Direkt zum Inhalt

Wertpapierhandelsgesetz (WpHG)

Definition

reguliert den Wertpapierhandel und dient der Kontrolle von Wertpapierdienstleistungsunternehmen zum Schutz der Anleger. Im WpHG ist ein Großteil der spezifischen Veröffentlichungspflichten für börsennotierte Unternehmen geregelt, manche Pflichten treffen aber auch die Aktionäre (Stimmrechtsmitteilungen)

GEPRÜFTES WISSEN
Über 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 25.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition

    1. Allgemein: Gesetz über den Wertpapierhandel i.d.F. vom 9.9.1998 (BGBl. I 2708) m.spät.Änd. Anzuwenden ist das WpHG auf die Erbringung von Wertpapierdienstleistungen und Wertpapiernebendienstleistungen, auf den börslichen und außerbörslichen Handel mit Finanzinstrumenten, auf den Abschluss von Finanztermingeschäften, auf Finanzanalysen sowie auf Veränderungen der Stimmrechtsanteile von Aktionären an börsennotierten Gesellschaften. Das WpHG ist insbesondere durch die Umsetzung der MiFID aber auch der EU-Transparenzrichtlinie (2004/109/EG) im Jahre 2007 stark überarbeitet worden. Neu im dt. Recht sind insbesondere die Regelungen zur Vorhandelstransparenz für den Aktienhandel (vgl. auch Nachhandelstransparenz). Der Katalog zulassungspflichtiger Finanzdienstleistungen und die Wohlverhaltenspflichten für Wertpapierdienstleistungsunternehmen sind erweitert worden. Das WpHG enthält nunmehr auch Bestimmungen für die Zulassung und Tätigkeit von Handelsplattformen (MTFs und systematische Internalisierer) und die außerbörsliche Ausführung von Wertpapiergeschäften. Sämtliche Regelungen über die Ausführung von Kundenaufträgen sind  in § 33a WpHG sowie einer zugehörigen Verordnung geregelt. Danach gilt nunmehr grundsätzlich das Prinzip der bestmöglichen Ausführung von Kundenaufträgen (Best Execution). Bei Beratungsdienstleistungen sind die Anlageziele, finanziellen Verhältnissen und der Erfahrungsschatz der Kunden zu beachten.

    2. Regelungsinhalt: u.a.
    (1) Insiderüberwachung und Überwachung des Verbots der Marktmanipulation (z.B. Ad-hoc-Publizität der börsennotierten Unternehmen);
    (2) Regelungen zur Publizität von Stimmrechtsanteilen an börsennotierten Unternehmen;
    (3) Regelungen zu Informationen für die Wahrnehmung von Rechten aus Wertpapieren; (4) Regelungen zu Verhaltens-, Organisations- und Transparenzpflichten von Wertpapierdienstleistungsunternehmen, Betreibern von MTFs und systematischen Internalisierern; (5) Überwachung von Unternehmensabschlüssen und Veröffentlichung von Finanzberichten.

