Direkt zum Inhalt

Aufmerksamkeit

Definition

I. Konstrukt im Marketing.
II. Steuerrechtlicher Begriff.

GEPRÜFTES WISSEN
Über 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 25.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition

    Inhaltsverzeichnis

    1. Marketing
    2. Steuerrecht

    Marketing

    Fähigkeit des Organismus zur selektiven Erhöhung der Aktivierung. Konstrukt, das die Bereitschaft eines Individuums beschreibt, Reize aus seiner Umwelt wahrzunehmen. Bei Darstellung der Aufmerksamkeit geht es darum, wie stark das Verhalten überhaupt durch das Reizumfeld als Ganzes gesteuert wird und welche Elemente des Reizfeldes das Verhalten vorwiegend steuern. Aufmerksamkeit führt zur Reizauswahl, um bei der Reizüberflutung „relevante“ Reize aufzunehmen. Bei einer Reizauswahl werden i.Allg. die starken Reize bevorzugt. Reize, die eine vorübergehende Aktivierung erzeugen, sind:
    (1) physisch intensive Reize: starke Farben, Gerüche, Töne;
    (2) kognitiv überraschende Reize: lösen gedankliche Konflikte durch Widersprüche und Überraschungen aus (z.B. lachende Gesichter auf einem Friedhof) und
    (3) emotionale Reize: Schlüsselreize, die biologisch vorprogrammierte Reaktionen auslösen und die Empfänger weitgehend automatisch erregen (z.B. Kindchenschema). Zusätzlich können Frequenztechniken Aufmerksamkeit erzeugen, denn je öfter eine Werbung dargeboten wird, desto besser wird sie bemerkt.

    Vgl. auch Orientierungsreaktion.

    Steuerrecht

    1. Lohnsteuer: Grundsätzlich unterliegen der Lohnsteuer (bzw. Einkommensteuer) sämtliche Einnahmen aus dem Arbeitsverhältnis und als Einnahmen sind nicht nur Geld, sondern auch geldwerte Vorteile anzusehen (§ 8 I EStG); somit stellen Sachen oder Dienstleistungen, die vom Arbeitgeber den Arbeitnehmern gewährt werden, einen Teil des steuerpflichtigen Einkommens dar, selbst wenn dies freiwillig zum geschuldeten Lohn geschieht. Diese Betrachtungsweise ist jedoch überall dort unangemessen, wo der Arbeitnehmer Sachzuwendungen erhält, die bei vernünftiger wirtschaftlicher Betrachtung für ihn keinen wirtschaftlichen Vorteil bedeuten, sondern sich als Ausfluss bloßer Höflichkeit darstellen („Aufmerksamkeit“). Diese Betrachtungsweise bildet den Hintergrund dafür, dass Sachzuwendungen von geringem Wert, die als bloße Aufmerksamkeiten gegeben werden, z.B. Blumen oder Pralinen, nicht zum steuerpflichtigen Arbeitslohn gehören. Die sog. Nichtbeanstandungsgrenze für Aufmerksamkeiten wurde von 40 EUR ab dem Jahr 2015 auf brutto 60 Euro erhöht. Zu beachten bleibt, dass es sich bei diesem Betrag um eine Freigrenze und nicht um einen Freibetrag handelt. Bei höheren Zuwendungen ist ggf. die Anwendung des § 37b EStG möglich, so im BMF-Schreiben vom 19. Mai 2015, Rz. 19, auch bei Arbeitnehmern.

    Vgl. auch Annehmlichkeit sowie R 19.6 LStR. Abzugrenzen sind die Begriffe der Aufmerksamkeiten und Geschenke. Nach R 19.6 LStR werden Aufmerksamkeiten dem Empfänger, anders als Geschenke, aus Anlass eines besonderen persönlichen Ereignisses zugewendet.

    2. Umsatzsteuer: Lieferungen und sonstige Leistungen eines Unternehmers im Rahmen seines Unternehmens an seine Arbeitnehmer oder deren Angehörige aufgrund des Dienstverhältnisses, für die der Empfänger (Arbeitnehmer) kein bes. berechnetes Entgelt aufwendet, sofern diese Leistung ohne rechtliche Verpflichtung gewährt wird und nach ihrem Wert im Verhältnis zum Gesamtlohn des Arbeitnehmers nicht ins Gewicht fällt (z.B. Betriebskindergärten, betriebsärztliche Versorgung). Aufmerksamkeiten sind nicht umsatzsteuerbar, da sie nicht gegen Entgelt erbracht werden und auch der Auffangtatbestand der „unentgeltlichen Lieferungen und Leistungen“ (§ 3 Ib, § 3 IXa UStG) hier nicht eingreift.

    Was im Rahmen der Lohnsteuer als nicht steuerpflichtige Leistungen oder Annehmlichkeit angesehen wird oder innerhalb lohnsteuerlicher Freibeträge oder Freigrenzen bleibt, ist auch umsatzsteuerlich eine nicht umsatzsteuerbare Aufmerksamkeit (Einzelheiten: R 1.8 UStAE).

    zuletzt besuchte Definitionen...

