Co. liegen in der Beliebtheitsskala teils weit abgeschlagen hinter den Klassikern.

      • Diese digitalen Marken sind top

        Digitale Dienste dominieren immer stärker die Markenwelt. In den Top 25 der relevantesten Marken Deutschlands machen sich analoge Marken eher rar.

      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Prof. Michael Bartsch
      Steuerberater Prof. Michael Bartsch
      Diplom-Finanzwirt

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

      Springer Professional - Die Flatrate für Fachzeitschriften und Bücher
      Rechnungen mit Umsatzsteuer dürfen ein Grund zur Freude sein für Firmenchefs. Doch als Treuhänder des Fiskus sind auch Pflichten und Gefahren zu beachten.
      Nichtabziehbar sind auch: 1. die Aufwendungen für die Erfüllung von Zwecken des Steuerpflichtigen, die durch Stiftungsgeschäft, Satzung oder sonstige Verfassung vorgeschrieben sind. § 9 Abs. 1 Nr. 2 bleibt unberührt, 2. die Steuern vom Einkommen …
      Leider war es uns nach Abschluss der wesentlichen Arbeiten zu diesem Buch nicht mehr möglich, die wichtigsten Reformvorschriften der AO ab dem 01.01.2017 aus dem Gesetz zur Modernisierung der Besteuerung vom 18.07.2016 in die jeweiligen …

      Sachgebiete