Direkt zum Inhalt

Abstimmungsverfahren

GEPRÜFTES WISSEN
Über 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis.
Mehr als 25.000 Stichwörter kostenlos Online.
Das Original: Gabler Wirtschaftslexikon

zuletzt besuchte Definitionen...

    Ausführliche Definition

    Abstimmungsregeln. 1. Allgemein: Regelung der Stimmenverteilung und der Feststellung des Abstimmungssiegers bei kollektiven Entscheidungsprozessen (Kollektiventscheidung). Stimmenverteilung heute i.Allg. nach der Regel: Eine Person, eine Stimme. Für die Entscheidung, welche der zur Wahl stehenden Alternativen die Abstimmung gewinnt, existiert eine Vielzahl von Regeln, z.B. einfache Mehrheit, qualifizierte Mehrheit, absolute Mehrheit, Punktemethode. Abstimmungsverfahren sind faktisch manipulierbar durch strategisches Abstimmungsverhalten.

    2. Neue Politische G: a) Ideale Abstimmungsverfahren: Regeln, die
    (1) demokratischen Prinzipien entsprechen,
    (2) widerspruchsfreie Entscheidungen der Gruppe ermöglichen,
    (3) aus der Sicht der Teilnehmer befriedigende Ergebnisse versprechen und
    (4) ihnen Anreize zu einer Offenbarung der wahren Präferenzen geben. Nach Arrow kann es keine Regel geben, die eine vollständige und widerspruchsfreie Aggregation individueller Präferenzen zu einer kollektiven Präferenzrangfolge ermöglicht und zugleich nicht diktatorisch ist (Arrow-Paradoxon). Auswege aus diesem Dilemma:
    (1) Einschränkende Annahmen über die Präferenzen der Mitglieder, die eine Intransivität der Gruppenpräferenzen für bestimmte Abstimmungsregeln verhindern, sind entweder unplausibel oder wenig handlich.
    (2) Verzicht auf volle Rationalität der Gruppe in Form der Transitivität der Gruppenpräferenzen; Ersetzung durch die Forderung, dass die Gruppe immer eine beste Alternative findet.

    Beispiel: erweiterte Pareto-Regel.
    (3) Verzicht auf die Unabhängigkeit von irrelevanten Alternativen, damit aber größere Anfälligkeit gegen strategisches Abstimmungsverhalten (Gibbard-Satterthwaite-Theorem).

    Beispiel: Borda-Regel.

    b) Optimale binäre Abstimmungsverfahren.

    c) Weitere Abstimmungsverfahren: Neuere, von Theoretikern der Neuen Politischen Ökonomie vorgeschlagene Regeln, wie Veto-Abstimmungsregel, Zustimmungsregel oder Clarke-Groves-Mechanismus, haben günstige Eigenschaften hinsichtlich der Anreize zur Offenbarung der wahren Präferenzen, sind jedoch in der Durchführung aufwendig und haben sich deshalb in der Praxis (noch) nicht durchgesetzt. Die Anwendung der Einstimmigkeitsregel von Knut Wicksell sorgt für eine Pareto-optimale Entscheidung.

    zuletzt besuchte Definitionen...

      Mindmap Abstimmungsverfahren Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/abstimmungsverfahren-27388 node27388 Abstimmungsverfahren node36944 Kollektiventscheidung node27388->node36944 node28816 Arrow-Paradoxon node27388->node28816 node50933 wirtschaftspolitisches Ziel node50933->node28816 node30656 absolute Mehrheitsregel node30656->node27388 node44225 qualifizierte Mehrheit node36603 einfache Mehrheitsregel node36603->node27388 node36603->node30656 node36603->node44225 node46776 relatives Mehrheitswahlrecht node36603->node46776 node40164 Neue Politische Ökonomie node38470 Logrolling node38470->node36944 node36360 Entscheidung node36944->node40164 node36944->node36360 node29229 Condorcet-Paradoxon node32315 Entscheidungstheorie node32315->node27388 node51047 Zielsystem node32315->node51047 node42693 Sicherheitsäquivalent node32315->node42693 node30730 Bernoulli-Prinzip node32315->node30730 node46086 Prospect-Theorie node32315->node46086 node50000 Wohlfahrtsökonomik node28816->node29229 node28816->node50000 node34800 Entscheidungsverhalten node34800->node51047 node53968 Zielsystem der Unternehmung node42926 Nutzwertanalyse node51047->node27388 node51047->node53968 node51047->node42926
      Mindmap Abstimmungsverfahren Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/abstimmungsverfahren-27388 node27388 Abstimmungsverfahren node28816 Arrow-Paradoxon node27388->node28816 node36944 Kollektiventscheidung node27388->node36944 node32315 Entscheidungstheorie node32315->node27388 node51047 Zielsystem node51047->node27388 node36603 einfache Mehrheitsregel node36603->node27388

      News SpringerProfessional.de

      Zeitschriften

      Tideman, T. N./Tullock, G.: A New and Superior Process for Making Social Choices
      84, 1976, S. in: Journal of Political Economy, S. 1145-1159
      Buchanan, J. M.: Knut Wicksell on Marginal Cost Pricing
      18, 1951, S. in: Southern Economic Journal, S. 173-178

      Literaturhinweise SpringerProfessional.de

      Bücher auf springer.com

      Sachgebiete