    3. Die Aufsicht nach den Vorschriften des Gesetzes übt die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) aus.

    4. Insiderüberwachung (§§ 12 ff.): Insider, Insiderpapiere, Insiderinformation.

    5. Mitteilungs- und Veröffentlichungspflichten bei Veränderungen des Stimmrechtsanteils an börsennotierten Gesellschaften (§§ 21 ff.WpHG): Grundsätzlich gilt: wer durch Erwerb, Veräußerung oder auf sonstige Weise 3, 5, 10, 15, 20, 25, 30, 50 oder 75 Prozent der Stimmrechte eines Aktienemittenten mit der Bundesrepublik als Herkunftsstaat erreicht, überschreitet oder unterschreitet, hat der Gesellschaft wie auch dem BaFin dieses unverzüglich, spätestens innerhalb von vier Handelstagen mitzuteilen. Das börsennotierte Unternehmen hat dann dem Gesetz zufolge unverzüglich, spätestens drei Handelstage nach Zugang der Mitteilung, diese zu veröffentlichen und dem Unternehmensregister zur Speicherung zu übermitteln. Die Mitteilungspflichten gelten seit dem Anlegerschutz- und Funktionsverbesserungsgesetz v. 5.4.2011 (BGBl. I S. 538) für alle Finanzinstrumente und sonstigen Instrumente, die es ihrem Inhaber faktisch oder wirtschaftlich ermöglichen, mit Stimmrechten verbundene und bereits ausgegebene Aktien eines Emittenten zu erwerben. Dies kann z.B. auch den Stillhalter einer Put-Option umfassen, allerdings erst ab 5 Prozent. Eine Zusammenrechnung der Stimmrechtsmitteilungen von Aktien und sonstigen Finanzinstrumenten findet nach einer weiteren Änderung des WpHG durch das Risikobegrenzungsgesetz vom 12.8.2008 (BGBl. I 1666) statt.

    6. Bestimmung der Adressaten: Mit der Umsetzung der Transparenzrichtlinie wurden komplexe Regelungen zur Bestimmung der vom Gesetz betroffenen Emittenten und Wertpapierdienstleistungsunternehmen eingeführt. Grundsätzlich gilt nun das Herkunftsstaatsprinzip, das an den Sitz im Inland anknüpft. Daneben gelten z.B. die Publizitätsvorschriften börsennotierter Unternehmen vorwiegend für Inlandsemittenten, also alle Emittenten, deren Herkunftsstaat die Bundesrepublik oder ein anderes EWR-Land ist und deren Wertpapiere ausschließlich zum Handel an einem organisierten Markt in der Bundesrepublik zugelassen sind. Emittenten deutscher Herkunft, deren Wertpapiere ausschließlich in einem anderen EWR-Staat zum Handel an einem organisierten Markt zugelassen sind und dort den durch die Transparenzrichtlinie aufgestellten Anforderungen unterliegen, sind keine Inlandsemittenten.

    7. Straf- und Bußgeldvorschriften (§§ 38 ff.): Wer gegen die Bestimmungen des WpHG verstößt, kann mit Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder mit einem Bußgeld von bis zu 1 Mio. Euro bestraft werden.––8. Ausblick: Die Umsetzung der geänderten MiFID und der Verordnungen MIFIR und EMIR werden zu weiteren Änderungen des WpHG führen.

    zuletzt besuchte Definitionen...

      Mindmap Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/wertpapierhandelsgesetz-wphg-50085 node50085 Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) node51352 MiFID node50085->node51352 node27721 Compliance node48640 Wertpapier node27721->node48640 node34525 Hedge Funds node37121 Leerverkauf node34525->node37121 node37121->node50085 node42627 Optionsgeschäft node42627->node37121 node33310 Hedging node29775 Arbitrage node50034 Termingeschäfte node50034->node50085 node50034->node42627 node50034->node33310 node50034->node29775 node31239 Derivate node50034->node31239 node28518 Anleihe node51356 MTF node51352->node51356 node29728 Börse node51352->node29728 node53791 OTF node51352->node53791 node47636 Wechsel node31239->node48640 node48640->node50085 node48640->node28518 node48640->node47636 node38261 Kompensationsgeschäft node38261->node51352 node51356->node50085 node51356->node29728 node51356->node53791 node45287 Short Position node45287->node37121
      Mindmap Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/wertpapierhandelsgesetz-wphg-50085 node50085 Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) node51352 MiFID node50085->node51352 node51356 MTF node50085->node51356 node48640 Wertpapier node48640->node50085 node50034 Termingeschäfte node50034->node50085 node37121 Leerverkauf node37121->node50085

      News SpringerProfessional.de

      Autoren der Definition und Ihre Literaturhinweise/ Weblinks

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

      Bücher auf springer.com

      Sachgebiete