Direkt zum Inhalt

Bildungsökonomie

GEPRÜFTES WISSEN
Über 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 25.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition

    1. Begriff: Beschreibung und Analyse, wie Individuen, Institutionen und die Gesellschaft insgesamt knappe Ressourcen einsetzen, um verschiedene Arten von Bildung zu produzieren, d.h. die Entwicklung von Wissen, Kenntnissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten, von Einstellungen, moralischen Normen, Werten, Orientierungen, von Charakter und geistigem Vermögen über die Zeit v.a. durch formale Institutionen anzuregen und zu fördern, und wie die knappen Ressourcen sowie die Ergebnisse ihrer Nutzung in Bildungsprozessen in Gegenwart und Zukunft zwischen den Menschen und Gruppen innerhalb einer Gesellschaft verteilt werden.

    2. Bildung als ökonomisches Gut: Die Tatsache, dass Schulbildung in Deutschland seitens des Staates preislos angeboten wird, verleitet häufig zu der irrigen Auffassung, Bildung sei kostenlos zu haben (freies Gut). Doch in jeder Gesellschaft muss ein Teil der jeweils der Gesellschaft zur Verfügung stehenden Ressourcen aufgebracht werden, damit Bildungsleistungen bereitgestellt werden können. Bildung ist somit ein ökonomisches bzw. knappes Gut, das den Gesetzen des Wirtschaftens, der Knappheit und dem Postulat effizienten Handelns (Effizienz) unterliegt. Umstritten ist bis heute, ob Bildung ein privates, ein öffentliches Gut, ein meritorisches Gut oder ein Mischgut ist.

    3. Die Rolle des Staates im Bildungswesen hängt wesentlich davon ab, ob Bildung als öffentliches Gut angesehen und wie stark das Marktversagen gewertet wird. Die Tatsache, dass weite Bereiche des Bildungswesens in vielen Ländern staatlich organisiert sind, hat vermutlich eher politische als ökonomische Gründe, denn das staatliche Bildungsmonopol (d.h. die Einheit von staatlicher Bildungsproduktion und -finanzierung) ist nur eine und im Vergleich zu ordnungspolitischem Handeln sowie Anbieter- oder Nachfragersubvention die schärfste Interventionslösung bei vermutetem Marktversagen. Die Public-Choice-Theorie (Neue Politische Ökonomie) hat die Effizienz der staatlichen Bereitstellung von Gütern und der ihr zugrunde liegenden Entscheidungsprozesse in Zweifel gezogen und mit der These des Staatsversagens oder Regierungsversagens gekontert. Wegen Wählerunwissenheit, der Dominanz spezieller politischer Interessen, politischer Kurzsichtigkeit, fehlender Stimmen für effizientes Handeln, unpräziser Reflexion der Kundenpräferenzen, politischer Handlungs- und Entscheidungslags, sowie wegen informationeller, finanzieller und legitimatorischer Handlungsrestriktionen der Politiker könnten die politischen Steuerungsprozesse keine effiziente Ressourcenallokation im Bildungssystem bewirken.

    4. Bildung als Konsum oder Investition: Die Frage nach dem Gutscharakter von Bildung wurde in der Phase der Renaissance der Bildungsökonomie in den 1960er-Jahren gestellt. Die Diskussion endete mit dem Ergebnis, dass weder theoretisch und noch empirisch zwischen dem Investitions- oder Konsumcharakter zu entscheiden sei oder auch zwischen entsprechenden Anteilen der Bildungsaufwendungen. Bis heute hat sich die (willkürlich getroffene) Vorstellung gehalten, dass Bildungsaufwendungen (private wie gesellschaftliche) als Investitionen zu gelten haben, während die Konsumkomponente als kostenloses Kuppelprodukt anfällt.

    5. Humankapitaltheorien.

    6. Makro- und Mikroökonomik der Bildung: Der Zusammenhang von Bildung und Ökonomik wird sowohl auf der Ebene der Makroökonomik als auch auf jener der Mikroökonomik bearbeitet. Während die makroökonomische Perspektive den Systembezug von Bildungswesen und dem ökonomischen System in den Blick nimmt (Bildung und Einkommensverteilung, Bildung und Wirtschaftswachstum, Bildung und Beschäftigung, Bildungsfinanzierung), wählt die mikroökonomische Perspektive das Verhalten des einzelnen Bildungsanbieters und -nachfragers als Beobachtungsgegenstand.

    Mindmap Bildungsökonomie Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/bildungsoekonomie-29627 node29627 Bildungsökonomie node37289 Marktversagen node29627->node37289 node41616 meritorische Güter node29627->node41616 node40983 Knappheit node29627->node40983 node39342 Mikroökonomik node29627->node39342 node35160 Effizienz node29627->node35160 node40778 Makroökonomik node29627->node40778 node45206 öffentliches Gut node29627->node45206 node42919 Produzentenrente node42919->node39342 node40095 methodologischer Individualismus node37289->node41616 node41616->node40095 node36114 Gut node36114->node41616 node30856 Bedürfnis node40513 Markt node40983->node36114 node40983->node30856 node40983->node40513 node51205 Wirtschaftssubjekt node42040 Produktion node42040->node40983 node42040->node39342 node39342->node51205 node39342->node40778 node47252 Wirtschaftlichkeit node35160->node47252 node41093 Neoklassik node47916 Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung (VGR) node38052 Keynesianismus node31465 Arbeit node31465->node40778 node40778->node41093 node40778->node47916 node40778->node38052 node54203 Logistik 4.0 node54203->node35160 node44840 Personalabteilung node44840->node35160 node54077 Cyber-physische Systeme node54077->node35160 node45206->node41616
    Mindmap Bildungsökonomie Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/bildungsoekonomie-29627 node29627 Bildungsökonomie node35160 Effizienz node29627->node35160 node40778 Makroökonomik node29627->node40778 node39342 Mikroökonomik node29627->node39342 node40983 Knappheit node29627->node40983 node41616 meritorische Güter node29627->node41616

    News SpringerProfessional.de

    Literaturhinweise SpringerProfessional.de

    Bücher auf springer.com

    Sachgebiete