      Mindmap Aufmerksamkeit Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/aufmerksamkeit-27749 node27749 Aufmerksamkeit node31657 Aktivierung node27749->node31657 node40405 Kaufrisiko node40405->node27749 node37559 Kaufabsicht node40405->node37559 node50253 Wahrnehmung node40405->node50253 node48335 Werbemittel node36072 Frequenztechnik node36072->node27749 node36072->node48335 node43274 Reminder node36072->node43274 node45247 sonstige Bezüge node37790 Jubiläumsgeschenke node45247->node37790 node34959 Geschenk node34959->node37790 node37790->node27749 node40927 Markenkenntnis node40927->node40405 node28277 Blickregistrierung node29350 Aktivierungsforschung node28277->node29350 node37720 Informationsaufnahme node31657->node37720 node33447 Hautwiderstandsmessung node29350->node27749 node29350->node31657 node29350->node33447 node40924 Infomotion node40924->node31657 node50253->node31657 node30160 Anmutung node30160->node31657
      Mindmap Aufmerksamkeit Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/aufmerksamkeit-27749 node27749 Aufmerksamkeit node31657 Aktivierung node27749->node31657 node29350 Aktivierungsforschung node29350->node27749 node40405 Kaufrisiko node40405->node27749 node37790 Jubiläumsgeschenke node37790->node27749 node36072 Frequenztechnik node36072->node27749

      News SpringerProfessional.de

      • Exportentwicklung Werkzeugmaschinen

        Ein aktueller Quest Report verbindet Exportmärkte und Durchschnittswerte von Werkzeugmaschinen in Euro und die Wirkung auf die Exporte nach China seit 2008. Steigende Durchschnittswerte von Werkzeugmaschinen gehen demnach mit rückläufigen Exporten nach China einher.

      • Banken genießen großes Vertrauen ihrer Kunden

        72 Prozent der Bankkunden in Deutschland gehen davon aus, dass Kreditinstitute mit ihren persönlichen Daten sorgsam umgehen. Keine andere Branche genießt einer aktuellen Umfrage zufolge höheres Vertrauen.

      • Neue Aufgaben für die Zentrale der Zukunft

        Unternehmen müssen agil und innovativ sein. Das althergebrachte Headquarter, von dem aus alles zentral gesteuert werden soll, scheint dazu nicht passen zu wollen. Muss die Unternehmenszentrale neu erfunden werden? 

      • So geht erfolgreiches Lead Nurturing im B2B-Segment

        Wenn nicht nur Leads, sondern in Folge auch Käufer generiert werden, ist von Lead Nurturing die Rede. Im B2B-Bereich müssen E-Mail-Marketer dafür besonders strategische sowie kontinuierliche Beziehungsarbeit leisten.

      • Globales E-Invoicing ist Herausforderung für Unternehmen

        Unternehmen sind aufgrund staatlicher Vorgaben zunehmend dazu verpflichtet, ihre Rechnungen elektronisch zu erstellen. Doch in jedem Land gelten andere rechtliche Regelungen. Entsprechend komplex gestalten sich die Prozesse. Erster Teil des Gastbeitrags.

      • Auf dem Rechtsweg ins Verderben

        Wer seinen Markt als Eigentum betrachtet und Neueinsteiger juristisch bekämpfen will, kann nur verlieren, meint Springer-Autor und Zukunftsmanager Heino Hilbig. Denn die Klage eines Taxifahrers gegen Moia wird neue Verkehrskonzepte nicht verhindern. 

      • Mit Location Based Marketing auf Neukundenfang

        Deutsche Marketing-Manager sehen in standortbasierter Werbung die Brücke, um Konsumenten online wie offline anzusprechen. Vor allem für die Neukundengewinnung setzen sie auf das Marketinginstrument.

      • Wie der Arbeitsplatz von morgen aussehen wird

        Während der Industrialisierung wanderte die Arbeit aus dem Haushalt in die Fabrik. Heute klopft sie wieder an die Haustür. Die Möglichkeit zu mehr zeitlicher und örtlicher Flexibilität, beispielsweise zur Arbeit im Homeoffice, macht vor keiner Branche mehr halt.

      • Java und JavaScript sind die beliebtesten Programmiersprachen

        Die meisten Softwareingenieure setzen auf Java und JavaScript, wenn es um die Entwicklung von Unternehmensanwendungen geht. Die angeblichen "In"-Programmiersprachen Python & Co. liegen in der Beliebtheitsskala teils weit abgeschlagen hinter den Klassikern.

      • Diese digitalen Marken sind top

        Digitale Dienste dominieren immer stärker die Markenwelt. In den Top 25 der relevantesten Marken Deutschlands machen sich analoge Marken eher rar.

      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Dr. Norbert Dautzenberg
      Jade Hochschule
      Wilhelmshaven/Oldenburg/Elsfleth/,
      Standort Wilhelmshaven
      Verwalter einer Professur für Betriebswirtschaftliche Steuerlehre
      Prof. Dr. Franz-Rudolf Esch
      Universität Gießen,
      FB Wirtschaftswissenschaften,
      Fak. BWL I
      Inhaber der Professur für Marketing

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

      Springer Professional - Die Flatrate für Fachzeitschriften und Bücher
      Die Untersuchung der Aufmerksamkeit beschäftigt sich in erster Linie mit der selektiven Verarbeitung wahrgenommener Informationen in einer begrenzten Verarbeitungskapazität. Im Kapitel zur Aufmerksamkeitspsychologie werden dabei die selektive und …
      Seit alters gilt die Aufmerksamkeit als eine Art Schwelle von außen zum psychischen Innen. Ihre Störungen bedingen mithin, so wird gesagt, Verzerrungen und Veränderungen des Innerpsychischen. Der Aufsatz skizziert zum einen die philosophie- und …
      Mit Working Capital Management kann die Liquidität und Performance eines Unternehmens entscheidend verbessern werden. Trotzdem bekommt die Optimierung des Working Capitals in vielen Unternehmen keine Priorität.

      Sachgebiete