Direkt zum Inhalt

Delisting

Definition

Auslistung eines Artikels aus dem Sortiment eines Handelsunternehmens bzw. Widerruf einer Zulassung von Wertpapieren zum Börsenhandel.

GEPRÜFTES WISSEN
Über 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 25.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition
    1. Handel: Auslistung eines Artikels aus dem Sortiment eines Handelsunternehmens; quantitative Kriterien für die Auslistung eines Artikels sind sinkende/r Umsatz, Absatz, Marktanteil, Deckungsbeiträge, Kapitalumschlag, Rentabilität, geringer Umsatzanteil, ungünstige Umsatz-Kosten-Relation, starke Beanspruchung knapper Ressourcen, hoher Anteil an den Komplexitätskosten des Unternehmens. qualitative Kriterien für die Auslistung eines Artikels sind Einführung von besseren Konkurrenz- und/oder Substitutionsprodukten, negativer Einfluss auf das Unternehmensimage, Änderungen in der Bedarfsstruktur der bisherigen Kunden, Entstehung von Kannibalisierungseffekten zwischen den eigenen Produkten (z.B. Handelsmarken), technische Veralterungen und Gesetzesänderungen. Die angeführten Kriterien sind keinesfalls zwingende Gründe für die Auslistung, sondern weisen lediglich auslistungsverdächtige Artikel hin.

    2. Börse: Neben den allg. Regelungen des Verwaltungsverfahrensgesetzes (VwVfG) über die Erledigung und Rücknahme von Verwaltungsakten und den Widerruf begünstigender Verwaltungsakte normiert das BörsG spezielle Widerrufsgründe.

    Die Geschäftsführung kann die Zulassung von Wertpapieren zum Handel im regulierten Markt von Amts wegen widerrufen, wenn ein ordnungsgemäßer Börsenhandel auf Dauer nicht mehr gewährleistet ist und die Geschäftsführung die Notierung im regulierten Markt eingestellt hat oder der Emittent auch nach Ablauf einer ihm gesetzten angemessenen Frist seinen Zulassungsfolgepflichten nicht nachkommt, § 39 I BörsG.

    Beim regulären Delisting erfolgt der Widerruf auf Antrag des Emittenten, wenn dies dem Anlegerschutz nicht widerspricht. Nach § 46 der Börsenordnung für die Frankfurter Wertpapierbörse (FWB) ist das dann nicht der Fall, wenn auch nach dem Wirksamwerden des Widerrufs die Zulassung und der Handel des Wertpapiers an einem organisierten Markt oder an einem entsprechenden Markt in einem Drittstaat gewährleistet erscheint, oder nach der Bekanntgabe der Widerrufsentscheidung den Anlegern ausreichend Zeit verbleibt, die vom Widerruf betroffenen Wertpapiere im regulierten Markt der FWB zu veräußern. Gesellschaftrechtlich bedarf der beantragte Rückzug von der Börse nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (Urt. v. 25.11.2002 - II ZR 133/01 - (BGHZ 153, 47) - „Macrotron“) eines Beschlusses der Hauptversammlung und eines öffentlichen Kaufangebots an die übrigen Aktionäre durch die Gesellschaft oder den Großaktionär. Der BGH hat zwar festgestellt, dass die Einbeziehung der Aktien in den Freiverkehr die Abfindungspflicht nicht entfallen lässt, weil die grundgesetzliche Eigentumsgarantie die Verkehrsfähigkeit des Aktieneigentums schütze. Unklar ist jedoch, ob dies auch für die Segmente des Freiverkehrs gilt, deren Regelwerke dem regulierten Markt stark angenähert und geeignet sind, dauerhaft einen funktionsfähigen Markt zu gewährleisten (dann sog. Downgrading oder Downlisting). Das Oberlandesgericht München (Urt. v. 21.05.2008 -31 Wx 62/07) hat die Verkehrsfähigkeit für das Segment M:access der Börse München bejaht. Das Bundesverfassungsgericht hat jedenfalls festgestellt (Urt. vom 11.7.2012, 1 BvR 3142/07, 1 BvR 1569/08), dass der Rückzug vom regulierten Markt das Eigentumsgrundrecht aus Art. 14 I GG nicht berührt, also hieraus etwa keine Ansprüche auf Abfindung der Aktionäre herleitbar sind. Es hat aber nicht bemängelt, wenn Instanzgerichte solche Ansprüche aufgrund
    einer Gesamtanalogie zu gesetzlichen Regelungen anderer gesellschaftsrechtlicher Strukturmaßnahmen herleiten.

    Vgl. auch Going Private.

    zuletzt besuchte Definitionen...

      Mindmap Delisting Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/delisting-28704 node28704 Delisting node48634 Umsatz node28704->node48634 node42158 Sortiment node28704->node42158 node45028 Rentabilität node28704->node45028 node29911 Artikel node28704->node29911 node48707 Zulassung von Wertpapieren ... node28704->node48707 node37558 Kapitalumschlag node28704->node37558 node27729 Artikelaufschlag node27729->node29911 node49603 Umsatzsteuer node49603->node48634 node31132 Absatzplanung node31132->node48634 node34464 Erlös node48634->node34464 node43880 Sortimentspolitik node45388 Sorte node32612 Handelsbetrieb node42158->node43880 node42158->node45388 node42158->node32612 node30178 Artikelnummernsysteme node30178->node29911 node44505 Sortimentspyramide node45028->node37558 node29911->node44505 node26939 Börsenzulassung von Wertpapieren node26939->node48707 node46275 Prospekt node27827 Börsengesetz (BörsG) node48640 Wertpapier node48707->node46275 node48707->node27827 node48707->node48640 node53458 Umsatzrendite node53458->node45028 node38628 Kapitalrendite node38628->node45028 node38707 MAPI-Methode node38707->node45028 node49340 Unternehmer node49340->node48634
      Mindmap Delisting Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/delisting-28704 node28704 Delisting node45028 Rentabilität node28704->node45028 node48707 Zulassung von Wertpapieren ... node28704->node48707 node29911 Artikel node28704->node29911 node42158 Sortiment node28704->node42158 node48634 Umsatz node28704->node48634

      News SpringerProfessional.de

      • Exportentwicklung Werkzeugmaschinen

        Ein aktueller Quest Report verbindet Exportmärkte und Durchschnittswerte von Werkzeugmaschinen in Euro und die Wirkung auf die Exporte nach China seit 2008. Steigende Durchschnittswerte von Werkzeugmaschinen gehen demnach mit rückläufigen Exporten nach China einher.

      • Banken genießen großes Vertrauen ihrer Kunden

        72 Prozent der Bankkunden in Deutschland gehen davon aus, dass Kreditinstitute mit ihren persönlichen Daten sorgsam umgehen. Keine andere Branche genießt einer aktuellen Umfrage zufolge höheres Vertrauen.

      • Neue Aufgaben für die Zentrale der Zukunft

        Unternehmen müssen agil und innovativ sein. Das althergebrachte Headquarter, von dem aus alles zentral gesteuert werden soll, scheint dazu nicht passen zu wollen. Muss die Unternehmenszentrale neu erfunden werden? 

      • So geht erfolgreiches Lead Nurturing im B2B-Segment

        Wenn nicht nur Leads, sondern in Folge auch Käufer generiert werden, ist von Lead Nurturing die Rede. Im B2B-Bereich müssen E-Mail-Marketer dafür besonders strategische sowie kontinuierliche Beziehungsarbeit leisten.

      • Globales E-Invoicing ist Herausforderung für Unternehmen

        Unternehmen sind aufgrund staatlicher Vorgaben zunehmend dazu verpflichtet, ihre Rechnungen elektronisch zu erstellen. Doch in jedem Land gelten andere rechtliche Regelungen. Entsprechend komplex gestalten sich die Prozesse. Erster Teil des Gastbeitrags.

      • Auf dem Rechtsweg ins Verderben

        Wer seinen Markt als Eigentum betrachtet und Neueinsteiger juristisch bekämpfen will, kann nur verlieren, meint Springer-Autor und Zukunftsmanager Heino Hilbig. Denn die Klage eines Taxifahrers gegen Moia wird neue Verkehrskonzepte nicht verhindern. 

      • Mit Location Based Marketing auf Neukundenfang

        Deutsche Marketing-Manager sehen in standortbasierter Werbung die Brücke, um Konsumenten online wie offline anzusprechen. Vor allem für die Neukundengewinnung setzen sie auf das Marketinginstrument.

      • Wie der Arbeitsplatz von morgen aussehen wird

        Während der Industrialisierung wanderte die Arbeit aus dem Haushalt in die Fabrik. Heute klopft sie wieder an die Haustür. Die Möglichkeit zu mehr zeitlicher und örtlicher Flexibilität, beispielsweise zur Arbeit im Homeoffice, macht vor keiner Branche mehr halt.

      • Java und JavaScript sind die beliebtesten Programmiersprachen

        Die meisten Softwareingenieure setzen auf Java und JavaScript, wenn es um die Entwicklung von Unternehmensanwendungen geht. Die angeblichen "In"-Programmiersprachen Python & Co. liegen in der Beliebtheitsskala teils weit abgeschlagen hinter den Klassikern.

      • Diese digitalen Marken sind top

        Digitale Dienste dominieren immer stärker die Markenwelt. In den Top 25 der relevantesten Marken Deutschlands machen sich analoge Marken eher rar.

      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Dr. Cordula Heldt
      Deutsches Aktieninstitut e.V.
      Referentin und Rechtsanwältin
      Prof. Dr. Alexander Hennig
      Duale Hochschule Baden-Württemberg Mannheim
      Professor für Handelsmanagement
      Prof. Dr. Willy Schneider
      Duale Hochschule Baden-Württemberg Mannheim
      Studiengang BWL-Handel
      Professor

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

      Springer Professional - Die Flatrate für Fachzeitschriften und Bücher
      The company’s stock exchange listing is very important for the shareholders. It guarantees them easy transferability of their shares and high transparency requirements. On the other hand, a delisting offers the opportunity for the management to …
      The aim of our paper is to understand the foreign delisting phenomenon using a multi-method approach based on both information content analysis and event study analysis of foreign companies withdrawing their stocks from the Tokyo Stock Exchange. Our
      The aim of this chapter is to study the forces driving companies’ exit from the Athens Stock Exchange (ASE). It also highlights the motives and the information on which this exit was considered as the most appropriate choice as well as the actions …

      Sachgebiete